Kritiken
Ride With The Devil (Mychael Danna)
Atlantic / 2000
Bewertung:

Der US-amerikanische Bürgerkrieg ist neben dem zweiten Weltkrieg das bedeutendste historische Kriegsereignis, das häufig in die Drehbücher Hollywoods Eingang findet. Das ist aufgrund der immensen Bedeutung für die amerikanische Geschichte nicht weiter verwunderlich, denn es war dieser Krieg, der die Feuertaufe der mächtigen Nation darstellte und auch in seiner Brutalität und Verlusten einen großen Einschnitt in das Leben mehrerer Generationen darstellte. Filmische Umsetzungen verwenden den Krieg aber zumeist als Hintergrund für große Liebesgeschichten ("Vom Winde Verweht” oder “Cold Mountain") oder Familiensagen ("Fackeln im Sturm").
Ang Lees Film “Ride With The Devil” (mit Tobey Maguire, Skeet Ulrich, James Caviezel) beschreitet einen etwas anderen Weg und zeigt den Krieg realistischer und grausamer, ohne die Zeiten zu romantisieren oder zu beschönigen. Er beschäftigt sich mit einem schwelenden Guerilla-Konflikt im Grenzland zwischen Missouri und Kansas, zeigt die harten Seiten des Krieges für alle Betroffenen und zeigt auch selten gesehene Fakten wie den sinnlosen Stellungskampf in kleinen Scharmützeln oder die Haltung von freigelassenen Sklaven, die sich der Südstaatenarmee anschlossen. Inhaltlich recht interessant, krankt der Film nur ein wenig an der Dramaturgie, sodass trotz des spannenden Konflikts einige Längen zu überstehen sind.
An der Musik liegt dies aber kaum, denn mit Mychael Danna hat man eine sehr gute Wahl für die Herangehensweise an den Stoff gewonnen. Danna, der bekannt ist für eher sparsame Orchesterarrangements mit exzellent gearbeiteten ethnischen Einflüssen und leichten Ausflügen zu minimalistischen Stilformen, kleidete den subtil-dramatischen Ton des Films in ein passendes musikalisches Gewand. Größtenteils recht ruhig und stimmungsvoll gestaltet und ohne heroische Themen und bombastischer Schlachtmusik präsentiert sich die Musik. Die orchestralen Teile der Musik sind größtenteils streicherbetont, vor allem Celli und Bässe geben den dunklen, eindringlichen Ton an. Auch lebt die Musik von vielfältigen Soli vom Holz und den Streichern, sodass eine transparente und intime Atmosphäre vorherrscht. Die Dramatik bleibt aber durchaus nicht außen vor, an vielen Stellen lässt Danna vor allem mit der Schlagwerkgruppe und dem Blech kraftvolle Arrangements aufspielen, die zwar durchaus wuchtig klingen, aber bei weitem nicht pompös oder bombastisch gearbeitet sind. Ähnlichkeiten finden sich durchaus in den dramatischen Orchesterpassagen von “The Gospel Of John” von Mychaels Bruder Jeff Danna.
Wichtiges Element und sehr typisch für Danna sind die von lokalem Kolorit durchzogenen Passagen, die einen Großteil der Musik ausmachen. Banjo, Gitarre und Fiedel ergänzen den klassischen Orchesterapparat und verschmelzen klanglich und motivisch recht geschickt zu einem folkloristisch angehauchten Klangbild. Teilweise arbeitete Danna “Folk Tunes” ein, andernorts komponierte er eigene Stücke. Dies trägt beträchtlich zum Hörcharme der Musik bei. Man sieht sich bestätigt, dass die ethnische Kompetenz der Danna-Brüder nicht nur an indischen oder nahöstlichen Instrumentarien gemessen werden kann, sondern auch an traditionell-westlichem Kulturgut.
Im Endeffekt ist “Ride With The Devil” eine gehaltvolle, routinierte Arbeit auf hohem Niveau. Der Ton der Musik ist sehr gut getroffen, technisch zeigt Danna Geschick und so sind 4 Sterne als deutliche Empfehlung angemessen.
Jan Titel / 08.02.07
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