Kritiken
Rhythm Is It! (Karim Sebastian Elias)
Naxos / 2004
Bewertung:

2004 Jahr machte ein Dokumentarfilm über ein sogenanntes “Education”-Projekt der Berliner Philharmoniker Furore- in Großstädten wie Hamburg und Berlin läuft der Film auch nach einem halben Jahr noch hartnäckig in manchen Kinosälen, und vor kurzem wurde „Rhythm Is It!“ mit dem Bayrischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet.
Das von Sir Simon Rattle angestoßene Projekt versammelte 250 Berliner Schüler aus sämtlichen sozialen Schichten und allen nur denkbaren Herkunftsländern, die zusammen mit dem Tanzpädagogen Royston Maldoom an einer Choreographie zu Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ arbeiteten und dafür zum Teil erst mal innere Widerstände und auch ein bisschen ihre Bequemlichkeit überwinden mussten, um dann aber voller Elan hart an ihrem Ziel zu arbeiten. Besonderes Augenmerk richtet der Film dabei auf 3 Jugendliche, Marie, eine kesse Ostberlinerin, Martin, ein eher verschlossener Junge und der Einwanderer Olayinka, der aus einem bürgerkriegsgeplagten Land eingewandert ist. Der Score zu der Dokumentation, der neben Strawinskys Opus Magnum vorkommt, nimmt diese drei Protagonisten als Grundlage für seinen thematischen Aufbau, jeder der drei bekam ein eigenes Thema zugeordnet. Die Originalkompositionen für den Film stammen von dem relativ unbekannten Komponisten Karim Sebastian Elias, der vorher einige Tatorte und auch die vorheringen Projekte der „Rhythm Is It!“-Regisseure vertont hatte.
Alle drei Themen sind hauptsächlich melancholischer Natur, Streicher, Holzbläser und das Klavier dominieren das Bild, so dass der Gesamteindruck ein wenig an die (besseren) Werke Rachel Portmans erinnert. In den fröhlicheren Momenten arbeitet Elias mit akzentuierter Rhythmik und arbeitet auch einige mehr oder weniger exotische Percussions ein. Erfreulicherweise verzichtet der Komponist jedoch auf zu offensichtliche ethnische Klischees um den aus Afrika stammenden Olayinka musikalisch zu porträtieren.
Der Score zu „Rhythm Is It“ hat natürlich das Problem, dass er sich zusammen mit einer der populärsten und bedeutendsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts auf dem Tonträger befindet. Bei einem Vergleich damit muss beinahe jede Filmmusik zwangsläufig schwach dagegen aussehen. Der Newcomer Elias verkauft sich allerdings nicht schlecht hier, seine Musik ist klangschön und handwerklich auf einem ordentlichen Niveau gearbeitet.
Außerdem auf der CD vertreten: ein Hip-Hop-Song der Berliner Band „Wickeds“, die Elias’ Hauptthema in ihrem Song „Versteck dich nicht“ verarbeitet haben, und damit den Titelsong des Films geliefert haben.
Fazit: „Rhythm Is It!“ hat die erste Einspielung des “Le Sacre du Printemps” von Strawinsky der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle zu bieten- schon Verlockung genug, sich diese CD zuzulegen. Als Schmankerl bekommt man noch eine ordentliche Partitur von einem bisher unbekannten Komponisten obendrauf.
Jan Boltze / 31.01.07
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