Kritiken
Requiem For A Dream (Clint Mansell)
Nonesuch / 2000
Bewertung:

Darren Aronofsky gelang 1998 mit “Pi“ ein mehr als beachtlicher Debütfilm, der beim Sundance Festival in Park City seine Premiere feierte und dort gleich einen Preis gewann.
Der Thriller über einen wahnsinnig werdenden Mathematiker auf der Suche nach der Weltformel war visuell einfallsreich und mit tiefgründigen Ideen ein wahrlich preiswürdiger Film. Aronofskys zweiter Film „Requiem for a Dream“ wurde ebenfalls von der internationalen Filmkritik gefeiert, und festigte den Ruf des Regisseurs als einen der bedeutendsten seiner Generation. Die deutsche Filmverleiherbranche bekleckerte sich in der Hinsicht aber nicht gerade mit Ruhm. Der Film aus dem Jahre 2001 kam erst mehrere Jahre später in die deutschen Kinos, mit einer Kopienzahl für das gesamte Land, die sich an einer Hand abzählen ließ.
Eine später erschienene DVD setzte diese „Wertschätzung“ fort, in dem der Film dort ohne die Originalsprachfassung und ohne irgendwelche Extras auf dem Markt geworfen wurde. Erst 2005 schaffte man mit einer „Premium Edition“ Abhilfe.
Die Musik zu dem Drama über Abhängigkeiten und Sucht stammt von Clint Mansell, der auch die Musik zu „Pi“ komponierte. Mansell stammt aus der Electronica-Szene und war Mitglied der Band „Pop Will Eat Itself.“ Dementsprechend stammt vieles bei „Requiem for a Dream“ aus dem Computer, wie auch schon bei „Pi.“ Als besonderes Element enthält dieser Score aber auch noch zahlreiche Streichquartettpassagen, die vom berühmten Kronos Quartet eingespielt wurden. Die vier Amerikaner (David Harrington, John Sherba, Hank Dutt und damals noch Jennifer Culp) sind Spezialisten, wenn es um die Musik des 20. Jahrhunderts geht. Besonders erfahren sind sie in der Interpretation von Minimal Music. Genau dieser Musikrichtung entsprechen die Streicherparts in dem Score.
Der Score enthält mehrere Motive. Das Hauptthema hat auch über den Film hinaus einigermaßen Bekanntheit erlangt hat, weil es für den Trailer von „Herr Der Ringe: Die Zwei Türme“ in einer tempomäßig aufgepeppten Variante benutzt wurde. Im Gestus sehr elegisch besteht es aus einem langsameren Eröffungsteil, der auch hin und wieder motivisch weiterverarbeitet wird und einem schnelleren Teil.
Außerdem gibt es noch das “Ghosts"-Thema, das aus einem sehr schönen Cello-Solo über einer elektronischen Begleitung besteht.
Der Film (und der Score) sind in drei Teile eingeteilt, die mit den Jahreszeiten, beginnend im Sommer, überschrieben sind. Im „Winter“-Teil kommt ein weiteres, sehr gekratzt gespieltes Motiv hinzu. Mansell nimmt die Aufnahme dieses rein instrumentalen Stückes und verfremdet sie im Lauf des „Winter“-Teils immer drastischer durch Manipulation der Aufnahme.
Das Hauptproblem der Musik ist ihre geringe Variationsarmut und die an sich simple Struktur. Die Wirkung im Film ist großartig, aber von CD stellt sich schon recht bald Ernüchterung ein, trotz der hervorragend interpretierten und klangschönen Streicherparts.
Fazit: Die CD hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Streichquartettpassagen sind wirklich ausgezeichnet, aber als Höralbum funktioniert die CD wegen geringer Variationsarbeit nur bedingt. Viele Tracks sind auch von extrem kurzer Spieldauer und taugen deshalb kaum dazu, musikalische Ideen zu entwickeln und zu verarbeiten.
Jan Boltze / 31.01.07
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