Kritiken
Priest (Christopher Young)
Madison Gate / 2011
Bewertung:

Christopher Youngs Beiträge im Horrorgenre sind zahlreich und vielfältig. Von den beiden Filmscores zur Hellraiser-Reihe, mit einem eher subversiv-abartigen Klang zum ersten, einer opernhaften düsteren Epik zum zweiten Teil, bis hin zu Musique concrète-Experimenten für „Invaders of Mars“ oder „The Vagrant“ hat Young schon fast alles ausprobiert. Dass er dann zuletzt keine unheimlich innovativen Ideen mehr hatte, ist ihm kaum zum Vorwurf zu machen. „Drag Me to Hell“ hat dann aber noch mal aufhorchen lassen, wirkte frisch mit vielen interessanten orchestratorischen Einfällen.
Für den Score zu dem Vampirhorror „Priest“ wählte Young einen im Grundsatz ähnlichen Ansatz wie bei „Drag me to Hell“. Den Hörer erwarten laut aufbrausende, dissonante Orchestertutti mit großem gemischtem Chor, aber auch harmonisch eingängigere, heroisch-triumphale Passagen. Alles bewegt sich dabei auf handwerklich sehr solidem Niveau. Rhythmisch sind die meisten Cues eher einfach gehalten und werden durch an Minimal Music erinnernde Streicherostinati vorangetrieben. Ein wenig negativ fällt das in der Filmmusik mittlerweile sehr verbrauchte Klischee einer klagenden Frauensolo-Stimme (hier wieder mal Lisa Gerrard, die damals mit “Gladiator” das Klischee etabliert hat) auf, die aber zugegebenermaßen als Kontrast zu dem sinistren Männerchor und brodelnden Orchester- und Synthesizerklängen im Cue „Blood Framed Hell“ gut funktioniert. Vermutlich ist das ganze mit der von Maggie Q gespielten ‚Priestess’ verknüpft.
Auf der Habenseite fällt am meisten das sehr klangschöne und eingängige Hauptmotiv auf, welches besonders in dem 6-Minuten-Track „Cathedral City Blue“ zu eindrucksvoller Geltung gelangt, ebenso wie in den End Credits „A World Without End“ mit üppiger Chorunterstützung. In diesem Titel kommt auch die eingangs erwähnte klagende Frauenstimme wieder zum Einsatz. Neben diesen thematisch prägnanten Abschnitten weist der Score auch einige sehr actionreiche Tracks auf, bei denen Young auch auf Elektronik in der Rhythmussektion setzt. Vom Aufbau recht gelungen ist zum Beispiel der siebenminütige Titel „The Vampire Train“, in der auf Basis eines lebhaften Ostinatos zahlreiche Variationen und Stimmungen durchgespielt werden, von eher heroischen Momenten bis zu düsterer Horroraction. Dabei ist der Titel auch immer von Teilen des Hauptmotivs durchdrungen, egal wie dissonant es gerade wird. Hier zeigt sich wieder einmal Youngs große Erfahrung im Umgang mit dem Orchester.
Die Gesamtwertung fällt an dieser Stelle trotzdem etwas schwer, denn insgesamt muss man schon konstatieren, dass der Komponist auch und gerade in diesem Genre schon deutlich höher einzustufende Leistungen abgeliefert hat. Wenn man allerdings bedenkt, wie sich das Niveau der amerikanischen Filmmusik im Allgemeinen darstellt, so steckt Young immer noch viele seiner Kollegen locker in die Tasche. Gerade aber im Vergleich mit dem nicht so grundsätzlich anders gestrickten „Drag me to Hell“ erscheint aber trotzdem eine Wertung von jenseits der 3,5 Sterne schwierig. Ebenfalls ärgerlich, aber ohne Einfluß auf die Wertung: “Priest” gibt es nur als Download beziehungweise als CD-R on demand von Amazon.
Jan Boltze / 05.07.11
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