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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Planet Of The Apes (Danny Elfman)

Sony / 2001

CD

Bewertung:


    01. Main Titles (3:49)
    02. Ape Suite #1 (3:52)
    03. Deep Space Launch (4:35)
    04. The Hunt (4:58)
    05. Branding the Herd (0:48)
    06. The Dirty Deed (2:27)
    07. Escape from Ape City / The Legend (5:57)
    08. Ape Suite #2 (2:42)
    09. Old Flames (2:10)
    10. Thade Goes Ape (2:37)
    11. Preparing for Battle (3:26)
    12. The Battle Begins (5:17)
    13. The Return (7:18)
    14. Main Title Deconstruction (4:22)
    15. Rule the Planet Remix -- Paul Oakenfold(4:03)

    TT: 58 min

Als Tim Burtons Pläne bekannt wurden, dass er ein Remake von “Planet der Affen” machen wollte, sorgte dies für reichlich Diskussionsstoff unter den Cineasten. Die einen meinten, das Original wäre einfach zu gut, als dass es ein Remake nötig hätte. Andere freuten sich darauf, denn Burtons Filme waren bisher allesamt sehenswert, und waren vor allem visuell immer beeindruckend. Der fertige Film bekam dann allerdings überwiegend schlechte Kritiken und gilt heute als der schwächste Film von Tim Burton. Tenor der Kritiken in der Presse: “Das Original war besser.” Burton hatte ein kleines Popcornspektakel aus dem Film gemacht, der 1968 noch eine politische Bedeutung hatte, und der nebenbei auch noch reichlich Zivilisationskritik enthielt. Unvergesslich die Schlusseinstellung mit der zerstörten Freiheitsstatue am Strand.

Die Musik vom Originalfilm schrieb damals Jerry Goldsmith. Sein Score war ein echter Meilenstein, eine Avantgardekomposition, mit komplexen Percussionparts und rhythmischen Strukturen, die durch Bartok und vor allem Strawinsky beeinflusst waren.

Die Musik zu der neuen Version hat Danny Elfman komponiert, langjähriger Begleiter Burtons. Elfman vertonte bisher jeden seiner Filme bis auf “Ed Wood” (1995). Elfman muss vor einer sehr schweren Aufgabe gestanden haben. Die Verlockung, Goldsmiths Meisterwerk nur an den neuen Film anzupassen, muss ziemlich groß gewesen sein. Aber Elfman hat eine sehr eigenständige und eine seiner besten Arbeiten abgeliefert, die auch noch zunkünftige actionorientierte Scores wie „Spider-Man“ stark beeinflussen wird.
Nach dem Motto „Rhythm Is It!“ setzt er sehr stark auf Percussions, sowohl natürlich erzeugte als auch Drumloops aus dem Computer.  Der Gebrauch der rhythmischen Elemente im 68er Goldsmith-Score und im 2001er Elfman-Score zeigen sehr deutlich die unterschiedlichen Stile der Komponisten auf. Während die Motive im Original nur beim genauen Hinhören zu entdecken waren und die Rhythmen ungemein komplex waren, so ist in dem neuen Score die Motivarbeit und die Rhythmik, die zwar unregelmäßig ist, und damit auch eine gewisse Komplexität erreicht, leicht auszumachen. In der neuen Version wird gleich in den “Main Titles” ein ansteigendes 3-Ton-Muster, das auf einem unkonventionellen Schlagwerk gespielt wird, etabliert. Desweiteren wird von den Blechbläsern sehr viel motivische Arbeit geleistet. Der Klang erinnert dabei mit seiner düsteren Monumentalität ein wenig an Elfmans ersten großen Erfolg “Batman”. Neben den actionorientierten Stücken, mit elektronisch erzeugten Drumloops , aber auch natürlichen Schlagwerksounds von ungewöhnlichen „Instrumenten“, wie diverse gefundene Metallstücke, die auf einem Schrottplatz eingesammelt wurden, finden sich aber auch ein paar ruhige Passagen auf der CD, die dann überwiegend von den Streichern und den Holzbläsern vorgetragen werden und damit ein bisschen Melodie in die sonst vor allem durch Rhythmik dominierte Partitur einfließen lassen.

Der wahrscheinlich bekannteste Cue beim Goldsmith-Original dürfte die Musik für eine Sequenz sein, bei der reitende Affen ein paar Menschen verfolgen. Auch bei Elfman gibt es einen entsprechenden Track, der ebenso wie der Goldsmith-Cue schlicht „The Hunt“ betitelt ist, und auch er ist der beste auf der CD. Beide Cues sind sehr exemplarisch für die jeweiligen kompositorischen Konzepte: 12-Tonmusik und komplizierte rhythmische Strukturen à la Strawinsky auf der einen Seite bei Goldsmith und eine dynamische Mischung aus aggressiven Bläsersätzen mit elektronischer Rhythmik untermalt auf der anderen Seite bei Elfman. Beide hinterlassen dabei einen äußerst guten Eindruck, wenngleich Goldsmiths Version kompositorisch noch deutlich ausgefuchster ist als bei Elfman.

Am Ende der CD befindet sich wieder mal ein überflüssiger Song. Der DJ Paul Oakenfold hat ein paar Dialogpassagen und Elfmans 3-Ton-Percussion-Motiv verwurschtelt, und einen stupiden Techno-Stampf-Rhythmus darübergelegt, und damit das beste Element dieses Scores vernachlässigt, die komplexe Rhythmik. Aber bei Sony scheint man zu denken, dass das die Verkaufszahlen der CD steigern könnte.

Fazit: Die Actionrezepturen, die Elfman hier ausprobiert, funktionieren hervorragend und sind deswegen nicht ohne Grund in späteren Arbeiten wiederzufinden. Die Verbind von orchstralen mit elektronischen Momenten gelingt hier deutlich besser als bei vielen anderen Komponisten. Das das ganze zwangsläufig hinter dem Niveau der goldsmithschen Partitur zurückbleibt, soll deshalb nicht die Empfehlung für diese sehr gelungene Musik schmälern. Vielmehr ist es begrüßenswert, dass Elfman seinem Stil treubleibt und versucht keine bloße Kopie von Goldsmiths Affen-Score abzuliefern.

Jan Boltze / 31.01.07

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