Kritiken
Peter Pan (James Newton Howard)
Varese / 2004
Bewertung:

Komponist James Newton Howard hat sich in seiner nun schon zwanzigjährigen Karriere mehrfach als gute Wahl für Zeichentrick- und Abenteuerfilme erwiesen. Beginnend mit der fulminanten Musik zu “Dinosaur” untermalte er eine Reihe von Filmen - vor allem für Disney - mit zugänglicher, melodischer und technisch solider gemachter Sinfonik. Für die Realverfilmung des Peter Pan Stoffes im Jahr 2004, die erste seit etlichen Dekaden (wenn man einmal von dem von der Originalgeschichte abweichenden Film “Hook” absieht), schien er somit eine vorzügliche Wahl zu sein - nicht zuletzt weil die Geschichte als aufwändig-traditionelle Ausstattungsorgie inszeniert wurde. Der australische Regisseur P. J. Hogan setzte auf mit optischen Reizen gespickte, märchenhafte Atmosphäre, die die fantasievollen Züge der Mär in den Vordergrund stellen. Gute Möglichkeiten also auch für einen melodisch versierten Komponisten, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.
James Newton Howards Ansatz ist denn auch, nicht überraschend, dem von “Dinosaur” bis “Atlantis” recht ähnlich. “Peter Pan” bietet großsinfonische Musik mit Unterstützung von Chor und Synthesizer. Vor allem im Vergleich mit Williams’ “Hook” (von dessen virtuosem Themenreichtum der Score des Kaliforniers ein gutes Stück entfernt ist) gelingt Howard hier handwerklich sehr ansprechende, schön anzuhörende und mit einigen Highlights gespickte Untermalung. Im Unterschied zu vorherigen Arbeiten ist das gewohnte melodische Arbeiten nicht so mitreißend und einprägsam, neben dem Hauptthema liegt der melodische Reiz hier vor allem im Detail verborgen. Auch von technischer Seite ist Howard kein Vorwurf zu machen, der Score bietet klangprächtige Spielereien und eine weitestgehend einwandfreie Orchestration - die eindeutige Stärke der Musik. Howard betonte in einem Interview, dass die Orchestration dieser Musik seine bis dato anstrengendste Arbeit war.
Die Musik beginnt verhalten, mit Glockenspielen, Xylophon und sanftem Chor. Referenzen zum Nussknacker tauchen wie selbstverständlich auf, märchenhafte Instrumentierung mit Harfe und Triangel schaffen Atmosphäre und nur langsam schälen sich aber melodische Ideen heraus. Die Themen werden angedeutet, viel Gewicht liegt auf gekonntem Mickey-Mousing. Das Hauptthema des Scores taucht im zweiten Track im Anschluss an das “Flying Theme” auf. Es ist recht einfach gestrickt, vor allem in bombastisch instrumentierter Variante mit ausladenden Streichern und Chor als Ohrwurm konzipiert und funktioniert eindeutig als Erkennungszeichen. Im Film ist es am ehesten Peter Pan selber zugeordnet, untermalt aber häufig die nicht seltenen triumphalen Momente der Geschichte.
Der zweite Track zeigt uns auch den sehr vordergründigen Synthesizereinsatz, der an einigen wenigen Stellen im Score auftaucht. Mit poppigen Percussions und zyklischen Figuren mit sphärisch-künstlichen Klängen dürfte dies für die meisten Gewöhnungssache sein - der Großteil der Musik kommt glücklicherweise ohne dies aus. Howard verschmilzt hier bei weitem nicht so gekonnt wie bei “Schnee der auf Zedern fällt”.
Im weiteren Verlauf spielen sich einige kleinere Motive in den Vordergrund, doch sehr einprägsam ist keins davon. Vielmehr ist “Peter Pan” ein gut orchestriertes Stimmungsbild - fanfarenartige Bläserfiguren, verspielte Stellen mit Streichern, Holz und klingelnden und flirrenden Percussions oder elegische Momente wie das Tinkerbell-Thema sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Treffend charakterisiert Howard den Smee mit schrulligen Gitarrenklängen, monumental klingt der chorlastige Orff-Verschnitt in “Set Them Free” und elegisch und verträumt die schönen Momente in denen Wendy und Peter von Feen begleitet in den Bäumen tanzen ("Fairy Dance"). Zum Abschluss wird das Hauptthema in breiter Orchestration wiederholt und schafft für den Moment wieder das Mitsummfeeling, das den Rest des Scores eher im Hintergrund steht.
Fazit: Nichts Herausragendes hat Howard zu bieten, aber ein durchaus hochwertiges und vor allem fantasievoll orchestriertes Werk. Im Endeffekt und vor allem im filmischen Zusammenhang steht “Peter Pan” somit durchaus auf einer Stufe mit den Musiken zu “Atlantis” oder “Dinosaur”, kleinere Unterschiede hin oder her. Deshalb: 4 Sterne als klare Empfehlung.
Jan Titel / 20.02.07
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