Kritiken
Matchstick Men (Hans Zimmer)
Varese / 2003
Bewertung:

Man darf es kaum noch Ironie nennen, dass Hans Zimmer zu den gefragtesten und bestbezahltesten Komponisten Hollywoods gehört. Zwar mag man sich noch darüber wundern, das Zimmer mit seinen beschränkten musikalischen Ausdrucksmitteln eine Spitzenposition einnimmt, doch andererseits wurde in den letzten Jahren fast ein gegenteiliges Kausalverhältnis sichtbar. Große Kassenschlager waren genau dann erfolgreich, wenn sie sich inhaltlich und gestalterisch möglichst wenig kreativ zeigten. Ähnliches gilt für Zimmers musikalische Karriere, die hübschen und einfallsreichen Musiken sind immer die weniger erfolgreichen.
Dass Zimmer sich in den letzten Jahren musikalisch nicht bedeutend weiterentwickelt hat und die klanglich immer standardisierter werdenden Musiken überhand nahmen, ist bedauerlich. Doch hier liegt noch einmal eine sympathische und ansprechende CD vor: „Matchstick Men“. Wie zur Jahrtausendwende Gang und Gäbe, schuf er hier die Untermalung für einen Film von Ridley Scott, in einem deutlich anderen Genre als man vom Regisseur von “Alien”, “Blade Runner” oder “Gladiator” gewöhnt ist. “Tricks” - so der deutsche Titel - ist seine erste Komödie, ein Kammerspiel über zwei schrullige Trickbetrüger (Nicolas Cage und Sam Rockwell), deren Leben aus den Fugen gerät, als die Tochter des einen unvermittelt in ihrem Leben auftaucht.
Im Gegensatz zu Scott hatte Zimmer bereits Erfahrung mit dieser Art von Filmen, am prägnantesten ist wohl sein schöner Score zu “As Good As It Gets” mit Jack Nicholson. Diesem Score ist denn auch seine Arbeit zu „Tricks“ (so der deutsche Titel) am ähnlichsten. Sie präsentiert sich als lockere Mischung aus orchestralen Elementen der Hollywood Studio Symphony und Parts für viele Soli und einer “Band” aus verschiedenen Holzbläsern, Saxophon und Percussions. Die Soli wechseln sich häufig ab und greifen ineinander, am bestimmendsten sind das Klavier (Zimmer persönlich) und das Akkordeon. So ergibt sich eine von schrulligen, lustigen und pfiffig arrangierten Momenten lebende, sehr stimmungsvolle Filmmusik, die in Ahnlehnungen an Walzer- und Tangorhythmen beschwingt und leichtgewichtig zeigt. Zimmer zeigt hier neben der Routine auch eine gehörige Portion Spass und Ideen, zum Beispiel in der gepfiffenen Eröffnung des Scores auf CD ("Flim Flam") oder auch in der Auswahl der Instrumente (Suzanne’s Spagetti Pots).
Interessanterweise zeigt er mit dem schönen „“The Banker’s Waltz“ sogar sinfonisches Talent, denn der kraftvolle und rhythmische Streichersatz ist durchaus solide gefertigt und macht Spaß.
Eine wichtige Inspirationsquelle war neben eigenen Arbeiten ("Something To Talk About” sei noch genannt) die Musik Nino Rotas, einerseits als Stilvorlage und andererseits als direkte Referenz zum Hauptthema aus “La Dolce Vita” des Italieners. Die ebenfalls leicht zuckrige, aber doch provinziell-charmante Klangschöpfung ist als Zitat stimmig eingearbeitet und auch im Booklet vermerkt - von Klau kann man also nicht sprechen. Abgesehen von diesem Thema und dem am Anfang vorgestellten kurzen Motiv ist “Matchstick Men” aber eher auf Atmosphäre angelegt und so bleiben kaum “Ohrwürmer” zurück.
Fazit: Zimmer beweist, dass man mit ihm in vielfältigen Genres rechnen kann - ohne freilich Großartiges oder Bedeutsames erwarten zu können. Hier zeigt er sich von einer kreativen und charmanten Seite mit einer Musik, die den Spass beim Komponieren und Einspielen auf den Hörer überträgt. Die schön ausgewählten Songs von ähnlichem Gestus fügen sich in dieses Bild ein.
Jan Zwilling / 12.07.07
Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.
Nutzer-Kommentare anzeigen
Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .
» Alle Kommentare anzeigen