[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Lust, Caution (Alexandre Desplat)

Decca / 2007

CD

Bewertung:


    01. Lust, Caution (1:05)
    02. Dinner Waltz (1:50)
    03. Falling Rain (1:11)
    04. Intermezzon in A Major Op. 118 Nr. 2 (Johannes Brahms, piano: Alain Planes)
    05. Streets of Shanghai (2:59)
    06. Playacting (2:43)
    07. Tsim Sha Tsui Stroll (1:43)
    08. Exodus (1:35)
    09. Moonlight Drive (3:04)
    10. Shanghai 1942 (2:27)
    11. The End of Innocence (2:28)
    12. Sacrifice (4:19)
    13. Remember Everything (2:10)
    14. Check Point (1:03)
    15. The Secret (1:31)
    16. Nanking Road (3:04)
    17. On the Street (1:34)
    18. The Angel (2:19)
    19. The South Quarry (2:15)
    20. An Empty Bed (1:55)
    21. Dinner Waltz (1:55) (performed by Traffic Quintet)
    22. Wong Chia Chi’s Theme (3:43)
    23. Seduction (1:38)
    24. Desire (4:26)

    TT: 59 min

Wenn man unter Scorefans gefragt wird, welcher Komponist unter den jüngeren Tonsetzern in Hollywood am meisten Anlass zur Hoffnung gibt, die großen Altmeister irgendwann einmal zu beerben, fällt häufig der Name Alexandre Desplat. Nicht wirklich ein Newcomer, aber erst seit 4 Jahren international richtig aktiv und vorher eher auf sein Heimatland Frankreich und Großbritannien beschränkt, hat sich Desplat schnell einen Namen gemacht. Sein feinfühliger Stil passte perfekt zu inhaltlich anspruchsvolleren Dramen wie „The Painted Veil“ – Ausflüge ins Actionfach stehen aber ebenfalls zu Buche („Firewall“, „Hostage“) und aktuell hat Desplat gerade den äußerst hoch budgetierten „Golden Compass“ vertont.

In Anbetracht dieser Referenzen wundert es nicht, dass Regisseur Ang Lee den Franzosen für seine chinesisch-taiwanesische Produktion „Lust, Caution“ angeheuert hat.  Übrigens ebenfalls aus Hollywood ausgeführt: der mexikanische Kameramann Rodrigo Prieto.
„Lust, Caution“ spielt in Shanghai zur Zeit der japanischen Besetzung in den 40er Jahren und handelt von dem jungen Mädchen Wong Chia Chi, die einer revolutionären Studentengruppe beitritt und plant, einen Kollaborateur (Tony Leung) zu ermorden, sich dann aber in ihn verliebt und eine obsessiv-sexuelle Beziehung mit dem verheirateten Mann eingeht. Der Film gewann bei den Filmfestspielen von Venedig dieses Jahr den Hauptpreis sowie eine Auszeichnung für die Kameraarbeit – beides durchaus gerechtfertigt.

Desplats Musik ist typisch für seinen Stil, Dramen zu vertonen: Walzer, viele Streicher, Harfen, Glockenspiel, das Klavier in den höheren Oktaven und Xylophon sind die prominentesten Instrumentengruppen. Das exotischste Instrument ist sicher das elektrische Cello, welches aber sehr dezent in den Gesamtklang eingewoben ist. Gleiches trifft auch auf den Flötenpart zu, den Desplat selber eingespielt hat, der aber im Hörfluß der CD ziemlich untergeht. Viele kühle und eher fragil wirkende Klänge ergeben ein zartes Klanggewebe. Lokalkolorit in Form von ethnischen Instrumenten erzeugt Desplat in diesem Score nicht – erfreulich, da sich World Music-Einschläge in der letztjährigen Filmmusik zum ziemlich abgenutzten Klischee entwickelt haben. Formal ist die Musik wie häufig bei Desplat von der Minimal Music inspiriert, wenn es auch insgesamt weniger repetitiv als beispielsweise bei einem Philip Glass oder Steve Reich.

Das Hauptmotiv ist ein ungeheuer eingänglicher Walzer, der in meist in den Streichern und in eher dezenten Variationen anklingt. Bereits beim ersten Hören verankert es sich sofort im Gedächtnis. Es kommen aber auch noch weitere Motive zum Einsatz, zum Beispiel für eine Solovioline. Eine Handvoll Suspense-Momente ergeben sich ebenfalls aus der Handlung (eine ausgesprochen lange Mordszene erinnert an Hitchcocks „Torn Curtain“), in der Desplat nahtlos mit subtilen Mitteln aus seinen Instrumentarium eine musikalische Spannung gewinnt, ohne dabei ein stilistisches Zerfasern seiner Partitur zu riskieren.

Desplat hat mit „Lust, Caution“ einen der Höhepunkte des schwachen Filmmusikjahres gesetzt. Zu einer sehr guten Wertung sind die Variationen des thematischen Materials allerdings nicht durchgehend stark genug. Außerdem wirkt die Musik auch nicht ganz mehr so originell wie einige frühere Arbeiten Desplats – man bekommt ziemlich genau das, was man erwartet. Dies umfasst auch ein hohes musikalisches Niveau, so dass trotz der kleinen erwähnten Mängel die CD eine klare Kaufempfehlung darstellt.

Jan Boltze / 13.12.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.