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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Lucky Luke (Bruno Coulais)

UGC / 2009

CD

Bewertung:


    01. La Cavalcade De Luke (02:00)
    02. La Mort Des Parents (03:04)
    03. Il Pleut (02:37)
    04. Pat Poker (02:01)
    05. Les Vertiges De Luke (03:27)
    06. Le Chapeau De Cooper (01:51)
    07. Calamity Jane (01:34)
    08. Coming Home (02:58)
    09. Les As Par Les As (02:02)
    10. Jesse James (03:34)
    11. Marcher Sur La Lune (01:45)
    12. Daisy Town (01:42)
    13. Vers Le Bandit Manchot (02:15)
    14. Si Toi Aussi Tu M'Abandonnes -- Terez Montcalm (02:57)
    15. Lonesome Cowboy -- Calvin Russell (02:53)
    16. High Noon (Do Not Forsake Me) -- Terez Montcalm (02:56)
    17. The Bandit Manchot -- Freddie Meyer (01:37)
    18. Mon Lonesome Cowboy -- Terez Montcalm (02:44)

    TT: 44 min

Jede halbwegs erfolgreiche schriftstellerische Arbeit gerät früher oder später in die Gefahr, verfilmt zu werden. Manchmal erweist sich dies als Glücksfall für beide Medien, häufiger jedoch werden cineastische Interpretationen den Vorlagen zumindest in punkto Tiefe und Subtext nicht gerecht. Dies hält die Produzenten aus aller Welt aber selbstredend nicht davon ab, weiter auf adaptierte Stoffe zu setzen: Sie sind ein geringes kommerzielles Risiko und die Geschichte hat die Feuertaufe in Form des Buches oder des Comics schon bestanden. So oder ähnlich müssen auch die Geldgeber hinter der neuesten Verfilmung der belgischen Kultcomics “Lucky Luke” gedacht haben. Ein Team aus Argentinien und Frankreich machte aus Fragmenten circa eines Dutzends Comic-Geschichten einen Realfilm, zentral dabei die Episode “Daisy Town” von 1983. Der Streifen geriet zu einer bunten Hommage mit zuweilen grimmigen Passagen, die Hauptrollen übernahmen Jean Dujardin (Luke), Melvil Poupaud (Jesse James) und Sylvie Testud (Calamity Jane).

Im Nachgang das Spannendste an dem mäßig erfolgreichen und beim Publikum wenig beliebten Film von 2009 ist für Filmmusikfans sicher das Engagement von Bruno Coulais für den Score. Der Franzose bewegte sich in den letzten Jahren immer weiter aus seiner Nische der Natur- und Kinderfilme hinaus und wurde einem breiteren Publikum auch für Fantasystoffe bekannt ("Coraline"). In “Lucky Luke” fand der Pariser eine weitere Möglichkeit zum Experimentieren und Ausprobieren neuer Klangfarben und Stilrichtungen.
Er stattete die Comicverfilmung mit einem nostalgischen Hauptthema aus, welches gleich zu Beginn der kurzen Soundtrack-CD in voller Pracht erklingt. Coulais setzte bewusst auf ein traditionelles Orchester, das mit Streichern und Blechbläsern einen runden, harmonischen Marsch aufbaut. Das Motiv ist dabei einprägsam und atmet ein wenig kurzweiligen TV-Flair, vergleichbar mit dem marschartigen Aufbau und den konventionellen Stimmenwechseln von Bill Contis “North and South”. Der Franzose vermeidet jede Reibung, die Trompetensoli, Streicherläufe und Paukenwirbel erzeugen daher kaum Dynamik, sondern Nostalgie. Als zweites Motiv etabliert Coulais in “La Mort Des Parents” ein melancholisches Melodiefragment, das bedächtig hin und her pendelt und häufig von Glocken, Klavier oder Holzbläsern gespielt wird. Da diese Melodie deutlich kürzer ist als das Hauptthema, setzt Coulais es häufiger und dafür variantenreicher ein. In “Le Chapeaude Cooper” nutzt er es beispielsweise als Grundlage für eine bedrückende Klangcollage aus tiefen Streichern, Glocken, vereinzeltem Blech und viel snythetischen Spielerein.
So entwickelt sich die knappe halbe Stunde Score zu einer etwas wechselhaften Reise durch altmodische Genrestilismen und viel klanglicher Spielerei. Seine Stärken hat der Score immer, wenn die Blechbläser in den Vordergrund treten, etwa in in der kraftvollen Hauptthema-Variation “Il Pleut”  oder streckenweise in “Les Vertiges De Luke”. Dazwischen gibt sich Coulais stark dem Klangdesign hin, vermischt synthetische und akustische Töne und Geräusche und fordert etwas die Geduld des Hörer. Häufig strukturiert er seine Cues durch gleichmäßige Rhythmen, um den dann tiefere Streicherlagen, Klavier, Maultrommel, Glocken, Blech und Keyboards herum mäandrieren. Erinnerungen an “Die Pupurnen Flüsse” werden aber immer wieder von morricone-haften Einschüben mit deklamatorischen Trompetensoli unterbrochen. Thematisch bleiben leider die Nebenfiguren Jesse James und Calamity Jane völlig blank, obwohl der Soundtrack zwei Cues selben Namens beinhaltet.

Ergo: “Lucky Luke” ist bisher bis nach Deutschland nicht vorgedrungen, ob das filmisch ein Verlust ist, kann man also nicht einschätzen. Musikalisch hat die Comicadaption aber einen abwechslungsreichen, wenn auch trotz der Kürze etwas langatmigen Score von Bruno Coulais zu bieten. Etwas verworren wirkt die Collage aus Sounddesign und warmen Orchestertönen, lediglich die kurzen robusten sinfonischen Passagen überzeugen voll. So bleibt nur ein knappes “empfehlenswert”, wer sich einen neuen Coulais zulegen möchte, greife eher zu “Oceans”.

Jan Zwilling / 21.03.10

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