Kritiken
Live Free Or Die Hard (Marco Beltrami)
Varese / 2007
Bewertung:

Wer dieser Tage in einem Multiplex-Kino Popcorn oder Getränke kaufen geht, wird mit einem freundlichen “Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke” empfangen. Dieser Schriftzug findet sich auf den T-Shirts, den die Bediensteten dort tragen. Dass damit kein Statement abgegeben wird, was man von der Kundschaft hält, sondern es sich um Werbung handelt, dürfte nicht weiter überraschen, verbirgt sich doch dahinter der Werbeslogan für den vierten „Stirb Langsam“-Film, der dieser Tage in den Kinos startet.
Cop John McClane (Bruce Willis) ist damit schon die zweite Action-Ikone vergangener Zeiten, die dieses Jahr ihr Comeback wagt. Anfang des Jahres erntete Sylvester Stallone in seiner Paraderolle als „Rocky Balboa“ Anerkennung für ein gelungenes Comeback und will nun auch einen vierten „Rambo“-Film ins Kino bringen – die Dreharbeiten laufen schon. Und 2008 kommt „Indiana Jones“ zurück in die Kinos, ein anderer Held der 80er.
Aber zurück zu „Stirb Langsam“. John McTiernan schuf mit dem ersten „Die Hard“-Film von 1988 einen Klassiker des Actionkinos. Im öl- und blutverschmierten Feinripp kämpfte Bruce Willis (vor dem Film noch kein großer Star) gegen Terroristen unter der Leitung von Hans Gruber (Alan Rickman), die sich im „Nakatomi“-Tower verschanzt haben. John McClane wollte dort nur seine Frau besuchen und ist nachher der einzige im Haus, der den Terroristen etwas entgegenzusetzen weiß. Durch den riesigen Erfolg kam es zu zwei weiteren Fortsetzungen: „Die Harder“ (dt. „Stirb Langsam II“) kam 1990 in die Kinos, „Die Hard with a Vengeance“ (dt. „Stirb Langsam – Jetzt erst recht“) 1995. Danach wurde es 12 Jahre ruhig um den Cop, der immer zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort auftacht, und Bruce Willis immer älter. 12 Jahre später wagt er sich aber nochmal auf vertrautes Terrain. In „Live Free or Die Hard“ kämpft er gegen eine Bande von Computerhackern.
Die ersten 3 Filme wurden von Michael Kamen vertont. Da dieser 2003 viel zu jung verstarb, musste ein neuer Komponist gefunden werden. Regisseur Len Wiseman hatte bei seinem zweiten „Underworld“-Film die Zusammenarbeit mit Marco Beltrami wohl als sehr gut empfunden, jedenfalls dürfte es auf diese Zusammenarbeit zurückzuführen sein, dass Beltrami den Job beim vierten „Die Hard“ bekam – wobei er auch so mittlerweile einige Erfahrung im Actionbereich vorweisen kann. So erinnert Beltramis Score in den vielen Actionpassagen stilistisch doch sehr an „Terminator 3“ und „I, Robot.“
So erwartet einem dann auch hier eine handwerklich geschickte Kombination aus rhythmisch stark akzentuierten Streicherparts, schrillen Bläserparts und elektronischen Klangspielereien von Beltramis Assistenten Buck Sanders. Letzendlich kommt der Komponist aber diesmal nicht an seine besten Arbeiten heran, da es diesmal bei der motivischen Arbeit an der notwendigen Prägnanz fehlt. So wirken die Actioncues, die fast die gesamte Laufzeit des 63minütigen Albums bestimmen, etwas arm an Abwechslung.
Als kleine Hommage an Michael Kamen verarbeitet Beltrami auch etwas Material aus den ersten drei Teilen. Die Idee, „klassische“ Kompositionen in einem ironisierenden Kontext zu gebrauchen, greift Beltrami allerdings nicht auf. Kamen hatte z.B. Beethovens Neunte Sinfonie in der Musik zum ersten Teil auf interessante Art und Weise eingesetzt – im zweiten Teil wurde Sibelius’ „Finlandia“ verwurstet und im dritten Score das Traditional „When Johnny Comes Marching Home“. Kamens Thema für John McClane taucht dafür an diversen Stellen auf – sehr deutlich zum Beispiel im ersten Track auf der CD, oder im Cue „Cold Cuts.“ Aber auch die Motive aus den vorangegangen Filmen lassen ein bisschen an der Prägnanz vermissen, die Beltrami in den letzten Jahren durchaus schon mal erreicht hat.
So kann man letztendlich konstatieren, dass es sich um keine schlecht gemachte Angelegenheit handelt, aber auch nicht um ein Highlight aus dem Schaffen des Komponisten. Eine Wertung von 3 Sternen, also genau in der Mitte der Skala, erscheint mir dafür angemessen.
Jan Boltze / 25.06.07
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