Kritiken
Knowing (Marco Beltrami)
Varèse / 2009
Bewertung:

Nicholas Cage hatte in letzter Zeit teilweise ein schlechtes Händchen bei der Filmauswahl. Einige wie „Wicker Man“ waren respektable Flops, „Bangkok Dangerous“ kam hierzulande sogar nur auf dem Heimkinosektor auf den Markt. Und bei der Kritik kamen diese Werke meistens erst recht schlecht an. Zumindestens dies hat sein neuer Film „Knowing“ auch mit den genannten Filmen gemein – dennoch wurde der Kinostart in den USA ein großer Erfolg an den Kassen.
Der Film von Alex Proyas basiert auf einer Idee, die schon mehrere Blockbuster durchgespielt haben: ein Mann namens John Koestler (Cage) erfährt von schrecklichen Ereignissen in der Zukunft und versucht diese zu verhindern. Im Falle von „Knowing“ steckt dieses Wissen in einer langen Zahlenfolge, die Koestlers Sohn Caleb aus einer Zeitkapsel von der Schule mit nach Hause bringt. In der Zeitkapsel hatten vor 50 Jahren Schulkinder Bilder verstaut, die zeigten, wie sie sich die Zukunft vorstellten.
Alex Proyas’ letzter Film „I, Robot“, der schon wieder fünf Jahre zurückliegt, wurde von Marco Beltrami äußerst überzeugend vertont. Dass er auch bei Proyas’ neuestem Werk tätig wurde, überrascht daher nicht weiter. Schon zu Zeiten von „I, Robot“ hatte Beltrami einen recht ausgeprägten Personalstil, der auch bei „Knowing“ herauszuhören ist. Dies macht sich vor allem in den Actioncues und im harmonischen Aufbau des Hauptthemas bemerkbar. Dies besteht aus einer Folge von fallenden Intervallen und kommt im schicksalshaften Moll daher. Es ist von der Struktur her recht einfach gehalten, bietet dafür aber sofortigen Wiedererkennungswert.
Ein erstes Highlight der CD ist gleich der erste Actioncue „Door Jam“. Eine Streicherfigur, pizzicato und rhythmisch sehr unregelmäßig gespielt, entwickelt sich in ein frenetisches Actionfeuerwerk, begleitet von einem gelungenen Holzbläsermotiv. Dieser Titel ist eines der ersten Highlights auf der CD. Beltrami gelingt dabei sogar noch in einem weiteren Cue („New York“) eine spannende Variation dieses Themas. Zwei weitere, hoch originelle Tracks sind „Moose on the Loose“ und „33“, die sich aus unscheinbaren, aber noch im tonalen verankerten Sounds in ein furioses, atonales Crescendo steigern. Harmonische Bezüge zueinander gibt es hier eher nicht, die Verwandschaft ist eher struktureller Art und zeigt sich vor allem in den aggressiv-schrillen Blechbläserparts der beiden Cues.
Gegen Ende hin wird die CD dann aber eher opernhaft pathetisch im Klang. Repräsentativ dafür ist der mit über sieben Minuten Laufzeit längste Track des Albums, „Caleb Leaves“. Das Hauptthema wird hier in einem langen Crescendo durch wechselnde Instrumentengruppen bis zu sehr hellen Blechbläserakkorden durchgearbeitet, bis das pompöse Klangbild eines wagnerschen „Heldentod“-Stücks erreicht wird. Diese Stilismen ziehen sich noch durch einige weitere Titel, von den „New World Round“ sicherlich das Highlight darstellt. Eine Pizzicato-Tonfolge, die elektronisch leicht verfremdet wurde, leitet wiederum in ein Motiv im beeindruckend schmetternden Blech über, diesmal von einem reizvollen und flirrenden Streicherteppich begleitet. Nach diesem bombastischen Mittelteil endet der Cue mit einer Überlagerung des Hauptthemas in vielen Stimmen, wie bei einem Kanon – nur dass dies hier zu einer zunehmenden Dissonanz führt.
Neben den genannten Lichtblicken gibt es jedoch ein wenig Schatten, die letzten Endes Gesamtbewertung nicht so einfach machen. Ein gesamter Hördurchlauf offenbart ein paar dramaturgische Hänger im Mittelteil – nicht alle Cues bieten gleich viel zu entdecken. Auch auffällig ist, dass Beltrami das goldsmith’sche „Alien“-Motiv verwendet – etwas befremdlich wirkt das schon, wenn es auch nur zweimal auf der CD vorkommt und somit eher vernachlässigbar ist. Das Finale wiederum ist fast ein bisschen zu pompös – aber das ist wahrscheinlich vom Geschmack des einzelnen Hörers abhängig und sagt wenig über die musikalische Qualität dieser Partitur. Gerade auch wenn man diese Musik mal dem gegenüberstellt, was man von vielen Kollegen Beltramis zu hören bekommt, ist sie doch recht deutlich dem Einheitsbrei, der in der heutigen Filmmusik leider recht häufig vorherrscht, überlegen, so dass eine Wertung von 4 Sternen doch gerechtfertigt scheint.
Jan Boltze / 03.04.09
Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.
Nutzer-Kommentare anzeigen
Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .
» Alle Kommentare anzeigen