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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

King Kong (James Newton Howard)

Decca / 2005

CD

Bewertung:


    01. King Kong (01:09)
    02. A Fateful Meeting (04:16)
    03. Defeat Is Always Momentary (02:48)
    04. It's In The Subtext (03:19)
    05. Two Grand (02:34)
    06. The Venture Departs (04:03)
    07. Last Blank Space On The Map (04:43)
    08. It's Deserted (07:08)
    09. Something Monstrous... Neither Beast Nor Man (02:38)
    10. Head Towards The Animals (02:28)
    11. Beautiful (04:08)
    12. Tooth And Claw (06:17)
    13. That's All There Is... (03:26)
    14. Captured (02:25)
    15. Central Park (04:36)
    16. The Empire State Building (02:36)
    17. Beauty Killed The Beast I (01:59)
    18. Beauty Killed The Beast II (02:22)
    19. Beauty Killed The Beast III (02:14)
    20. Beauty Killed The Beast IV (04:45)
    21. Beauty Killed The Beast V (04:13)

    TT: 74 min

Heute (14.12.2005) startet der vermutlich am meisten erwartete Film des Jahres. „King Kong“, ein Remake des Klassikers von 1933 — Regie führte kein anderer als Peter Jackson, der die „Herr Der Ringe“-Trilogie beeindruckend umgesetzt hatte (der dritte Teil war zudem der finanziell erfolgreichste Film nach „Titanic“). Jackson ist bekennender Fan des Originalfilms von 1933, also war es für ihn ein absolutes Traumprojekt — allerdings ließ er sich trotzdem von Universal 20 Millionen Dollar Regiegehalt zahlen, ein neuer Rekord, selbst Spielberg hat noch nie soviel Gage als Regisseur bekommen.
Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Mit immensem Aufwand und beeindruckenden digitalen Effekten und riesigen Sets stellte Jackson alle bisherigen Versuche, den Riesenaffen auf die Leinwand zu bannen, in den Schatten. Dass es aber ein durchweg unterhaltsamer, allenfalls mit kleinen Macken versehener Abenteuertrip ist, liegt an den glaubwürdigen Charakteren von Naomi Watts’ Ann Darrow bis zu Thomas Kretschmanns Darstellung des zynischen Kapitäns und der leichten Prise Humor, die die Geschichte am Leben erhält. Grandiose Schauwerte wie das New York der 30er Jahre und der Kampf von Kong gegen den T-Rex sind dabei selbstverständlich, mögen dem ein oder anderen aber vielleicht zu übertrieben inszeniert sein. Jackson kehrt seinen diebischen Spaß am Splatter-Kino in einigen Szenen nach außen – das ist amüsant oder störend.

Hinter den Kulissen des Filmes waren wieder viele „Lord of the Rings“-Veteranen dabei, zum Beispiel Cutter Jamie Selkirk, Kameramann Andrew Lesnie, Ausstatter Grant Major, Andy Serkis wieder als „Digtale-Kreatur-zum-Leben-Erwecker“ (und als Doppelrolle als launischer Schiffskoch Lumpy) und natürlich auch Komponist Howard Shore.
Doch vor einigen Wochen dann die total überraschende Nachricht: Jackson lehnte Shores Musik ab, obwohl dieser bereits angefangen hatte, sie einzuspielen. Für die Filmmusik-Community kaum vorstellbar, hatten doch beide in unzähligen Interviews zu „Lord of the Rings“ bekräftigt, was für eine wunderbare Zusammenarbeit das war, und das sich beide schon sehr auf ihre Zusammenarbeit bei „King Kong“ freuen würden. Als Begründung nannte der Pressetext von Universal „unterschiedliche kreative Ansichten“ über den Film. Pikant dabei ist, dass Shore im Film ein Showorchester dirigiert (Exzerpte der Originalmusik von Max Steiner), das die exklusive Vorstellung des Affens vor dem New Yorker Publikum umrahmt.

Als Nachfolger wurde James Newton Howard engagiert, der in ca. sechs Wochen über zweieinhalb Stunden Musik schreiben und aufnehmen musste – keine einfache Aufgabe. Wie er sie gelöst hat, lässt sich seit heute im Film feststellen, und ebenso auf der Soundtrack-CD, die seit gestern im Handel erhältlich ist.

Stilistisch erwartet einen nichts James Newton Howard-Untypisches. Vor allem die Actiontracks mit ihrem Bläsersatz und den exotischen Percussions erinnern an „Dinosaur“ abzüglich der Lebo M-Chöre. Überhaupt fehlt es dem Score insgesamt doch an einigen frischen Ideen. Auch die leiseren Momente waren so ähnlich schon in anderen JNH-Scores zu hören und der Knabensopran im Finale ist nach Shores „Herr Der Ringe“-Musik mittlerweile zum Klischee geworden, das hier gerne wieder aufgegriffen wird. Im Zusammenspiel mit den Bildern erweist sich dieser Makel nicht als schwerwiegend, funktioniert die Musik doch erstaunlich gut.
Einige Momente der Musik sind aber durchaus originell gelöst. Hervorzuheben sind hier insbesondere einige der Cues, die mit den in New York spielenden Szenen zusammenhängen, in denen es Newton Howard Howard schafft, ironisch verspielte Musik ohne die gängigen Mickey Mousing-Klischees auszustatten; statt dessen spielt er mit Swing-Elementen, die damit auch einen musikalischen Bezug zur Ära, in welcher der Film spielt, herstellt.

Was der Musik vor allem fehlt, ist prägnantes thematisches Material- am eingängigsten ist noch eine Art elegisches Streichermotiv, welches häufig beim Szenenwechsel von New York auf das Schiff und von der Insel nach New York breiter ausschwingt. In einigen Actionmotiven wird aber auch gekonnt dynamischer variiert, der Rest bleibt leider eher wenig hängen. Bei einem 3-Stunden-Film-Abenteuer bietet sich ausgetüftelte Leitmotivik eigentlich gerade zu an. Die Schwächen in diesem Bereich dürften durchaus auch der knappen Zeit, die James Newton Howard zur Verfügung stand, geschuldet sein- aber deswegen bleibt die Soundtrack-CD, die hier ja als Höralbum bewertet werden soll, hinter ihrem Potenzial zurück.

Dennoch muss hier an dieser Stelle aufgrund der negativen Vorbemerkungen aber festgestellt werden, dass „King Kong“ insgesamt auf einem kompositorischen ordentlichen Niveau routiniert geschrieben worden ist, und das bei einem Projekt dieser Größenordnung auch zwangsläufig die Erwartungen an alle Aspekte der Produktion höher sind als bei einem durchschnittlich budgetiertem Film. James Newton Howard zeigt sich einmal mehr als versierter Handwerker, der sein Metier versteht, aber auch nicht immer große Kunst in diesem Bereich zu stande bringt.

Jan Boltze / 31.01.07

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