Kritiken
Julie et Julia (Alexandre Desplat)
Sony / 2009
Bewertung:

Der Plot zum neuen Kinofilm mit Meryl Streep und Amy Adams klingt banal: Die 29jährige Julie ist gelangweilt und sucht nach einer Beschäftigung für sich, die sie auszufüllen vermag. Diese findet sie darin, dass sie alle 524 Rezepte der berühmten Köchin Julia nachkocht und ihre Erfahrungsberichte ins Internet stellt. So entwickelt sich langsam eine Fangemeinde im Netz…
Klingt dies nach einem dankbaren Stoff für einen Komponisten? Alexandre Desplat schien sich in letzter Zeit ja eher übernommen zu haben und legte mit „Coco avant Chanel“, „Cheri“, „Et Apres“ gleich drei untereinander völlig austauschbare und teilweise sehr blasse Musiken hin. Warum sollte sich das nun ändern? Wird ein Hörer, der von den drei oben genannten Filmmusiken gelangweilt und enttäuscht war, an seinem neuen Projekt Freude haben können? Die Antwort ist ein ganz klares „Ja“, denn Desplat hat mit „Julie et Julia“ eine ganz bezaubernde, melodisch sehr inspirierte und schwungvolle Musik gekocht, die zwar erneut die üblichen Desplat- Stilismen wie Pizzicato- Flöten, Harfe, Celesta und Klavier enthält, aber diese nicht derart ausgereizt werden wie etwa in „Coco Avant Chanel“.
Für die beiden Hauptdarstellerinnen, Meryl Streep als Julia und Amy Adams als Julie, komponierte der Franzose je ein Leitmotiv, die sich als rote Fäden durch den gesamten Score ziehen. Julias Thema ist ein ausgesprochen französischer, sehr eleganter Walzer, interpretiert von Akkordeon und Klavier, wo hingegen Julies Thema nicht weniger prächtig und schwungvoll daherkommt als verträumte, minimalistische Klaviermelodie, die in ihrer Repetition leicht an das Motiv für Coco Chanel erinnert. Störend an Julies Thema ist der synthetische Hintergrund mit dezenten, aber nichtsdestotrotz unpassenden Beats. Zu diesen beiden Hauptthemen gesellen sich mehrere kleine, verträumte oder ausgesprochen fröhliche Motive wie in „Great Big Good Fairy“ oder „The Original French Chef Theme“. Im Verlaufe der Filmmusik, die mit 29 Minuten recht kurz geraten ist, unterziehen sich die beiden Leitmotive diversen Variationen und eines haben alle Tracks gemein: der französische Charme, der Desplats Herkunft verrät. Besetzungstechnisch gesellen sich zu den bereits erwähnten Instrumenten (Klavier, Harfe, Celesta) noch die charakteristischen Flöten, Akkordeon, Schlagzeug und Streicher, auf denen Desplat die Instrumentensoli setzt.
Highlights des Albums sind vor allem „New York Times“, in dem Julies Thema noch einmal Verwendung findet, geschickt verwoben mit warmen Streicherbögen, Gitarre und Trompete oder „Boeuf Bourguignon“, anfangs nicht mehr als eine Aneinanderreihung von kleinsten Motiven für Flöte, der von Klarinetten geantwortet wird. Tatsächlich lässt sich hier kein Track finden, der nicht etwas Reizvolles an sich hätte und Desplat hat hiermit ein sehr unterhaltsames, klangschönes Album geschaffen. Eine Musik, die sich durch die Dinge auszeichnet, die man heutzutage stark vermisst und die dadurch auch so untypisch für das filmmusikalische 21. Jahrhundert ist: Eleganz, Melodienvielfalt, Schwung und man hört in jedem Track, mit welcher Hingabe Desplat gearbeitet hat und wie viel Spaß es ihm bereitet hat, seine französischen Wurzeln musikalisch niederzuschreiben- auch wenn das Ergebnis keine anspruchsvolle, komplexe Partitur geworden ist, stellt es zumindest ein kleines Jahreshighlight dar.
Leider ist die Musik nur als digitaler Download oder als CD-R von amazon erhältlich. Das Album enthält noch diverse Songs von unter Anderem Doris Day und Charles Aznavour, die aber am besten rauszuprogrammieren sind und deswegen auch nicht in die Bewertung hier einflossen. Als Wertung sind 3,5 Sterne angemessen, verglichen mit anderen Werken aus dem Jahr 2009 gibt es aber eine starke Tendenz zu vollen vier.
Stephan Eicke / 25.08.09
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