[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Ivanhoe (Miklos Rozsa)

Intrada / 1994

CD

Bewertung:


    01. Prelude (2:15)
    02. Ransom (3:12)
    03. Rotherwood (1:09)
    04. Lady Rowena (2:15)
    05. Sir Cedric (0:30)
    06. Squire Wamba (4:38)
    07. Rebecca (1:00)
    08. The Intruder (3:43)
    09. The Rivals (4:55)
    10. Sheffield (0:38)
    11. Rebecca's Love (5:13)
    12. Search (1:23)
    13. Torquilstone Castle (3:16)
    14. Bois-Guilbert's Bargain (3:31)
    15. The Battlement (7:15)
    16. Saxon Victory (7:53)
    17. Farewell (2:36)
    18. Challenge And Finale (5:58)

    TT: 62 Min

Neulingen in der Filmmusik fällt der Sprung zurück in die Vergangenheit oft sehr schwer. Die heutzutage stark vom Zeitgeist geprägte Filmmusik ist oft der Einstiegspunkt in das Genre, sie erweist sich zumeist als eingängiger und durch ethnische oder Pop-Einflüsse deutlich leichter konsumierbar als “angestaubte” Golden-Age-Scores. Vor allem ist es aber die unübersehbare Fülle an qualitativ herausragender Musik aus der Zeit von Max Steiner bis Bernard Herrmann, die eine Orientierung am Anfang sehr schwierig macht. Hier sei nun eine Musik vorgestellt, die sich als Einstieg sehr gut eignet, “Ivanhoe” von Miklos Rozsa in einer Neueinspielung von Bruce Broughton und der Sinfonia Of London.

Rozsa, geboren 1907 in Budapest und Student in Leipzig und Paris, etablierte mit zahllosen epischen Produktionen mit biblischem oder historischem Hintergrund eine Herangehensweise an Filmmusik, die für großformatige, thematisch orientierte Filmmusik noch heute eine Referenz darstellt. Rozsa verband seine Arbeit an Filmprojekten nicht selten mit musikwissenschaftlichen Studien über die Zeit der Handlung und fügte Erkenntnisse daraus seinen Musiken hinzu. So ist “El Cid” mit alten spanischen Instrumenten ebenso wie mit Motiven durchsetzt, wie “The Knights Of The Round Table” oder auch “Ivanhoe” mit mittelalterlichen, zum Teil auch leicht liturgischen Strukturen.

“Ivanhoe” entstand im Jahre 1952 unter der Regie des Veteranen Richard Thorpe nach einem Roman von Walter Scott. Die detailversessene Ausstattung der Ritter und Gefolgsleute, die prachtvollen Bauten und umfangreichen Kulissen und die spektakuläre Kamera machten den Film für Rozsa zu einem idealen Arbeitsfeld. Schon frühzeitig begann er mit der Sammlung thematischen Materials, von welchem sich Fragmente in vielen Themen der fertigen Musik finden. Normannische Ritterweisen bildeten die Grundlage des Hauptthemas und auch bei dem wunderbar lyrischen Liebesthema handelt es sich um eine Umarbeitung eines mittelalterlichen Liedes.
Die klangliche Grundlage für die “Ivanhoe"-Musik bildet aber wie schon zuvor in “Quo Vadis” der klassische Orchesterapparat, dessen spätromantisches Klangidiom trotz der mittelalterlichen Überformung prägend für die Musik ist. Schwerpunkte liegen vor allem im leicht erweiterten Blechbläser- und Schlagwerkbereich, die vor allem in den Actionpassagen den typischen rozsaesquen martialischen und marschhaften Grundgestus erzeugen. Fanfarenhaft setzt der Ungar Hörner und Trompeten ein, was den komplex gearbeiteten Orchestersätzen viel Kraft verleiht. Neben der Eröffnung eignet sich bei “Ivanhoe” vor allem die vorzüglich gestaltete finale Schlacht um ein Castell als Beispiel, auf der CD in den Tracks “Battlement” und “Saxon Victory” zu finden. Eine fantastisch orchestrierte Tour de Force, die trotz der Konzentration auf das Klangbild noch viele thematische Gedanken der Musik geschickt verarbeitet. So hält Rozsa den Hörer auch über die 15 Minuten Non-stop-Action bei der Stange und bietet für das mehrmalige Hören viele Details.

Doch auch auf der ruhigen Seite hat Rozsa eine Reihe sehr schöner Momente zu bieten. Wunderbar gelungen ist das Thema für Lady Rowena (Joan Fontaine), die Geliebte von Ivanhoe (Richard Taylor) - eine sanfte Melodie von melancholischer Grundstimmung, das meist von den Streichern in sanft-schwingenden Melodiebögen interpretiert wird. Interessanter und noch sehnsuchtsvoller ist aber das kurze Motiv für Rebecca (Elizabeth Taylor), das im Titel 7 nach dem Hauptthema kurz anklingt und in “Rebecca’s Love” einen prominenten Auftritt hat. Kunstvoll vermag Rozsa das Motiv mit dem Thema für Ivanhoe zu verbinden, das zuvor als Violinsolo zu hören ist. Mit leichten Hornklängen im Hintergrund erhält es hier sogar einen schönen pastoralen Anstrich.

Der Score zu “Ivanhoe” erschien 2002 in einer nahezu kompletten Fassung der Originalaufnahmen auf dem Label Rhino. Von besserem Klang und mit fast identischem Musikmaterial wartet allerdings die Broughton-Einspielung (1994, Intrada) auf. Interpretatorisch Spitze und mit sehr guter Aufnahmetechnik dürfte diese Edition für Neueinsteiger der erste Anlaufpunkt sein. Das Booklet präsentiert sich mehr als ordentlich, wenngleich auch nicht so luxuriös wie bei vielen Rhino-CDs.

Die Empfehlung für diese Musik ist eindeutig. Fans des Golden Age wissen um die Qualität und noch wenig Erfahrenen sollte der Einstieg hiermit leicht fallen. Im Gesamtwerk Rozsas nimmt “Ivanhoe” daher eine bedeutende Stellung ein, erreicht aber nicht ganz die Brillanz der thematischen Arbeit von “Ben Hur” oder die klangkonzeptionelle Klasse von “El Cid”. So erscheinen 5,5 Sterne im Hinblick auf genannte Scores angemessen.

Jan Zwilling / 15.03.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.