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Kritiken

I Want To Be A Shellfish (Joe Hisaishi)

Universal Japan / 2008

CD

Bewertung:


    01. Proglogue ( 1:19)
    02. Toyomatsu's Theme ( 1:51)
    03. Rendezvous / Main Theme ( 6:39)
    04. Soldier Practice ( 2:58)
    05. B29 ( 1:35)
    06. 13 Big Northern Hill Incident ( 2:32)
    07. Hauled Off / A Farewell on Shiomi Coast ( 2:52)
    08. Judgement ( 1:55)
    09. Scriptures and Footsteps ( 1:56)
    10. Friendship I ( 4:18)
    11. Strolling Down the Road ( 3:30)
    12. Friendship II ( 1:31)
    13. Shiomi Coast /Beloved ( 7:05)
    14. Change Block ( 3:15)
    15. Unfair ( 0:23)
    16. 13 Wine ( 3:18)
    17. I Want To Be a Shellfish ( 3:26)

    TT: 50 min

„I Want To Be A Shellfish“ ist einer der jüngsten Filmvertonungen aus der Feder von Joe Hisaishi – ein solcher Filmtitel lässt im ersten Moment vielleicht einen Animationsfilm mit knuffigen Tieren erwarten, ein Genre also, mit dem Hisaishi viel Erfahrung hat. Doch „Watashi Wa Kai Ni Naritai“, so der Originaltitel, ist ein Drama über einen Friseur, der im Japan nach dem zweiten Weltkrieg wegen eines Mordes als Kriegsverbrecher von der amerikanischen Militärbesatzung zu Unrecht angeklagt wird. Es handelt sich dabei um ein Remake eines Filmes aus dem Jahre 1959.

Im Prinzip gilt vieles, was Redaktionskollege Jan Titel über „Ponyo On The Cliff By The Sea“, ebenfalls eine Hisaishi-Musik aus dem Jahr 2008, geschrieben hat auch für diese Partitur: das Orchester ist traditionell besetzt, die Melodielinien weitläufig für warme Streicherklänge (inklusive klangschönen Violinensoli) und Holzbläser ausgeführt.  Dabei wird so gut wie nie gegen die Regeln der Harmonielehre verstoßen, der Klangeindruck ist vor allem elegant. Die häufige Nutzung des Hauptthemas in ganz klassischer Walzerform tut ihr Übriges, um diesen Eindruck noch zu verstärken. Die prägnanteste Ausformung des Hauptthemas bietet der letzte Titel der CD „I Want to be a Shellfish“ – hier kommt sogar das Blech zur Unterstützung dazu, um die melancholische Melodie (wieder in Walzerform) mit entsprechender Kraft voranzutreiben. Eine Verwandschaft zu Dimitri Schostakowitschs berühmten Walzer aus seiner „Jazz-Suite“ ist hier spürbar, ohne einen Plagiatsverdacht auszulösen.

Sehr kraftvoll ist auch der Marsch in „Soldier Practice“ geraten, der am Anfang auch ein wenig (allerdings sehr dezente) harmonische Reibung wagt. Bei der Thematik des Films soll damit wohl das Militär als negativ dargestellt werden. Geschickt hat Hisaishi die Melodie des Marsches mit Bezügen zum Hauptthema ausgestaltet. Man muss hier schon genauer hinhören, um zu bemerken, dass es nicht nur eine bloße Variation der Titelmelodie ist, die hier erklingt. Etwas gewagter über die Regeln der Harmonik prescht Hisaishi dann nur in „Judgement“ hinweg, als er seinen Blechbläserapparat in abgehackten Rhythmen Dissonanzen spielen lässt - in dem Moment, als der Protagonist zu Unrecht verurteilt wird.

Ein stimmungsvolles Nebenmotiv findet sich auch in den Cues „13 Big Northern Hill Accident“ und „13 Wine“. Der Aufbau ist hier von der amerikanischen Minimal Music inspiriert. Ein Ostinato für Klavier und darüber ein elegisches Streichermotiv bilden hier den Kern der Musik, die durch das Hinzufügen von harmonisch passenden Stimmen in Lautstärke und Intensität gesteigert wird.

Die bis hierher angeführten Tracks sind auch die Highlights der Musik. Trotz einer überdurchschnittlichen Themenverarbeitung und einer gekonnten Orchesterbeherrschung hat die CD kleinere Durchhänger zwischendurch. Somit schrammt der Score dann auch haarscharf an einer soliden 4-Sterne-Wertung vorbei. 

Jan Boltze / 22.08.09

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