Kritiken
i, Robot (Marco Beltrami)
Varese / 2004
Bewertung:

Warum in die Ferne schweifen? Der Science-Fiction-Film der letzten Jahre hat öfter in sehr naher (und dafür reichlich dystopischer) Zukunft seine Erzählungen angesiedelt – meistens sogar auf unserem blauen Planeten und nicht im fernen Weltall. „I, Robot“ ist dafür ein Beispiel. Der von Alex Proyas („Dark City“) inszenierte Fim spielt gerade mal im Jahr 2035. Fast jeder Haushalt besitzt einen Roboter, der alle unangenehmen Arbeiten für einen erledigt. Trotz künstlicher Intelligenz begeben sich die Maschinen mit einem Leben als Haushaltshilfe zufrieden – denn Sie sind so programmiert, dass sie keinem Menschen schaden können – angeblich.
Nur Detective Del Spooner (Will Smith, der hier mal wieder sich selbst spielt) steht der modernen Technik wegen eines Vorfalls aus seiner Vergangenheit sehr skeptisch gegenüber. Als der „U.S. Robotics“- Chefentwickler Albert Lanning tot aufgefunden wird, ermittelt Spooner und kommt schnell zu dem Schluß, dass der vermeintliche Selbstmord in Wirklichkeit ein von einem Roboter ausgeübter Mord sein könnte, was ihm natürlich niemand glaubt. Im Laufe seiner Ermittlungen stößt er auf eine große Verschwörung.
Als groß angelegtes, mit hohem Budget ausgestattetes „Event-Movie“ mit prominenter Besetzung war der Druck, dass der Film ein finanzieller Erfolg wird, natürlich sehr hoch – dies mag ein Grund gewesen sein, dass sich Trevor Jones, der vorher mit Alex Proyas gut zusammengearbeitet hatte, sich plötzlich vor die Tür gesetzt sah. Marco Beltrami hatte sich mit seinem „T3“-Score gerade frisch für SciFi-Actionfilme empfohlen und bekam den Job. Angeblich war der Score von Jones den Produzenten nicht dynamisch genug. Dafür schien Beltrami genau der richtige Ersatz.
Etwas grundlegend Neues konnte Beltrami in der kurzen Zeit -3 Wochen blieben für Komposition und Aufnahmesession- natürlich nicht schaffen. Deswegen komponierte er für „I, Robot“ einen Score, der dem zu „Terminator 3“ sehr nahe steht, d.h. eine gelungene Mischung aus elektronischen Elementen und düsteren Orchesterelementen. Was „I, Robot“ jedoch als Höralbum dem Terminator gegenüber besser aussehen lässt, ist die bessere Themenarbeit. Der ganze Score basiert auf mehreren eingängigen Motiven, welche Beltrami geschickt einsetzt. Am prominentesten gebraucht wird das Thema für den Roboter Sonny, welches über den Verlauf des Films (und damit auch der Partitur) immer weiter entwickelt wird, bis es in seiner „endgültigen“ Form in den „End Credits“ erklingt. Dieser Motivaufbau geht auf der Varèse-CD allerdings etwas verloren, da sich Beltrami und Robert Townson von Varèse dazu entschieden haben, die Tracks nicht in Filmreihenfolge auf die CD zu pressen. Die „End Credits“ erklingen auf der CD so schon in „Track 3.“
Ein weiteres Motiv, von Beltrami in einem Interview als „Breadcrumbs“-Motiv bezeichnet, steht für das Geheimnis, dass Detective Spooner aufdecken muss, und dass folglich häufig erklingt, wenn der von Will Smith verkörperte Cop neue Hinweise und Spuren entdeckt. Gleichzeitig ist es die erste Melodie, die der Zuschauer in dem Film zu hören bekommt. Die Brotkrumen bestimmen musikalisch die Main Titles. Der Gebrauch der Streicher und dezenter gestopfter Trompeten im Hintergrund lassen hier ein wenig an Bernard Herrmann denken.
Besonders in den Action-Momenten des Scores wird die Nähe zu „Terminator 3“ deutlich. Aggressives Blech, hohe Streicher, der Gebrauch der Elektronik zur Erhöhung der Dynamik, all das gab es schon in Beltramis erstem Blockbuster-Score.
Die CD enthält aber auch einige ruhige, reflektive Momente, die auch von dem 4-Noten-Motiv getragen werden, das in seiner Moll-Ausführung eine schöne „Misterioso“-Stimmung vermittelt. Besonders gelungen ist in dem Zusammenhang auch der geschickte Einsatz der E-Violine, deren Klang irgendwo zwischen natürlichem Violinen-Klang und künstlichem Sound liegt und damit eine leicht befremdliche Wirkung erreicht. Für einen Film, in dem es um das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine geht, natürlich eine gute Wahl, welche auch nochmal in den End Credits aufgegriffen wird.
Fazit: Obwohl der Score von Anfang an zu überzeugen weiß, ist er von der Punktzahl her etwas schwer einzuordnen. Im direkten Vergleich mit „Hellboy“ ist die Musik weniger abwechslungsreich (was sicher auch der sehr kurzen Zeitspanne zu verdanken ist, die Beltrami nur zur Verfügung stand) und auch die Themenverarbeitung ist beim Vorgänger-Score noch einen Tick raffinierter ausgefallen. Dennoch erscheinen mir die 4 Punkte im Vergleich zu „T3“ gerechtfertigt. Empfehlenswert ist „I, Robot“ aber auch so auf jeden Fall.
Jan Boltze / 12.06.07
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