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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

I Am Legend (James Newton Howard)

Varese / 2008

CD

Bewertung:


    01. My Name is Robert Neville (02:51)
    02. Deer Hunting (01:17)
    03. Evacuation (04:27)
    04. Scan Her Again (01:42)
    05. Darkseeker Dogs (02:17)
    06. Sam's Gone (01:48)
    07. Talk to Me (00:56)
    08. The Pier (05:17)
    09. Can They Do That? (02:09)
    10. I'm Listening (02:10)
    11. The Jagged Edge (05:16)
    12. Reunited (07:50)
    13. I'm Sorry (02:22)
    14. Epilogue (04:13)

    TT: 45 min

Bis zur Jahrtausendwende galt James Newton Howard als ein Komponist, der mit drei bis vier Musiken im Jahr durchaus auf eine qualitativ hochwertige Filmauswahl wert legte. Weniger als die Häflte seiner Projekte schienen Lückenfüller zu sein und die Qualität seiner Scores verbesserte sich stetig. Diese Entwicklung ist seit einigen Jahren einer Stagnation gewichen, das Mittelmaß gewann enorm an Überhand und nur wenige wirklich gelungene Filmmusiken wie “The Village” zählten zu seinem Output. Mit dem Jahr 2007 dürfte dieser Trend den entgültigen Durchbruch geschafft haben, denn in den vergangenen Monaten erblickten allein fünf neue Scores das Tageslicht und sage und schreibe sieben weitere stehen ins Haus. Die Frage, ob Quantität und Qualität dabei noch unter einen Hut passen, muss eindeutig gestellt werden.

Für “Michael Clayton” wurde der Komponist aktuell für den Oscar nominiert, was aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass die Leistungskurve eindeutig nach unten zeigt. Solides Handwerk und gute Umsetzung wie für “Blood Diamond” waren zuletzt das höchste der Gefühle, “The Lookout” und auch “Michael Clayton” markierten einen neuen Tiefpunkt in seinem Schaffen. Mittendrin untermalte Howard das Starvehikel “I Am Legend” mit Will Smith, einem epischen Endzeitdrama um den letzten Überlebenden der Menschheit im verlassenen New York. Der Film betont neben krachiger Action im ersten Teil der Geschichte aber auch Gefühlszustände der Hauptfigur und hat somit einen leicht melodramatischen Anstrich.
Genau an dieser Stelle setzt Howard mit seiner Musik an. Die Grundatmosphäre des Films gestaltet er distanziert-wehmütig, mit langsamen und getragenen Tönen wird die Einsamkeit und Selbstreflexion von Smith’ Charakter kommentiert. Erfreulicherweise besinnt sich Howard auf das klassische Orchester zurück und bietet einen warmen Streicherklang mit Begleitung von Chor, Solotrompete und Klavier. Harmonisch ist die Musik dabei recht einfach gestrickt und Begleitung und Melodiestimme laufen oft parallel. Das erzeugt eigentümliche Ergriffenheit und Pathos, was durchaus so gewollt ist - letztenendes bleibt dies aber im angenehmen Rahmen und wirkt durch die solide Orchestration nicht hohl. Klangliche Anknüpfungspunkte findet man in der von J. Altman orchestrierten Händel-Sarabande, die 2002 einen Werbespot von Levis unterlegte, sowie im Abspannthema von “Die Dolmetscherin” und in den Streicherpassagen des Scores zu “The 25th Hour” von Terrence Blanchard.

Die Elektronik wird im gesamten Score nur extrem sparsam und subtil eingesetzt, nur in dem Eröffnungstitel findet sich (sicher filmbezogen) ein Einschub eines elektrischen Beats, der aber durchaus nicht wie ein extremer Fremdkörper wirkt. Für den weiteren Verlauf ist dies irrelevant, es wechseln sich streicherlastige Passagen, mal epischer, mal introvertierter, mit einigen wenigen Actiontracks ab. Das Auftreten von mutierten wolfsähnlichen Angreifern reißt die Musik aus dem Fluss, kann aber mit kräftigen Percussions, viel Blech und einem wuchtigen Klangbild ebenso überzeugen. Auch hier trennt sich Howard nicht vom Orchester und beweist, dass er das Schreiben ruppiger und düsterer Action durchaus beherrscht. Zwar bietet er auch hier beleibe nichts neues, aber eine Steigerung stellt das zu jüngsten Werken schon dar.

Genau dies lässt sich zusammenfassend für die gesamte Musik sagen: Keine kreativen Höchstleistungen, keine spannenden Ansätze, aber eine gut konzipierte und sauber ausgeführte Filmmusik mit einigen klangschönen Momenten. Zum Reinhören bieten sich “Evacuation” und “Epilogue” an.

Jan Zwilling / 29.01.08

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