[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Howl (Carter Burwell)

Lakeshore / 2010

CD

Bewertung:


    01. Supernatural Darkness (02:06)
    02. I Saw The Best Mindes (02:50)
    03. From Park To Pad To Bar To Bellevue (04:16)
    04. Weeping In The Parks (01:02)
    05. And Their Heads Shall Be Crowned (02:47)
    06. My Mother (03:22)
    07. Now Denver Lonesome For Her Heroes (02:54)
    08. Prophecy (04:24)
    09. Moloch (02:58)
    10. I'm With You In Rockland (02:21)
    11. Angelic Bombs (01:57)
    12. Holy (03:09)

    TT: 34 min

„Howl“ ist der Titel eines langen Gedichts des amerikanischen Lyrikers Allen Ginsberg, der zur sogenannten „beatliterature“ gehörte. Sein Erscheinen 1956 war ein Skandal, der Verleger wurde wegen Verbreitung eines obszönen Werkes verklagt. Eine große Debatte um künstlerische Freiheit brach dadurch aus, im Endeffekt wurde das Urteil zurückgenommen. Der Film mit selbigem Namen dreht sich deswegen auch um diesen Prozess.

Die Musik zu dem Biopic/Justizdrama stammt aus der Feder von Carter Burwell, der immer noch überwiegend im amerikanischen Independent-Kino tätig ist, obwohl er auch schon ein paar große Studioproduktionen betreute – den Vampir-Teenie-Schmachtfetzen „Twilight“ eingeschlossen. Typisch für Burwell ist der Sound wieder sehr kammermusikalisch angelegt und in melancholischen Moll-Tonarten ausgeführt. Das sehr schöne Hauptthema für Klavier und Streicher wird im Track „I Sawthe Best Minds“ vorgestellt. Ausgefallene harmonische Variationen davon gibt es zwar nicht zu hören, aber Burwell verändert geschickt die Instrumentierungen. Durch den Gebrauch von E-Gitarren oder Jazz-Idiomen verdeutlicht die Musik geschickt, wie zukunftsweisend Ginsbergs Literatur war, ohne dass Burwell dabei Moderne mit Dissonanz gleichsetzen muss. Ginsberg selber soll Jazz als Einfluß auf seinen literarischen Stil genannt haben – als subtiler Kommentar über die Modernität funktioniert das aber auch so gut. Neben den elektrischen Gitarren kommen auch akustische für ein Nebenmotiv zum Einsatz.
Highlight des mit 34 Minuten Spielzeit recht kurzen Albums ist der Track „Prophecy“, der auch wieder sehr schön den Kontrast zwischen Burwells traurigen Mollphrasen und rockigen E-Gitarrenelementen bei einem weiteren, etwas temperamentvolleren Motiv, herausarbeitet und sich in ein überraschendes Finale mit postmoderner Stilmixtur aus Orchester, Rock- und Jazzsound entwickelt, bei dem dann auch die Streicher durch staccato-artige Rhythmen rockig klingen.

Fazit: Ein empfehlenswerter Score von Carter Burwell. Phasenweise einfach schön, durch originelle Kontraste in der Instrumentierung auch über die emotionale Wirkung interessant. 

Jan Boltze / 07.12.10

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.