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Kritiken

How To Train Your Dragon (John Powell)

Varèse / 2010

CD

Bewertung:


    01. This Is Berk (04:12)
    02. Dragon Battle (01:55)
    03. The Downed Dragon (04:16)
    04. Dragon Training (03:10)
    05. Wounded (01:25)
    06. The Dragon Book (02:22)
    07. Focus, Hiccup! (02:05)
    08. Forbidden Friendship (04:10)
    09. New Tail (02:47)
    10. See You Tomorrow (03:52)
    11. Test Drive (02:35)
    12. Not So Fireproof (01:11)
    13. This Time For Sure (00:47)
    14. Astrid Goes For A Spin (00:45)
    15. Romantic Flight (01:55)
    16. Dragon’s Den (02:28)
    17. The Cove (01:10)
    18. The Kill Ring (04:27)
    19. Ready The Ships (05:13)
    20. Battling The Green Death (06:18)
    21. Counter Attack (03:02)
    22. Where’s Hiccup? (02:43)
    23. Coming Back Around (02:49)
    24. Sticks & Stones -- Jónsi (04:08)
    25. The Vikings Have Their Tea (02:04)

    TT: 72 min

In einer Schublade zu landen, gilt gemeinhin als Unglücksfall für kreative Professionen wie der des Komponisten. Dennoch sind sicherlich viele Filmkomponisten froh, wenn sie zeitweise als Spezialist für bestimmte Genres oder Stoffe auf den Zetteln der Produzenten landen – garantiert dies doch zumindest einen stetigen Fluss an neuen Projekten. Oder, wie David Arnold es einmal in Bezug auf seine Bond-Engagements formulierte, es erweist sich „nicht als die schlechteste Schublade in der man stecken kann“.
Ähnlich zufrieden könnte theoretisch auch John Powell sein. Der Zimmerschüler hat sich seit seinem ersten größeren Auftritt „Face/Off“ merklich von der musikalischen Ausdrucksweise seines Förderers emanzipiert und kann gleich zwei Schubladen vorweisen, in die er gerne gesteckt wird. Die erste ist eng mit seinem Freund und Kollegen Paul Greengrass verbunden, der mit dem zweiten Teil der Jason-Bourne-Filme mit Powell bekannt wurde. Seitdem gilt der Komponist als Vorreiter einer elektronischen, stark rhythmisierten und spartanisch instrumentierten Action, zuletzt fand diese in „The Green Zone“ ihre Fortsetzung. Die zweite Schublade ist ungleich spannender für die Fans. Zimmer schleuste ihn 1998, ein Jahr nach „Face/Off“ in das Animationsabenteuer „Antz“ ein. Im Team mit Harry Gregson-Williams wurde er daraufhin zur „obvious choice“ für dieses Genre, „Chicken Run“ und „Shrek“ bereiteten diesen Weg vor. Seit 2005 ist Powell allein in diesem Feld unterwegs und hat mit „Robots“, „Horton Hears A Who“ und „Ice Age 3“ einen fast unangreifbaren Status in dem Genre erreicht. Kaum eine Dreamworks-Animation kommt mittlerweile ohne ihn aus.

So bedient er auch mit dem jüngsten Projekt der Trickschmiede das Schubladendenken. „How To Train A Dragon“ ist der 3D-Pionier von Dreamworks und für Powell erneut eine Gelegenheit, sich unersetzbar zu machen. Dies gelingt ihm wie zuletzt zwar eindeutig nicht, zu generisch ist der kompositorische Ansatz des Amerikaners, dennoch ist der Score zu dem Wikingerspekakel eine höchst unterhaltsame Angelegenheit. Weniger eklektisch und variabel als „Horton“, dafür mit mehr epischer Wucht hat Powell den Film ausgestattet. Satte Blechbläserthemen, viel Chor und ein nordischer Einschlag (dieser reicht in Dreamworks-Ohren von Irland bis Skandinavien) versüßen den schwungvollen Orchesterscore.
Positiv fällt gleich zu Beginn des Scores auf, dass Powell seinen Zuhörern gleich mehrere eingängige Themen bietet. „This is Berk“ beginnt mit einer pastoralen Melodie für Hörner und Streicher, wird anschließend von einem zweiten, leicht schottischen Motiv abgelöst. Hier setzt Powell Flöten, Fiddles und Chor ein. Stampfende Percussions, Blechbläser und Streicherarpeggien kündigen dann das Haupttthema an. Dieses ist mehrteilig gestaltet, zu Beginn steht meist ein orchestraler Jig, welcher jedoch mit vollem Orchester orchestriert ist und ist mit seinem schnellen Achteltakt sehr schwungvoll.  Zeitweise übernehmen Flöten die Melodie, was den Tanz noch näher in die schottische Richtung rückt. In den unzähligen Variationen des Hauptthemas dominiert der zweite, eher hymnische Teil des Themas. In abschließender Wucht bietet Powell es in „Coming Back Around“, in dem er mit Penny Whistles, Snare Drums, Chor und vollem Orchester alle Klangkörper des Scores zusammenführt.
Auf diese Weise wird „How To Train Your Dragon“ zweifelsohne zu einer unterhaltsamen Angelegenheit. Die Orchestration ist furios und wuchtig, teilweise aber auch pfiffig und kleinteilig. Seine besten Momente hat sie, wenn Powell Soloinstrumenten mehr Raum gibt. So wird durch Solovioline und Whistle der „Romantic Flight“ ein schöner Titel, während „See you Tomorrow“ am offensichtlichsten die schottischen Wurzeln präsentiert.  Wirbelnde Flöten und Fiddeln formen einen marschartigen Jig, den Powell mit dem Orchester aufnimmt und gekonnt verarbeitet. Das Hauptthema erklingt in „Where’s Hiccup?“ als Pianosolo, eine der seltenen wirklichen Erholungspunkte der musikalischen Tour de Force.
Genau an dieser Stelle muss leise, aber bestimmte Kritik erlaubt sein. Bei aller Routine und Finesse in der Orchestration und Eingängigkeit in den Themen gelingt Powell eine wirkliche Abstufung oder Dramaturgie in seinem Score nicht. Sicherlich auch dem Film geschuldet ist „How To Train Your Dragon“ eine Schlachteplatte von der ersten bis zur letzten Note. Es gibt wenig Zeit zum Luftholen und kaum Differenzierungen in der Kraft und Dynamik. Der Eröffnungstitel dröhnt wuchtig aus den Lautsprechern, genauso wie der „Test Drive“ in der Filmmitte und das Finale „Coming Back Around“. Große Abenteuerscores von Erich Wolfgang Korngold oder John Williams, an denen sich Powell streckenweise durchaus orientierte, zeigen in dieser Hinsicht wie es geht: Nicht aus allen Rohren feuern, sondern gut dosieren und auch Raum für Steigerungen lassen. All dies ist „How To Train Your Dragon“ fremd und deshalb ist die CD in seiner Länge unterhaltsam und ermüdend zugleich.

Abschließend kann man Powell zu seiner Animationsschublade gratulieren. Sie fördert deutlich erfrischendere Scores zutage als sein Bourne-Stil und garantiert ein Mindestmaß an Abwechslung. So ist auch „How To Train Your Dragon“ zu empfehlen – mit obengenannten kleineren Einschränkungen. Für schöne 3,5 Sterne reicht dies alle Mal.

Jan Zwilling / 20.07.10

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