Kritiken
House On Haunted Hill (Don Davis)
Varese / 1999
Bewertung:

Don Davis hatte 1999 ein sehr erfolgreiches Jahr. Mit dem Score zu “Matrix” schaffte er den grossen Durchbruch, und der äußerst sparsame Release des Scores verkaufte sich recht ordentlich, obwohl Davis’ Stil nicht gerade als eingängig zu bezeichnen ist. Produzent Joel Silver drehte nach “Matrix” das Horrorfilm-Remake “House On Haunted Hill”, einem Gruselfilmklassiker mit Vincent Price aus den 50er Jahren. Wahrscheinlich hat er Davis weiterempfohlen, denn der Score zu “Matrix” hätte in seiner düsteren Art auch gut als Score in einem Horrorfilm funktioniert.
So tauchen dann auch bei dieser Arbeit viele Stil-Elemente aus Davis’ bekanntesten Werk auf: metallische Percussions, scharfe und dissonante Blechbläser und Synthesizereinsätze erzeugen eine düster-monumentale Stimmung, die in ihrer Struktur aber auch an Techniken der Minimal Music angelehnt ist. Hinzu kommt bei diesem Score dann noch ein Chor, der ebenso aufgepeitscht wie das Orchester klingt. Dagegen kann man denn Choreinsatz in “Das Omen” von Goldsmith fast als romantisch abtuen; die Sänger schreien lateinische Wortfetzen in unregelmässigem Rhythmus und ohne Rücksicht auf ein gemeinsames Tempo. Die Chorpassagen sind vielmehr ein polyphones Stimmgewitter, komplexer als in vielen anderen Scores, die avantgardistische Chorpassagen nutzen.
Im Gegensatz zu „Matrix“, in dem eher mit kleinteiligen Motiven gearbeitet wurde, hat „House on Haunted Hill“ ein richtiges Main Theme, das gekonnt Spukhausromantik mit einem gewissen Misterioso-Feeling verbreitet. Eine echte Kirchenorgel bildet dabei meistens einen breiten Kontrast zu einer eleganten Streicherlinie. Sehr zahlreich wird dieses Thema jedoch nicht im Film verwendet, stattdessen gibt es eine relativ eklektische Ansammlung von Spannungscues, die alle von hoher kompositorischer Güte sind. Dabei experimentiert Davis viel.
“Struggling to Escape” etwa ist für eine Popband mit Drums, Percussion, Synthesizern und E-Gitarre geschrieben, und der Track danach “Soirée à Saturation” besteht nur aus arrangierten Klang- und Musiksamples, die unterschiedlich stark verzerrt werden, und dabei ein bisschen an Chris Youngs Musique concrète-Experimente erinnern. Zusätzlich arrangierte Davis noch das “Piano Quartet in G moll” von Brahms für den Film um. Das Hauptproblem der CD ist, dass die Cues so vielseitig sind, dass beim Durchhören manchmal ein bisschen der rote Faden verloren geht. Das wird durch die Qualität der einzelnen Cues aber mehr als wett gemacht. Die Musik ist aber auch nicht für jedermann geeignet, denn der Gestus ist überwiegend sehr aggressiv und dissonant. Leute, die „Matrix“ mochten, machen aber bei einer Anschaffung dieser CD nicht viel verkehrt.
Fazit: Wenn man mit dem “Matrix"-Stil etwas anfangen kann, dann ist diese CD genau das richtige. Davis beweist hier einmal mehr, dass er seine orchestrale Arbeit beherrscht.
Jan Boltze / 22.02.07
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