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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Horton Hears A Who! (John Powell)

Varese / 2008

CD

Bewertung:


    01. Fall From Tree (01:06)
    02. Cave Of Destiny (00:32)
    03. Jungle Of Nool (00:47)
    04. Horton Takes A Luxurious Bath (01:42)
    05. Enter The Kangaroo (01:13)
    06. Banana Wars (01:03)
    07. Saved (02:22)
    08. Into Whoville/Breakfast With The Mayor (03:04)
    09. Club Nool (01:41)
    10. The Town Council (01:13)
    11. Hello (02:17)
    12. Dr. Larue (01:17)
    13. The Quest (01:36)
    14. The Bridge Work (02:29)
    15. Horton Dance! (00:24)
    16. Handle With Care (01:21)
    17. Bedtime (01:56)
    18. Snow Day (01:18)
    19. Morton Tells Of The Kangaroo’s Duplicity (02:30)
    20. Vlad Attack (01:54)
    21. Power Grab (02:45)
    22. Kite Flying Day (01:22)
    23. Mountain Chase (02:08)
    24. Clover Field Search (02:16)
    25. Memory Game (01:04)
    26. For The Children!!! (00:59)
    27. Angry Mob (02:40)
    28. Roping And Caging (01:03)
    29. We Are Here (01:04)
    30. Symphonophone (01:12)
    31. JoJo Saves The Day (02:22)
    32. Hall Of Mayors (01:31)
    33. Horton Suite (06:52)
    34. A Big Ending (00:53)

    TT: 60 min

Animationsfilme sind wie jedes Genre in Hollywood großen Schwankungen in Output und finanziellem Reiz unterlegen. Nach dem Boom des klassischen Zeichentrickfilms um das Jahr 1990 ("Arielle", “Die Schöne und das Biest") befand sich das Gewerbe auf einer ständigen Talfahrt, die erst eine technologische Evolution beenden konnte. Mit der Salonfähigkeit der computergenerierten Animationen begann das Revival des animierten Films - heute ist eine CGI-Komödie ein schon fast sichere Renditequelle für die Studios, zieht doch jedes Kind mindestens einen zahlenden Erwachsenen mit in das Lichtspielhaus. Dies hat zu einer Erweiterung der technischen Palette des Animateurs, aber auch zu einer Inspirationswelle für die Autoren geführt, denn noch ist die Zahl der pfiffigen, einfallsreichen und ausgefeilten Drehbücher im CGI-Bereich erstaunlich hoch.

Auch im Bereich der Filmmusik kann diese Entwicklung nachvollzogen werden. Mit dem Niedergang der klassischen graphischen Animation verschwand auch eine stark orchestral geprägte Vertonungsweise von Cartoon- und Kinderfilmen, die sich am besten durch den Namen Alan Menken charakterisieren lässt. Ebenso wie zum Beispiel Alan Silvestri ("Mouse Hunt") oder David Newman ("Ice Age”, “Matilda") bezog Menken sein Instrumentarium für das Mickey Mousing auf dem traditionellen Sinfonieorchester und stand dabei den Ballettmusiken von Prokofiev und Tchaikovsky nahe. Mit dem CGI-Boom gewann aber eine andere Art des Animationsscorings Oberhand, die sich auf die Arbeiten von zum Beispiel Carl Stalling besann und eine Vielfalt an Stilen zu einem bunten musikalischen Cocktail zusammenfügte. Neben Harry Gregson-Williams und John Powell, die diesen Stil heutzutage fast monopolisiert haben, konnten auch Michael Giacchino ("Ratatouille") oder der späte Goldsmith ("Looney Tunes") erinnerungswürdige Musiken auf diese Weise komponieren.
John Powell, der als Schüler von Hans Zimmer vor zehn Jahren vornehmlich im Actionfach begann, konnte sich in den letzten Jahren in vielen Genres enorm profilieren. Neben seinen “Bourne"-Scores sind auch Ausflüge in die Kömodie oder das Superhelden-Abenteuer ("X-Men: The Last Stand") nennenswert. Die größte Autorität dürfte er aber auch mit seiner neuesten Musik auf dem Gebiet der Animationsfilme untermauern: “Horton Hört ein Hu!” ist der neueste Eintrag aus der CGI-Schmiede von “Ice Age” und “Robots”, der Film verarbeitet eine weitere Geschichte des amerikanischen Pseudonym-Autors Dr. Seuss. Powell komponierte einen waschechten, multistilistischen und dynamischen Score, der sich sowohl auf sein mittlerweile sehr gereiftes orchestratorisches Handwerk als auch auf Ideenvielfalt im Einbinden von nicht-sinfonischen Klängen stützt. Noch immer stellt Sergej Prokofieff den wichtigsten stilistischen Bezug dar und so inszeniert Powell stramme Streicherläufe, zackige Blechfanfaren und wirbelnde Holzbläserstaffetten. Dazu kommen neben Schlagzeug, klassischen Percussions und anderen, ausgefalleneren Rhythmusinstrumenten noch E-Gitarre, Chor, Klavier, Glockenspiel, Synthesizer und Saxophon.

Powells Arbeit für “Horton Hears A Who” ist wenig thematisch orientiert, besitzt aber durch eine ständig wechselnde Dynamik und farbigen Orchestrationsideen einen beträchtlichen Hörcharme. Der Film beginnt träumerisch, mit Flötenklängen auf Streicher und Chor, Harfe und Glockenspiel illustrieren die Idylle. Doch schon bald stampfen die Blechbläser kraftvoll dazwischen, es erklingen dunkle Streicherwirbel und der Chor erhebt sich kraftvoll. Mit ständigen Tempowechseln geht es durch die komplette Musik, mal drängen jazz-inspirierte Big-Band-Arrangements in den Vordergrund ("Horton Takes A Luxurious Bath"), an anderen Stellen übernimmt ein Saxophon das kleine Hauptmotiv und übt sich in weltmännischer Eleganz. Mal schimmert eine Portion John Williams hervor und gelegentlich erfolgt auch der stilistische Rückgriff auf seine eigene Musik zu “Shrek”. In dem skurrilen Instrumenteneinsatz in Titel acht hingegen kann man sich kaum ein Vorbild vorstellen – eigentümliche Quietsch-, Blase- und Zischklänge formen das höchst ungewöhnliche Stück. Abwechslungsreich gestaltet sich auch der Ausflug der Trompeten in Mariachi-Gefilde.
Ein besonderes Showpiece hat sich Powell für die “Mountain Chase” ausgedacht. Sie entwirf ein pompöses Westernpanorama, dass sich Begleitfiguren aus “The Good, The Bad and The Ugly” zu eigen macht und mit einer Solostimme kombiniert. Morricone wird hier durchaus gehaltvoll die Referenz erwiesen, indem der Männerchor faucht wie im berühmten Halunken-Main-Theme und eine einzelne Trompete dazu die Melodie spielt. Kirchenglocken und großer Chor ergänzen den griffigen Track, der im Film wohl für einige Komik sorgen dürfte.

Insgesamt hinterlässt “Horton hört ein Hu!” einen außerordentlich positiven Eindruck, insbesondere was die gereiften Fähigkeiten Powells als Orchestrator angeht. Die CD-Hülle vermerkt keine zusätzlichen Orchestratoren und umso erstaunlicher ist es, dass die Musik vor Ideen - ob sinfonisch oder nicht - überquellt und einen enorm sauberen und technisch einwandfreien Eindruck hinterlässt. Dies macht über die komplette Stunde der Soundtrack-CD Spaß. Leichte Abstriche bleiben bei der Originalität und beim thematischen Material zu konstatieren. Powells Musik ist ein sehr gut gemachter Epigone der aktuellen Vertonungstendenzen, kann sich aber mit dem großartigen “Ratatouille” von Michael Giacchino nicht messen. Dazu fehlt noch die Brillanz der Ideen, die Grandezza bis ins Detail und die Verbindung mit einprägsamen Themen. Doch auch wenn der Musik zur aktuellen Referenz noch ein solider Punkt fehlt, eine große Empfehlung sei mit vier Sternen auf jeden Fall ausgesprochen.

Jan Zwilling / 24.03.08

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