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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Hellboy II: The Golden Army (Danny Elfman)

Varese / 2008

CD

Bewertung:


    01. Introduction (03:37)
    02. Hellboy II Titles (01:18)
    03. Training (01:50)
    04. The Auction House (02:28)
    05. Hallway Cruise (01:35)
    06. Where Fairies Dwell (04:16)
    07. Teleplasty (01:21)
    08. Mein Herring (01:05)
    09. Father And Son (06:02)
    10. A Link (01:29)
    11. A Troll Market (01:21)
    12. Market Troubles (03:41)
    13. A Big Decision (01:10)
    14. The Last Elemental (04:11)
    15. The Spear (01:47)
    16. A Dilemma (02:55)
    17. Doorway (03:35)
    18. A Choice (03:58)
    19. In The Army Chamber (05:47)
    20. Finale (03:49)

    TT: 57 min

Wenn Danny Elfman die Musik zu einem neuen Fantasy-Film aus Hollywood komponiert, ist aus zweierlei Gründen kaum mit Überraschungen zu rechnen. Erstens quillt die Filmographie des Rotschopfes aus Los Angeles vor märchenhaften-fantastischen Stoffen geradezu über und zweitens steht das Genre aktuell in der Traumfabrik nicht gerade für Innovation - Masse statt Klasse heißt hier die Devise. Nun ist “Hellboy II: The Golden Army” aber die neueste Arbeit von Guillermo del Toro, dessen frühere Filme wie “Hellboy” oder zuletzt “Pan’s Labyrinth” vor allem eines nicht waren: seichte Dutzendware. Die Fortsetzung der Geschichte um den roten Gutmenschen Hellboy bekam denn auch vom sonst arg kritischen Feuilleton (Fantasy ist kein Steckenpferd der Kulturredakteure) überraschend gute Kritiken. Und dass Danny Elfman anknüpfen konnte an die gelungene Vorgängermusik von Marco Beltrami machte ebenfalls neugierig, sodass trotz eingangs geäußerter Reflexe die Musik mit Spannung erwartet werden konnte.

Der erste Eindruck scheint diese Erwartungshaltung zu bestätigen, denn die CD eröffnet wie der Film mit der stimmungsvollen “Introduction”. Zurückgreifend auf die Scores von “Pan’s Labyrinth” und “Spider-Man” serviert Elfman eine gekonnte Mischung aus düster-lyrischen Elegien und stampfenden Marsch-Motiven. Der träumerische Beginn mit geteilten Streichern und Glockenspiel versprüht eine märchenhafte Atmosphäre, ein liebliches Motiv wird hierbei ebenso vorgestellt. Die brachiale Action stützt sich auf markante Percussions, energische Stafetten der Streicher, einem wortlosen Chor und vor allem dem Einsatz von Bassposaune und anderen Blechbläsern. Ähnlichkeiten zu “Spider-Man” sind hier zwangsläufig an der Tagesordnung, jedoch gibt sich “Hellboy” orchestraler und abwechslungsreicher. Die lyrischen Stellen bekommen mehr Raum und die Actionmusik wirkt handgemachter und düsterer.

In diesem Gestus bestreitet Elfman die knappe Stunde der Filmmusik-CD. Auffällig ist hierbei, dass die introvertiert-melancholischen Momente einen erstaunlich großen Raum einnehmen. An einigen Stellen betört Elfman mit warmen Streichern, einer volkstümlichen Solovioline und Melodie-Arbeit von Klarinette und Flöte die märchenhaften Ursprünge des Fantasy-Genres. Diese Verwurzelung in den Traditionen zeichnete auch den Film “Pan’s Labyrinth” aus und scheint in “Hellboy II” seine Fortsetzung zu finden. Musikalisch wirken diese Bezüge wohlig-warm, mit Choreinsatz sogar regelrecht außerweltlich und als willkommene Abwechslung in der Actionflut des Fantasy-Genres. Dass die Instrumentation dabei einfach, für kurze Momente sogar schlicht wirkt, ist zu verschmerzen.
Die düsteren, actionbetonten Passagen sind aber auch in “Hellboy II” zahlenmäßig in der Überzahl. Im Großen und Ganzen bewegt sich Elfman dabei auf dem in der Einführung vorgegebenen Pfad. Dröhnende Bassposaunen, verschachtelte Schlagwerkpassagen, seine typischen Kombinationen aus tiefen und sehr hohen Streichern und ein facettenreicher Chor prägen die Musik. Gelegentlich kommt Synthetisches zum Einsatz, wie elektronisch wirkende Percussions ("Training" oder “Father and Son") oder die E-Gitarre ("Mein Herring” oder “Market Troubles"). Der Einsatz von Synthetik wirkt im Kontext der Musik aber überflüssig, denn den leichten Abstand den Elfman zu Standards wie “Spider-Man” aufgebaut hat, geht dadurch stellenweise verloren. Anders ist es mit dem Einsatz des Theremins (oder eines klanglich sehr ähnlichen Keyboards), welches an einigen Stellen der Musik einen leicht psychedelischen Touch verleiht. Es sind diese Momente, in denen auch Vorbilder wie Elliot Goldenthal (seine Batman-Scores), Don Davis (Matrix) oder Bernard Herrmann auftauchen. Mit komplexer Rhythmik, Stakkato-Paraden der Blechbläser, Posaunentrillern oder der Aufbau von kurzen Actionmotiven in A-B-Form erweitern den Kreis der für Elfman typischen Stilmittel. Besonders deutlich wird dies in dem großartigen “Where Fairies Dwell”. Hier bekommt auch der Chor einen seiner spannenden Einsätze, nämlich als Frauen- und Kinderchor als Kontrastmittel zu dumpfen Percussions. Besonders festlich wirkt der Chor in dem leicht karikierenden “Mein Herring”, das pompösen Chor mir pizzicato gespielten Streichern und barocken Fanfaren mischt. Dem Titel nach zu urteilen haben die Nazis wieder einen Auftritt im perfekt ironisierten Klischee.

Der Eindruck, den Elfman mit “Hellboy II” vermittelt, ist also durchweg positiv. Der Score ist stilvoll, klasse orchestriert und wartet mit einer Reihe musikalisch spannenden Ideen auf. Die variable Action und die Rückbesinnung aufs märchenhafte sind besonders erwähnenswert. Dennoch bleibt kein ungetrübter Eindruck zurück, denn zum Beispiel an der thematischen Durchdringung und einem guten dramaturgischen Aufbau hapert es. Die Musik ist zwar melodisch und eine knappe Handvoll Motive können bei intensivem Hören identifiziert werden, doch gerade die klassische Herangehensweise hätte mehr Raum für eine markante Melodik und leitmotivische Verarbeitung gelassen. Dazu kommt, dass sich der Score über die Stunde der CD kaum zu steigern oder zu verändern vermag. Das absolute Highlight der CD ("In The Army Chamber") fasst zwar kurz vor Schluss alle positiven Aspekte der Musik zusammen, ein Spannungsaufbau oder geschickte dramaturgische Steigerung, wie sie John Williams perfekt beherrscht, findet kaum statt. So hängt die Musik bei zwei Dritteln auch schon einmal durch. Als letztes Manko sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich Elfman mit einem konsequenteren Verzicht auf synthetische Mittel die Nähe zu “Spider-Man” erspart hätte und rein intuitiv das Dock-Ock-Thema nicht hinter jedem Takt erwartet würde.

Fazit: Viel Licht, ein wenig Schatten und eines der klangschönsten Alben der letzten Zeit. Die Vorgänger-Musik von Marco Beltrami ist ein deutliches Stück höher anzusetzen, ebenso Javier Navarretes “Pan’s Labyrinth”. So bleiben dicke 3,5 Sterne und eine Empfehlung für den neuesten Elfman.

Jan Zwilling / 19.07.08

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