Kritiken
Heat (Elliot Goldenthal)
Warner / 1995
Bewertung:

Michael Mann hat es geschafft: seine Filme sind finanziell erfolgreich und gleichzeitig liebt ihn die Filmkritik und bezeichnet ihn als einen Autorenfilmer im Hollywoodsystem. Ganz unschuldig an dieser Sichtweise dürfte dabei auch nicht der Film sein, um dessen Soundtrack es hier geht: „Heat“. Ein Remake von einem relativ banalen TV-Film, den Mann Ende der 80er Jahre gedreht hatte, aber gewürzt mit einer sensationellen Besetzung (Robert De Niro und Al Pacino) und vielen sehr großen Talenten hinter der Kamera. Director of Photography Dante Spinotti verpasste dem Film einen stahlblauen Look, der immer noch von vielen Kameraleuten kopiert wird. So wurde aus einem schlichten Gangsterthriller ein existenzialistisches Drama.
Die Musik stammte von Elliot Goldenthal, allerdings benutzte Mann auch recht viele Popsongs, was aber bei ihm nicht aus kommerziellen Gründen geschieht, sondern integral für die Schaffung einer großstädtischen Atmosphäre ist.
Entsprechend passte Goldenthal seinen Score an, um zu der eingesetzten Popmusik zu passen. Dies erreichte er durch den Einsatz von E-Gitarren und einen dezenten Synthesizer- sowie Percussioneinsatz. Die Songs fallen deshalb nicht so aus der Reihe, obwohl sie sich stilistisch stellenweise schon sehr stark von Goldenthals Arbeit unterscheiden.
Das besondere an dieser Musik ist die Besetzung. Goldenthal setzt hier zum ersten Mal E-Gitarren neben dem Orchester ein - ein Konzept, dass er später in seinen Arbeiten zu „In Dreams“ und „S.W.A.T“ wieder aufgreifen wird. Zusätzlich kommt aber auch ein Streichquartett (immerhin das legendäre „Kronos Quartet“) zum Einsatz, welches aber im Gesamtklang sehr in die anderen Instrumente integriert ist, so dass es in seiner Wirkung nicht unbedingt kammermusikalisch klingt.
Das Eröffnungstück „Heat“ ist schon sehr charakteristisch für den Film: elegische Streicher eröffnen das 7minütige Stück, bis die E-Gitarren einsetzen und die fatalistische Stimmung, die für den Film bestimmend sein soll, leitet langsam in ein synthesizer-dominiertes Actionstück über, das vor allem durch Percussions und Drumloops und die E-Gitarren bestimmt wird.
Der beste Track “Predator Diorama” profitiert sehr von dieser ungewöhnlichen Besetzung. Das Streichquartett sorgt mit sehr unruhigen Läufen am Beginn für die richtige Entwicklung der Spannung, die dann zum Höhepunkt des Stücks völlig ausbricht, wenn mehrere E-Gitarren mit verzerrten und dissonanten Akkorden in voller Lautstärke erklingen.
Auf der Soundtrack-CD die mit 75 Minuten gut bestückt ist, halten sich Songs und Score in etwa die Waage. Die Wirkung der Songs im Film ist hervorragend, Michael Mann hat bei der Auswahl ein gutes Händchen bewiesen. Beim Bankraub, der eine 20minütige Verfolgungsjagd mit einem phänomenal inszenierten Shootout nach sich zieht wird z.B. das Stück “Force Marker” von Brian Eno eingesetzt. Es besteht nur aus elektronischen Beats, die diese Szene rasant vorantreibt. Auf der CD ist die Musik allerdings eher langweilig.
Die Highlights bei den Songs sind jeweils die 2 Titel von Moby und von Lisa Gerrard Gerrards Stücke sind streng auf die Wirkung ihrer Stimme hin komponiert, die Musik dazu könnte man noch am ehesten als minimalistisch bezeichnen. Die zwei Songs von Moby sind sehr unterschiedlich geraten: das eine ist ein gitarrenschweres Rockstück mit unaufdringlichen zusätzlichen elektronischen Elementen. Das andere eher eine Minimal Music-Komposition für elektrische Instrumente als ein Popsong.
Sehr ungewöhnlich und tendenziell sehr schwere Kost ist der Song „Armenia“ von den „Einstürzenden Neubauten“, den Mann auch in seinem nächsten Film „Insider“ einsetzen wird. Die deutsche Avantgarde-Popband um Blixa Bargeld, die Geräuschmusik macht, enthält unter anderem auch Schreien des Leadsängers, aber nicht wie im Heavy Metal, sondern sehr gequälte, leidende Ausbrüche, die nur schwer verdaulich sind. Durch das ständige Wechselspiel von Score und Songs kristallisiert sich beim Durchhören der CD allerdings leider nur schwer ein roter Faden heraus. Der Gesamteindruck bleibt damit ein wenig eklektisch und erschwert das Aufstöbern der goldenthalschen Motivarbeit, die in diesem Score auch sehr dezent und unauffällig ausgefallen ist.
Fazit: Der Score zu „Heat“ ist sehr interessant ausgefallen und zeigt die Originalität ihres Komponisten sehr deutlich. Die Orchestrierung ist interessant und unkonventionell, viele Passagen der Musik sehr spannend, manche sehr nachdenklich gestimmt und geben dem Film erst seine schwermütige Stimmung. Die Songs sind meistens, wenn auch exzellent im Film eingesetzt, auf der CD kein großer Genuss. Den Score für sich alleine genommen würde ich mit 4,5 Sternen bewerten, durch den ungünstigen Albumschnitt werden dabei wohl verdiente 4 Sterne daraus.
Jan Boltze / 31.01.07
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