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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Haunted Honeymoon (John Morris)

LaLaLand /2010

CD

Bewertung:


    01. Main Title (02:49)
    02. Memory Music / Wolfington Castle (04:43)
    03. Car Arrival / Montego Eyes (02:42)
    04. The Werewolf / The Drainpipe (01:37)
    05. Susan and Dog / “I Know, I Know” (01:27)
    06. Electrical Switch / Gilda’s Walk (03:17)
    07. Wine Cellar / Pleasant Dreams (02:13)
    08. The Dream (02:31)
    09. Garden Revelation / Werewolf and Shovel (04:40)
    10. Phone Box / Run and Fight (05:16)
    11. Wedding Organ / Werewolf Finale (01:04)
    12. End Credits (01:03)
    13. Outtake Suite (03:42)
    14. Cocktails (01:39)

    TT: 39 min

“Haunted Honeymoon / Hochzeitsnacht im Geisterschloss” war ein kolossaler Flop, aus dem Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Gene Wilder Konsequenzen zog: dies sollte sein letzter Film als Regisseur bleiben und auch der letzte Film, indem er mit seiner Frau Gilda Radner vor der Kamera stand. Kurz nach Beendigung der Dreharbeiten erkrankte Radner an Krebs und starb fünf Jahre später. Man kann es als das Ende einer Ära bezeichnen, denn Wilders Filme, sowohl als Regisseur als auch als Darsteller, zeichneten sich durch eine für die 70er- und 80er-Jahre typische satirische Anarchie aus, hier verpackt als liebevolle Hommage an die Gruselfilme der Schwarzweiß-Ära. Nach nur einer Woche verschwand „Haunted Honeymoon“ wieder aus den amerikanischen Kinos und ist heute längst in Vergessenheit geraten.
Seine Karriere begann Wilder auf der Leinwand durch seine Zusammenarbeit mit Mel Brooks, dessen Haus- und Hofkomponist John Morris war. Der 1926 in New Jersey geborene Musiker vertonte zahlreiche Produktionen von Brooks‘ eigener Firma „Brooksfilms“, so auch „Der Elefantenmensch“, bei dem David Lynch Regie führen sollte. Gene Wilder war von den Qualitäten Morris‘ dermaßen überzeugt, dass er für alle vier Filme, die der Krauskopf inszenierte, die Dienste des Tonsetzers in Anspruch nahm.

Die Partitur für „Haunted Honeymoon“ ist verhältnismäßig kurz und umfasst auf der von La-La-Land veröffentlichten CD lediglich 39 Minuten, die vom London Symphony Orchestra eingespielt wurden. Wie auch bei den Filmen, die er für Mel Brooks vertonte, konzipierte John Morris eine durch und durch ernsthafte Partitur ohne Mickey Mousing, welches dem Zuschauer klarmachen sollte, wann er gefälligst zu lachen habe. Es lag trotzdem eher weniger an der Musik, dass die Zuschauer bei diesem Film nicht gelacht haben, denn die Filmmusik erweist sich als handwerklich sauber und routiniert, zählt jedoch nicht zu den großen Leistungen von Morris‘ wie etwa „Frankenstein Junior“ oder „Der Elefantenmensch“.
Es ist interessant zu bemerken, dass letztere Filmmusik, die sechs Jahre zuvor entstand, in dem Track „Phone Box / Run and Fight“ stilistisch kurz anklingt, wenn das Glockenspiel zu hören ist. In diesem Fall ist es das „Erinnerungsmotiv“, welches seinen Einsatz findet, wenn Gene Wilder als Larry sich an seine Kindheit erinnert. Insgesamt findet sich in „Haunted Honeymoon“ eine Vielzahl musikalischer Motive, von denen das im „Main Title“ vorgestellte zweifellos das prägnanteste ist. Es besteht aus einer kurzen Fanfare, die mehrmals wiederholt und dabei variiert wird, begleitet von Perkussionsschlägen und einer elektrischen Orgel. Aus diesen Ingredienzen bauscht sich die Musik auf und steigert ich ins Überlebensgroße, ehe sie abbricht und wieder von vorne beginnt, unerbittlich und triumphierend, eine derart übertriebene musikalische Untermalung, dass zu keiner Zeit ein Zweifel an der deutlichen Parodie besteht. Interessant ist der musikalische Trick, den Morris anwandte, um die Titelmusik einer Radiosendung, in der Larry auftritt, lebendig werden zu lassen. Hier wird anhand des sehr dünnen und blechernen Sounds der Eindruck erweckt, die Musik käme direkt aus einem alten Radio, ein Ergebnis nicht nur durch technische Nachbearbeitung, sondern durch die sehr eigenwillige Orchestration und Instrumentenkombination, wie Jeff Bond in seinem sehr ausführlichen und informativen Begleitheft erläutert.

Insgesamt ist „Haunted Honeymoon“ jedoch nur leidlich interessant und vermag auf CD nur an wenigen Stellen zu fesseln, denn dafür verliert sich Morris filmbedingt zu oft in recht monotonem Suspense-Scoring. Man muss diese Filmmusik nicht komplett auf CD haben, sondern kann sich mit einer Zusammenstellung von ca. 10 Minuten begnügen, indem die Highlights zusammengefasst die breite musikalische Palette des Komponisten darlegen: eine mächtige und triumphale Overtüre, motivisch angelegte Actionsequenzen, teilweise an Bernard Herrmann gemahnende Suspense-Einlagen und Easy Listening für eine Cocktail Party. Kein essentielles Album und wer John Morris kennen lernen möchte, sollte besser auf eine Veröffentlichung seiner hervorragenden „Frankenstein Junior“-Partitur warten oder sich an „Dotterbart“ wagen, der jüngst von Quartet Records in Spanien aufgelegt wurde.

Stephan Eicke / 04.03.11

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