Kritiken
Grey Gardens (Rachel Portman)
Varèse / 2009
Bewertung:

Der Fernsehfilm „Grey Gardens“, produziert von HBO, war in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg, der sowohl beim Publikum, als auch bei Kritikern gut ankam. Das bezeugt auch die Bewertung in der IMDB, wo das Melodram mit Drew Barrymore und Jessica Lange sagenhafte 8 von 10 Sternen erhielt. In Michael Sucsys Film geht es um die wahre Geschichte zweier Verwandte von Jacqueline Kennedy, die, in einem mit Flöhen und Waschbären verseuchten Haus wohnend, das Gesundheitsamt bedrohen.
Rachel Portman, deren letzter Vertonungsauftrag “The Duchess” war, schien für diesen Frauenfilm die perfekte Wahl gewesen zu sein. Portman liefert auch hier genau das, was man von ihr gewohnt ist, sodass ihre emotionale Musik denkbar überraschungsarm geriet. Im Vordergrund dieser monothematischen Filmmusik stehen altbekannte Klavier- und Holzbläsersoli über Streicherteppichen. Portman schuf als Grundlage ein erschreckend simples Thema, das im Gestus ihrer kurz zuvor entstandenen Melodie zu „The Sisterhood Of Travelling Pants 2“ leicht ähnelt. Hier sind es lediglich drei aufsteigende Noten, gefolgt von drei absteigenden, die im Laufe der Filmmusik leicht variiert und erweitert werden sowie ständige Dur/Moll Veränderungen durchlaufen. Als Beispiele zu nennen wären „Edie Comes Home“, wo die Melodie als Augmentation von einer Klarinette vorgetragen wird oder der schwungvolle Track „Cements the Deal“, in dem das Thema als Dur-Variation von Streichern als Walzer interpretiert wird.
Man kann es als Mut bezeichnen, dies als Grundlage, als Gerüst einer gesamten Filmmusik zu machen, doch Portman verpackt dieses Motiv derart geschickt in der lyrischen Orchestration, dass in diesem Fall eben gerade in dieser Simplizität der Reiz liegt. Einfache Strukturen, ein emotionales Thema, variiert und vorgetragen von diversen Holzbläsern, die Portman-typischen Streichercrescendi, ausbrechend in gewohnter Leidenschaft und femininer Emotionalität sind noch immer die Markenzeichen der Britin.
Ergänzt wird das Hauptthema noch um ein jazzig angehauchtes Thema, das in ähnlicher Weise im Verlaufe der Filmmusik erklingt.
„Grey Gardens“ ist zweifellos eine mit Leidenschaft komponierte Musik, die durch ihre Eleganz und Ästhetik, vielleicht auch gerade durch ihre Schlichtheit anzusprechen vermag. Man hat all dies von Portman zwar schon dutzende Male gehört und einige Male davon auch besser, nichtsdestotrotz ist diese Musik in eine Wohltat für den emotional vernachlässigten Filmmusikhörer, für den es in Zeiten von Dark Knights oder elektronischen Beats, die die Erde stillstehen lassen, ziemlich dürr aussah. Mit „Grey Gardens“ präsentiert sich ihm aber mal wieder eine Filmmusik mit hohem Ohrwurmfaktor
Stephan Eicke / 26.06.09
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