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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Great Expectations (Patrick Doyle)

Atlantic / 1997

CD

Bewertung:


    01. Finn (2:55)
    02. Crossing The Gulf (1:48)
    03. Paradisa Perduto (2:09)
    04. Estella’s Theme (3:28)
    05. Ain’t Love Grand (0:56)
    06. A Walk In The Park (1:21)
    07. I Saw No Shadow Of Another Parting (The Aria) (2:39)
    08. Kissing in the Rain (3:06)
    09. Joe Leaves (1:38)
    10. The Day All My Dreams Come True (1:30)
    11. Pyramid Of Pain (2:28)
    12. Planes On A Plane (0:47)
    13. A Toast (1:24)
    14. Benefactor (1:34)
    15. Lustig Dies (3:35)
    16. Paradiso Perduto Revisited (0:45)
    17. It Was Just My Memory Of It (2:22)
    18. The Price Of Success (2:04)
    19. Underfloor (2:42)
    20. Bésame Mucho (4:55)
    21. By The Inch Or By The Hour (2:43)
    22. The Big Trip (3:30)

    TT: 50 min

„Große Erwartungen“ basiert auf einem Charles Dickens-Roman, dessen erste Verfilmung bereits 1917 stattfand. Alfonso Cuárons Version ist eine Modernisierung des Stoffes — statt zu Lebzeiten Dickens spielt die Handlung hier in den 80er Jahren. In dem Buch geht es um ein Dauerthema in der Literatur: eine Liebesgeschichte, die sich nicht mit den gesellschaftlichen Konventionen vereinbaren lässt. Cuárons Film bekam keine allzuguten Kritiken, und das obwohl die Besetzung des Films aufhorchen lässt. So gehören neben den beiden Hauptdarstellern Gwyneth Paltrow und Ethan Hawke, die das unglückliche Paar spielen, noch Anne Bancroft, Robert De Niro und Chris Cooper.

Der Score stammt vom Engländer Patrick Doyle, der mit den Musiken zu Kenneth Branaghs Filmen („Henry V“, „Much Ado About Nothing“) Karriere machte. Er komponierte einen thematisch orientierten, sehr romantischen Score mit einem eingängigen Hauptthema für Estella, die Rolle von Gwyneth Paltrow. An anderen Stellen überrascht der Score aber auch mit teilweise minimalistischen Passagen.
Die CD eröffnet mit einem unkonventionellen, mysteriös klingendem Stück. „Finn“ besteht aus dem Pfeifen eines Menschen und einer gehauchten, aber leicht schrägen Frauenstimme. Die Popsängerin Tori Amos übernimmt diesen Part. Überhaupt fällt die grosse Zahl der Solisten, von denen einige ganz schön prominent sind, auf. So kommen zum Beispiel der berühmte Gitarren-Solist John Williams, 4 Frauenstimmen (neben Tori Amos noch die Sopranistin Kiri Te Kanawa, Miriam Stockley und Janis Kelly), ein Pianist und eine Jazz-Combo zum Einsatz. John Williams stellt mit einem hervorragenden Gitarren-Solo über dezenten Streicherteppich Estella’s Theme vor, eine Melodie, die sofort ins Ohr geht und in interessanten Variationen wieder auftaucht, zum Beispiel als Opern-Arie „I Saw No Shadow Of Another Parting“ von der Sopranistin Kiri Te Kanawa gesungen. Dieser Track ist sicher das Highlight des Scores. Weitere raffinierte Varianten gibt es zum Beispiel als Jazz-Song („By The Inch Or By The Hour“) oder als Pop-Song mit elektrischen Beats („The Price Of Success“) zu hören, oder in Track 8 als sehr dynamisches Orchester-Stück mit Holzbläsern und Cembalo neben den melodieführenden Streichern. Als netten Bonus gibt es noch den Latino-Jazz-Song „Bésame Mucho“, der sich gut anhören lässt, aber natürlich Geschmackssache ist.

Fazit: Patrick Doyles Gespür für Melodien und seine äußerst einfallsreichen Variationen des thematischen Materials machen das Anhören dieser CD zu einem abwechslungsreichen Vergnügen. Leider ist der Score in Deutschland Out Of Print, aber als US-Import ist die CD noch zu bekommen. Zu dem Film gibt es ausserdem ein Song-Album mit einigen Pop-Titeln, die im Film vorkamen, mit dem man den Score nicht verwechseln sollte.

Jan Boltze / 02.12.07

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