Kritiken
G.I. Joe (Alan Silvestri)
Varèse / 2009
Bewertung:

Stephen Sommers, berühmt- berüchtigt durch Filme wie „Octalus“ oder „Die Mumie“, bringt diesen Sommer sein neues Actionspektakel in die Kinos. „G.I. JOE“ ist die Verfilmung der gleichnamigen Comicreihe und damit kommt der Film auch gerade richtig, um mit Comic- Verfilmungen wie „Transformers“ zu konkurrieren.
Auch wenn die Handlung eher nebensächlich beziehungsweise gar nicht erwähnenswert ist, hier ein kurzer Abriss: Mars Industries hat eine neue Superwaffe entwickelt, die nun aus der Fabrik transportiert werden soll. Natürlich sind die Bösen, allen voran Sienna Miller, hinter dieser Waffe her und überfallen den Transporter. Rechtzeitig greift die Spezialeinheit G.I. Joe ein, sodass die Wachleute von Mars Industries überleben und zumindest einer von ihnen in die Spezialeinheit G.I. Joe aufgenommen werden möchte. Alles andere ist unwichtig.
Komponist Alan Silvestri nahm sich 2007 extra eine Auszeit, um sich ein wenig fortzubilden, wie er es damals nannte. Hört man nun Silvestris letzte Werke wie „Beowulf“ oder eben „G.I. Joe“ drängt sich einem allerdings unweigerlich die Frage auf, ob dieses eine Jahr Fortbildung nicht eher ein Rückschritt gewesen ist. Dass diese Frage einfach zu beantworten ist, hört man in Tracks wie „Mars Industries“ oder „Delivering The Warhead“, die mit ihren billig, wenn nicht gar klischeehaft trashig klingenden Synthesizer-Einsätzen sehr stark an Silvestris Anfänge in den 80er Jahren erinnern, nur dass hier Techno Elemente mit einflossen. Für den einen oder anderen mag das ja ganz charmant klingen, aber eben in dem Sinne, dass diese Synthesizer, aufgenommen 2009, schon genauso veraltet klingen wie Silvestris Synth-Scores aus den 80ern.
Das halte ich für ziemlich bedenklich, wenn sich somit die Musik zu G.I. Joe eher als Satire auf sich selbst darstellt anstatt eine ernsthafte Actionmusik zu sein, wie der Komponist sie mit „The Mummy Returns“ etwa geliefert hat. Silvestri scheint nicht mehr in der Lage zu sein oder keine Lust zu haben, mit der natürlichen Percussion eines Orchesters auszukommen, denn der gesamte Soundtrack ist buchstäblich vollgepumpt mit künstlichen Beats und Drum- Loops, die einem fast ohne Unterbrechung um die Ohren gehauen werden, sodass etwa die Streicher des Orchesters kaum mehr zu hören sind. Automatisch denkt man hier an vergleichbare Scores aus der Schmiede Hans Zimmers, aber selbst die meisten Musiken aus dieser Werkstatt gehen zurückhaltender mit der Elektronik um als Silvestri, der dem Kritiker zumindest mit völlig unpassenden E-Gitarren-Riffs und harten Beats nach langsamen, tristen Streicherakkorden, ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubern konnte.
Über 70 Minuten wird der Hörer mit stets zu lauten Synths und Bässen konfrontiert; dass es nicht mal eine Melodie gibt (geschweige denn interessante motivische Einfälle), die es dem Hörer erleichtern können, diese endlos lang erscheinende Spielzeit durchzustehen. Man muss allerdings auch sagen, dass die Elektronik hier nötig war, denn ohne sie bleibt kaum mehr etwas übrig was musikalische Substanz angeht: Streicherstakkati, Blechbläsereinwürfe; all das spielt sich im Hintergrund ab und steht weit hinter der überbordenden Elektronik zurück.
Zugegeben, die Elektronik nimmt im Laufe der CD ab, doch die Musik wird dadurch nicht sonderlich besser. Öde Ostinati und Stakkato-Tonrepetitionsmuster, immer wieder unterbrochen von lahmem Suspense-Scoring sind das Rezept für diese einfallslose Actionmusik, dessen Highlight - die „End Credits“ - nur teilweise Erinnerungen an Silvestris beste Zeiten aufkommen lassen.
Hoffnungen auf Lichtblicke - etwa mit dem viel versprechend beginnenden „I Promise“ - werden alsbald im Keim erstickt, wenn Silvestri sich anstatt mit eleganter Melodik mit belanglosen Klavierakkorden und langweiligen Streicherbögen zufrieden gibt. Doch sich über zwei ruhige Minuten zu ärgern ist ohnehin lächerlich, die restlichen 68 Minuten bieten für den Filmmusikfan genügend Gelegenheit sich zu beschweren, wenn die stets gleichen Loops und Beats durch den Computer gejagt werden und mittendrin dann plötzlich- wie z.B. in „The Pit Battle“ aufgrund extrem dilettantischer Orchestration etwa eine Flöte einsetzt um einen Halte-ton zu spielen. Silvestris langlähriger Orchestrierer William Ross wird hier schmerzhaft vermisst.
Fazit: Als Parodie auf diverse Remote Control-Musiken funktioniert dieser Soundtrack ganz wunderbar, nur als Filmmusik für sich stellt dieses Machwerk ein absolutes Ärgernis und eine große Enttäuschung dar, so lieblos hingeschludert wie es klingt.
Zum Abschluss eine Warnung, dieses Album nicht zu kaufen- und das hat nichts mit der Musik an sich zu tun: Die erste Hälfte des von Varése Sarabande herausgegeben Albums wurde von mp3- Quellen gemastert und nicht wie bei einer CD üblich von .wav Dateien. Der Unterschied ist, dass die Tonqualität schlechter klingt da verwaschener und dumpfer als es bei .wav der Fall ist, weil die Frequenzen nicht vollständig ausgelastet sind. Besonders störend ist das Kompressionsrauschen an einigen Stellen nicht, doch trotzdem sollte man eine solche Produktion nicht unterstützen. Das Label Varése hat sich bisher zu den Vorwürfen allerdings noch nicht geäußert, geschweige denn ihren Fehler eingesehen. So wäre für die Musik selbst eine Wertung von 2 Sternen angemessen, für die lieblose und fast dreiste Produktion anhand von mp3 Quellen habe ich mich entschieden, noch einen halben Stern abzuziehen, um den Käufer zu warnen.
Stephan Eicke / 16.08.09
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