[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Garden Of Evil / Prince Of Players (Bernard Herrmann)

Marco Polo / 1998

CD

Bewertung:


    PRINCE OF PLAYERS
    01. Prelude (2:20)
    02. The Tour (0:21)
    03. The Dressing Room (1:21)
    04. Idyll (3:53)
    05. Hamlet (Interlude) (0:31)
    06. The Traitor (1:24)
    07. Murder (0:35)
    08. Finale (0:46)

    GARDEN OF EVIL
    09. Prelude (1:30)
    10. Siesta (1:39)
    11. The Start (0:24)
    12. The Cliffs (1:47)
    13. The Chasm And The Valley (3:01)
    14. Leah (0:46)
    15. The Stone Arrow (0:47)
    16. Hooker (2:03)
    17. The Mission (1:04)
    18. The Circle (1:26)
    19. The Church (0:46)
    20. Nocturne (2:33)
    21. The Quarrel (0:48)
    22. Aftermath (1:46)
    23. The Wooden Cross (1:13)
    24. The Mine (1:24)
    25. The Feather (1:32)
    26. Fuller (0:59)
    27. The Shrine (1:17)
    28. The Smoke Signals (0:30)
    29. The Revolver (0:51)
    30. The Wild Party (1:05)
    31. Leah's Vigil (0:39)
    32. Fuller's Devotion (1:14)
    33. The Departure (1:00)
    34. The Indian (0:37)
    35. Fuller's Plan (2:29)
    36. The Apache (0:37)
    37. Daly's Death (0:35)
    38. Fuller's Death (1:41)
    39. The Watchers (1:15)
    40. Night Scene (2:38)
    41. The High Rocks (0:28)
    42. The Chase (2:16)
    43. The Cards (1:14)
    44. The Ridge (1:41)
    45. The Return (1:21)
    46. The Sharpshooter (0:47)
    47. Finale (2:24)

    TT: 63 Min

Bernard Herrmann etablierte im Laufe seiner filmkompositorischen Laufbahn eine charakteristische Herangehensweise an düstere Dramenstoffe, die man durchaus als Beschränkung seiner Tonsprache auffassen kann. Betrachtet man zum Beispiel die Musiken zu “Torn Curtain” oder “5 Fingers”, so fallen der minimalistische Grundaufbau der Motive, die Beschränkung auf kleine Orchestergruppen, die oft durch Pauken und schroffe Blechbläsersätze angekündigten Gefahren und der düstere, unterschwellig psychologisierende Grundton der Musiken ins Auge. Erstaunlicherweise gewinnt Herrmann dieser oftmals ähnlichen Ausgangslage immer wieder raffinierte Variationen ab, die sich auf exzellente technische Umsetzung und Kreativität bei der Erzeugung von wirkungsvollen Klangeffekten stützen.

Ein in diese Sparte passender und daher für viele Herrmann-Kenner auch beim ersten Hören vertraut klingender Score ist “Garden Of Evil”, einem vergleichsweise einfach konstruiertem Abenteuerfilm mit Westerntouch, aber sehr düsterer Grundstimmung. Eine Gruppe um Susan Hayward (u.a. Gary Cooper und Richard Widmark) versucht unter großen Gefahren, zu einer entlegenen Mine zu gelangen. Ähnlich wie bei “The Treasure Of The Sierra Madre” ist die Gruppendynamik ein wesentlicher thematischer Fixpunkt des Films.
Herrmann, der in seiner Kino-Karriere nur selten mit dem Westerngenre in Kontakt kam ("The Kentuckian” und “King Of The Khyber Rifles” entstanden ebenfalls Anfang der 50er Jahre), für die CBS aber einige vielfältig einsetzbarer Library-Stücke für Western komponierte, untermalte “Garden Of Evil” abseits der aus heutiger Sicht das Genre charakterisierender Stile (Ennio Morricone oder Dimitri Tiomkin). In der oben beschriebenen Herangehensweise betrachtete er den Film eher als einen Thriller, in dem die Spannung, Stimmung und Psychologie an erster Stelle steht. Um die kleine Erkennungsmarke eines in dem fantastischen “Prelude” eingeführten, kurzen Motivs baut Herrmann das gewohnte Bild der musikalischen Kleinstpartikel auf, die sich unentwegt ineinander verzahnen und neue Strukturen bilden. Hörner, Trompeten und Posaunen bilden den extrovertierten Teil, begleitet von dem üblichen sinfonischen Apparat, dessen tiefe Streicherlagen und das Holz besonders gefordert sind, und neun Percussionisten. So entstand düstere, dramatische, unruhige und sehr stimmungsvolle Musik, die aber offensichtliche Dissonanzen wie bei “Psycho” weitgehend vermeidet.

Die Musik zu “Garden Of Evil” liegt seit 1998 in einer superben, kompletten Neueinspielung bei Marco Polo vor. Rekonstrukteur John Morgan und Dirigent William Stromberg setzten damit eins der ersten Zeichen, dass in der Filmmusikgemeinde Aufmerksamkeit erregte - und auch von Produktionen mit Referenzcharakter gefolgt war.
Neben den 52 Minuten zu dem Noir-Western von 1954 befindet sich eine gut elfminütige Suite aus der ein Jahr später entstandenen Musik zu dem Schauspielerdrama “Prince Of Players” auf der CD. Im Mittelpunkt des Films steht ein Akteur aus dem 19. Jahrhundert und eine Adaption von Werken Shakespeares, sodass eine Verbindung aus den Genres Film und Theater entstand, die es Herrmann zu Teilen ermöglichte, seinen Traum zu verwirklichen, Musik für die Bühne zu schreiben. Sein “Prince Of Players” ist eine erstaunlich klangvolle und beschwingte Klangschöpfung, die von der klassischen Orchesterbesetzung Gebrauch macht. In dem fast roszaesk anmutenden “Prelude” gibt Herrmann einen schmissigen Marsch zum Besten, sonst stützt sich die Partitur auf Holzbläser und Streicher. Das “Idyll” in seinem lyrischen Ton erinnert an ähnliche Stellen aus “North by Northwest” oder “The Ghost and Mrs. Muir”.

Von beiden Scores präsentiert sich “Garden Of Evil” eindeutig als der gehaltvollere, wenngleich beide technisch exzellent gearbeitet und hörenswert sind. Für “Prince Of Players” halte ich eine Bewertung von 4,5 Sternen für angemessen, “Garden Of Evil” ist aufgrund der Vollständigkeit der Einspielung bei 5 Sternen anzusiedeln. Mit den gegebenen 5 Sternen sei eine eindeutige Empfehlung ausgesprochen.

Jan Zwilling / 03.10.07

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.