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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Frost/Nixon (Hans Zimmer)

Varèse / 2008

CD

Bewertung:


    01. Watergate (04:25)
    02. The Numbers (01:54)
    03. Hello, Good Evening And Welcome (01:31)
    04. Pardon The Phlebitis (01:45)
    05. Status (03:59)
    06. Beverly Hilton (02:24)
    07. Money (02:47)
    08. Frost Despondent (02:29)
    09. Insanely Risky (02:49)
    10. Cambodia (00:59)
    11. Research Montage (03:03)
    12. The Final Interview (02:17)
    13. Nixon Defeated (02:43)
    14. First Ideas (09:55)

    TT: 43 min

Politik als Wortduell zweier schlagfertiger Persönlichkeiten. Nicht gerade ein Thema, bei dem man denken würde, dass man damit an den Kinokassen groß abräumen dürfte. Trotzdem hat sich der eher mainstreamorientierte Regisseur Ron Howard daran gewagt, Peter Morgans Theaterstück über die Interview-Reihe des Talkshow-Moderators David Frost mit dem zurückgetretenen Richard Nixon zu verfilmen – und damit immerhin 5 Oscarnominierungen dieses Jahr eingefahren und einen seiner besten Filme der letzten Jahre abgeliefert.

Die Musik stammt wieder von Hans Zimmer - und mindestens noch dem Additional Composer Lorne Balfe, der in den Credits der CD erwähnt wird. Stilistisch ist die Musik irgendwo zwischen Zimmers Komödienmusiken à la „Matchstick Men“ und „The Ring“ einzuordnen – was zunächst nach einem starken Widerspruch klingt. Doch die ersten Tracks haben in der Tat eine rhythmische Lebhaftigkeit, die man sonst eher in den Zimmerschen Komödienscores findet. Diese werden durch Xylophon und anderes Holz- und Metallschlagwerk erreicht, während die Motivarbeit hauptsächlich durch Cello- und Klaviersoli stattfindet. Im Vergleich zu den Komödienscores ist der Tonfall aber natürlich etwas dunkler – daher die Nähe zu „The Ring.“

Strukturell ist die Musik sehr nahe an der Minimal Music, Zimmer arbeitet viel mit pulsierenden Motivfragmenten. Hier zeigt sich auch wieder einmal eine der des Komponisten: die Variation der Ideen (die im Falle von „Frost/Nixon“ durchaus nicht schlecht ausgefallen sind) lässt meistens zu wünschen übrig. Auch hier fällt Zimmer (und seinem Co-Komponisten) oftmals nichts besseres ein, als ein bisschen an der Instrumentierung und vielleicht noch ein wenig an den Rhythmen rumzuschrauben, um ihr Motivmaterial zu verarbeiten – harmonisch interessante Variationen oder ähnliches sucht man vergebens. Zimmer wusste das scheinbar auch selber, jedenfalls ist die CD mit etwas über 43 Minuten Spielzeit für ein Hans Zimmer-Album ziemlich kurz ausgefallen und hat dabei schon einige Längen beim Durchhören, aufgrund häufig gleichförmiger Passagen. Der 10-minütige Titel „First Ideas“ enthält dabei eigentlich schon alle wesentlichen Merkmale des Scores. Herausstechend ist nur der reine Streichertitel „Cambodia“, der deutlich dramatischer daher kommt als der ganze Rest des Scores. Dieser stilistische Bruch ist jedoch nicht unangemessen, da der Titel ein Stück Source Music ist, der im Film zu einigen erschütternden Nachrichtenbildern aus Kambodscha eingespielt wird. Außerdem fällt der Titel „Frost Despondent“ noch ein bisschen aus der Reihe, da Zimmer hier zumindest teilweise die Stilismen eines Thomas Newman kopiert, mit dem Einsatz von zarten Streicherteppichen und luftigen Pianomotiven für die sehr hohen Oktaven.

Zimmers Ansatz ist bewußt nicht allzu dramatisierend. Im Film wird die Musik eher zur Etablierung des Erzähltempos eingesetzt, als dem Publikum permanent zu sagen, wie es eine Szene zu fühlen hat – im Film eine sehr funktionale Herangehensweise, die aber auf CD eher für Langatmigkeit sorgt. Trotz interessanter Ansätze also nur ein bedingt empfehlenswertes Album von Zimmer.

Jan Boltze / 22.02.09

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