Kritiken
Fracture (Jeff & Mychael Danna)
New Line / 2007
Bewertung:

Seelenruhig erhebt der erfolgreiche Flugzeugingenieur Ted Crawford die Pistole gegen seine junge Frau. Er hat sie mit einem anderen Mann zusammen in innigster Hingabe gesehen und zieht nun nüchtern die Konsequenzen. Anthony Hopkins spielt den selbstsicheren und skrupellosen Geschäftsmann, der kurz nach der Tat verhaftet wird und gesteht. Der scheinbar so sonnenklare Fall wird vom lässigen und begabten Staatsanwalt Beachum (Ryan Gosling) als kurzer Routinejob angenommen, doch zunehmend entgleitet ihm der Fall. Crawford ist mit an Arroganz grenzender Selbstsicherheit von seinem Freispruch überzeugt und so entwickelt sich zwischen den beiden ein höchst unterhaltsames Psychoduell. Es wird getragen durch die erstklassigen Schauspieler, einer Reihe von überraschenden Einfällen und der weisen Entscheidung, auch gelegentlich kleine Pointen im Film unterzubringen. „Fracture“ (zu deutsch „Das perfekte Verbrechen“) ist Unterhaltung auf hohem Niveau und bietet gegenüber manch anderem Mainstream-Film dieser Tage das kurzweilige Vergnügen, dem geschickt konstruierten Plot zu folgen.
Musikalisch betreut wurde das Projekt von Regisseur Gregory Hoblit („Primal Fear“) durch die bestens bekannten Danna Brüder. Jeff und Mychael Danna können mittlerweile ohne schlechtes Gewissen als etablierte Komponisten in Hollywood ansehen werden, denn neben den anspruchsvollen Spartenfilmen von Mira Nair oder Atom Egoyan werden sie zunehmend für Mainstream-Projekte in verschiedenen Genres engagiert.
Für „Fracture“ ordneten sie sich dem Spiel der Hauptfiguren unter und schufen eine unauffällige, filmdienliche Vertonung, die sich an Genrestandards orientiert und wenig Innovatives oder Danna-typisches präsentiert. In den Main Titles wird der grundsätzliche Ton des Films mit einem Streicherarrangement mit Klavier vorgegeben. Melodisch unprägnant, ist es vor allem für den leicht düsteren Blick auf die kommenden Ereignisse zu verstehen. Die Streicher agieren langsam, in unteren Lagen oder mit kleinen Sekundreibungen und lassen die Soli recht unbestimmt fließen. Später gesellen sich neben dem Klavier noch eine Violine und eine Oboe dazu. Man gewinnt den Eindruck von solide gefertigtem Handwerk.
Im weiteren Verlauf schwillt dieser Klangteppich gelegentlich lauter an oder spielt sich dezent in den Hintergrund. Zudem wird er an dramatischeren Stellen, wie dem tödlichen Schuss zu Beginn, genretypisch leicht dissonant überzeichnet – die Streicher quietschen, die große Trommel stimmt mit einem monotonen Bassrhythmus ein und vor allem kommt die zweite Komponente der Musik ins Spiel, die Elektronik. Neben dem technikverliebten Spieltrieb von Hopkins’ Figur gibt vor allem das lässige, zuweilen sogar fast arrogante Auftreten des jungen Staatsanwaltes Anlass dazu, eine gehörige Prise moderner Beats in die Musik einzubringen. Ähnlich wie man es bei James Newton Howards „Unbreakable“ und mittlerweile in unzähligen weiteren Filmen gehört hat, werden Streicherarrangements mit vordergründigen, synthetischen Rhythmen durchzogen. Das klingt zuweilen nach rhythmisch durchstrukturierten Klangflächen à la Enigma, an einigen wenigen Stellen sogar wie Dramatik in Media Ventures Manier, wenn orchestrale Attacken von Schlagwerk und Blech elektronisch aufgemotzt werden. Insgesamt bleibt hier ein oberflächlicher, glatt gebügelter Eindruck zurück.
Es ist zu konstatieren, dass sich Mychael und Jeff Danna bei der Arbeit an „Fracture“ dem Genre und der Herangehensweise des Films untergeordnet haben und demnach abseits des routinierten Standards der orchestralen Anteile der Musik wenig bis gar nichts Aufregendes zu bieten haben. Im Film entfaltet die Musik wie erwartet seine Wirkung als atmosphärischer Klangfüller, für die CD reicht es nicht.
Jan Titel / 31.05.07
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