Kritiken
Finding Neverland (Jan A.P. Kaczmarek)
Decca / 2004
Bewertung:

Jedes Jahr ist die Ausgangssituation für den Filmmusikfan im Kinomärz ähnlich. Die Oscars wurden vergeben, so mancher Preisträger kann mit der üblichen Verspätung nun auch im deutschen Kino bewundert werden und die langwierigen Diskussionen über gute oder schlechte Entscheidung in der Musiksparte ebben langsam ab. Es ist die Zeit des ruhigen Besinnens auf die eigentliche Musik.
So auch im März 2005, als Clint Eastwood mit „Million Dollar Baby“ die heimischen Kinosäle eroberte und die Filmmusikgemeinde ihre Aufregung über die Neigung der Acadamy, mit dem Musikoscar gerne Auslander mit unaussprechlichem Namen auszuzeichnen, verdaute. Denn einer der großen Gewinner des Abends war sicherlich der polnische Komponist Jan A.P. Kaczmarek, der mit dem Oscar für den Film “Finding Neverland” ausgezeichnet wurde. Mit der Entscheidung folgte Hollywood zudem der Tradition, tendenziell häufiger melodramatische, zugängliche und emotional berührende Musiken auszuzeichnen. Für den Film “Finding Neverland” war es zudem ein Trost-Oscar, denn mit sieben Nominierungen und nur dieser einzigen Auszeichnung konnte der fantasievolle Streifen nicht groß Punkte machen - ein Fakt der sicherlich eine erhebliche Rolle bei der Vergabe gespielt hat.
Der Film erzählt die fiktive Geschichte der Entstehung von James M. Barries Kinderbuchklassiker “Peter Pan”, eine feinsinnige, symphatische und schön anzuschauende Erzählung über einen Mann, der im Herzen noch ein Kind ist. Kaczmarek entschied sich dafür, seinen Score relativ im Hintergund des Filmes zu halten und nur an einigen Stellen kräftiger heraus treten zu lassen. So bietet er für “Finding Neverland” ein streicher- und holzbetontes Orchester, ein Klavier und an einigen Stellen einen Kinderchor auf. Die verspielte und verträumte Atmosphäre versucht er dabei, mit einer melodischen, zwischen verhalten-fröhlich und melancholisch pendelnden Partitur zu unterstützen. Natürlich darf in einem märchenhaften Kinderfilm spätestens nach den “Home Alone” Vertonungen von John Williams ein kräftiger Schuss Celesta, Harfe und Triangel nicht fehlen und leichte Nussknacker-Atmosphäre versprühen.
Den thematischen Kerngedanken stellt Kaczmarek im ersten Track vor, es ist ein recht hübsches und reizvolles Thema, das im Verlaufe der Musik durch viele verschiedene Instrumentierungen einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Es ist durchaus optimistisch angelegt und erinnert vor allem in seinen häufigen Klavierpassagen an vieles aus der Feder von Rachel Portman. Während diese aber eine recht schlichte Tonsprache pflegt, bietet Kaczmarek deutlich mehr an facettenreicher Instrumentierung und thematischer Verarbeitung. Dadurch wirkt der Score vielerorts deutlich europäisch geprägt, viele Feinheiten verleihen einen klassischen respektive klassizistischen Touch. Neben Stilvorbildern wie Mendelssohn-Bartholdys Overtüre nach “Ein Sommernachtstraum” offenbaren sich die klassischen Wurzeln in den ausgedehnten Klaviersoli, die sich zwischen den normalen Scoretracks auf der CD befinden. Dabei handelt es sich um Improvisationen über das Haupptthema, ein Hauch von Beethovens Klaviersonaten umweht die End Credits, in die Kazcmarek eine der Improvisationen übernommen hat.
So ist denn “Finding Neverland” eine locker-luftige Komposition, die die Geschehnisse auf der Leinwand eher stimmungsvoll illustriert als dramatisch auslotet. Dazu passen die an einigen Stellen, zum Beispiel zum Tanz mit dem Bären, die folkloristischen Abklänge. Kaczmarek setzt dazu Gitarre, Mandoline und Akkordeon ein.
Fazit: Mit Sicherheit kein Schwergewicht, doch durchaus unterhaltsam und gut gemacht. So hat auch 2005 wieder nicht die beste Musik das Rennen um den Oscar gewonnen, aber auch nicht die schlechteste. “Finding Neverland” ist eine sympathische Musik, die, aus der Oscarrolle befreit, vielen eine gern gehörte Ergänzung der Sammlung sein wird
Jan Zwilling / 14.02.07
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