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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Final Fantasy (Elliot Goldenthal)

Sony / 2001

CD

Bewertung:


    01. The Spirit Within
    02. Race To Old New York
    03. The Phantom Plains
    04. Code Red
    05. The Kiss
    06. Entrada
    07. Toccata and Dreamscapes
    08. Music For Dialogues
    09. Winged Serpent
    10. Zeus Cannon
    11. Flight To The Wasteland
    12. A Child Recalled
    13. The Eighth Spirit
    14. Dead Rain
    15. Blue Light
    16. Adagio and Transfiguration
    17. The Dream Within -- Lara Fabian
    18. Spirit Dreams Inside -- L’arc-en-ciel

    TT: 56 min

Die Final Fantasy-Computerspielreihe ist ein weltweiter Erfolg. Mittlerweile sind zwölf Spiele erschienen, darunter ein Online-Rollenspiel mit tausenden von Spielern. Bei all diesem Erfolg war der Schritt zum Kino eigentlich naheliegend, vor allem da die Spiele im Laufe des technischen Fortschritts sich immer mehr zu einer Art interaktiven Film mit aufwendig produzierten CGI-Animationen entwickelt haben. 2001 kam nach langjähriger Entwicklungszeit der Film in die Kinos. Die Kritiken waren eher schlecht und der finanzielle Erfolg nicht besonders groß. Nur die Maßstäbe setzende Optik des komplett am Computer entstandenen Films wurde gelobt, denn das erste Mal gab es viele rein optisch glaubwürdig aussehende Menschen in einem CGI-Film. Nur die Animation dieser Charaktere fiel zum Teil etwas holprig aus, gerade die Gesichtsanimationen waren häufig zu grob.

Für die Musik wurde überraschenderweise Elliot Goldenthal angeheuert. Überraschenderweise daher, weil in den Computerspielen der Final Fantasy-Reihe die Musik weit von Goldenthals düsterem, orchestralem Sound entfernt ist. Sie tendierte eher zum poppigen Hintergrundgedudel, wenn man von den Filmsequenzen der Spiele absieht, in denen dann doch zum Teil orchestrale Musik zum Zuge kommt.

Goldenthals Score ist für ein grosses Orchester mit stark ausgebautem Bläsersektor, Chor und exotischen Percussions geschrieben. Das London Symphony Orchestra übernahm die Einspielung der Filmmusik. Musikalisch setzt Goldenthal wieder auf Kontraste: auf der einen Seite eine romantische Melodie, die zuerst im Track “The Kiss” auf einem Klavier vorgestellt wird, und die sich in diversen Variationen durch den ganzen Score zieht, bis sie im Track “Adagio and Transfiguration” in einem langen finalen Crescendo in voller Pracht erklingt. Auf der anderen Seite gab es viele Action-Szenen zu vertonen, für die Goldenthal einen Orchesterklang schuf, der sowohl durch Richard Strauss’ romantische Streicherphrasen, als auch durch die atonalen, flächigen Klangcluster der polnischen Avantgarde inspiriert ist.
Bei den Bläsern greift Goldenthal auf seine Erfahrungen zurück, die er bei “Alien3” und “Sphere” gesammelt hat, einen so grossen Chor wie hier hat er vorher jedoch nicht eingesetzt. Zusammen mit den Klangeruptionen des Blechs, ergeben sich in der Musik Momente von eindrucksvoller Monumentalität, vor allem in dem siebenminütigen Track “Toccata and Dreamscape” zu hören. Dort entfesselt Goldenthal mit einem Zusammenspiel aus Chor, Blechbläsern und sehr dynamischen Percussioneinsatz Musik, wie man sie sich nicht kraftvoller vorstellen kann, setzt dabei aber auch viele Modernismen und die für ihn typischen Bläsertriller ein. Aber auch in einigen leiseren Momenten wird der Chor zum Erzeugen einer eher gespenstischen Atmosphäre benutzt. Obwohl “Final Fantasy” damit weniger innovativ als andere Goldenthal-Arbeiten ist, handelt es sich bei diesem Score um eine sehr gelungene Arbeit, die bis ins Detail durchdacht ist und die ausserdem auch von CD ein grosses Hörvergnügen bereitet.

Die CD wird durch 2 Songs abgeschlossen: The Dream Within ist von Goldenthal komponiert und basiert auf dem Thema aus “The Kiss”, während “Spirit Dreams Inside” ein Rocksong einer japanischen Band ist, der im musikalischen Kontext des Scores eher als Fremdkörper erscheint.

An dieser Stelle sei auch auf die DVD des Films hingewiesen: der Film ist zwar nicht allzu empfehlenswert, die Doppel-DVD-Ausgabe enthält aber einen Audiokommentar von Elliot Goldenthal, und auch eine isolierte Filmmusikspur, bei der der Komponist nur manchmal in seine Stücke reinredet und interessante Dinge über seinen Kompositionsansatz erzählt.

Jan Boltze / 07.04.08

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