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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Et Après (Alexandre Desplat)

Naïve / 2009

CD

Bewertung:


    01. The Wonder Of Life (02:55)
    02. Crossroad (04:56)
    03. River Flows (02:58)
    04. N.D.E. (04:23)
    05. Vision (02:03)
    06. Dandelions (02:14)
    07. Alexander C. (01:23)
    08. New Mexico (03:17)
    09. Last Exit To Albuquerque (02:13)
    10. White Sands (01:17)
    11. Kind Of Red (05:14)
    12. The Messenger (04:48)
    13. Tell Me When (02:07)
    14. Here & Now (01:18)
    15. The Night Blooming Cereus (02:58)
    16. Angel Reflections (03:10)
    17. The Swan's Song (02:20)
    18. Lost (02:53)

    TT: 52 min

Von allen filmmusikalischen Stimmen aus Europa ist Alexandre Desplat die momentan sicher erfolgreichste. Groß budgetierte Abenteuerfilme wie “The Golden Compass” stehen in seinem gut gefüllten Terminkalender neben ambitioniertem Erzählkino. Zuletzt feierte das Historiendrama “Chéri” von Stephen Frears auf der Berlinale Premiere, die neuen Filme von Terrence Malick, Jaques Audiard und Wes Anderson befinden sich in Postproduktion. Desplat, der auf der Oscarverleihung von einer erwartet inkompetenten Ansagerin Alicia Keyes kurzerhand zum spanischen ‘Alejandro’ umbenannt wurde, findet neben diesen Prestigeprojekten aber noch immer Zeit für das eher unbekannte Kino.
Dazu zählt sicher auch die Independent-Produktion “Et Après / Afterwards”, die 2008 auf dem Filmfest von Toronto zum ersten Mal gezeigt wurde. Obwohl bekannte Darsteller wie John Malkovich und Evangeline Lilly ("Lost") mit an Bord sind, scheint die Produktion aus Kanada, Frankreich und Deutschland noch keinen Verleih außerhalb Frankreichs gefunden zu haben. Die Geschichte, die auf dem gleichnamigen Roman von Guillaume Musso basiert, handelt von einem Mann mittleren Alters, der die Fähigkeit entdeckt, den Tod von Menschen vorauszuahnen. Als er sich mit einem potenziellen Todeskandidaten enger anfreundet, geraten beide Welten aus den Fugen. Die leicht übersinnlich angehauchte Geschichte ist in sparsame und kühle Bilder gekleidet, die Produktionswerte scheinen sehr hochwertig.

Für Desplats typische Stilismen ist eine solche Geschichte geradezu prädestiniert, denn mit mystischen oder übersinnlichen Dramen konnte er seine bisher größten Erfolge verzeichnen ("The Curious Case Of Benjamin Button” oder “Birth"). Dementsprechend ist auch “Et Après” eine Desplat-Musik, wie sie zu erwarten war. Der Franzose besinnt sich auf seinen differenzierten, langsam fließenden und permanent changierenden Streicherapparat und baut verschiedene Klangvariationen ein. In diesem Falle sind dies introvertierte Cellosoli, leichte Jazzeinflüsse mit einer Trompete und vereinzelte Klangsynthetik in Form eines rhythmisierten Klangfundaments. Zuweilen treten noch ein Klavier oder vereinzelte Holzbläser hinzu.
Aus diesen wohlbekannten Zutaten weiss Desplat aber einmal mehr eine angenehme und verhältnismäßige abwechslungsreiche Melange zu komponieren. Vor allem durch die unterschiedliche Streicherbehandlung, etwa zwischen den nervösen Arppeggien in “Crossroad” und den wunderbar ausschweifenden melodischen Bögen in “The Wonder Of Life” oder “River Flows”, stellt sich in keiner Phase Langeweile oder gar ein Deja-Vu-Effekt ein. Minimalistisches kreuzt Desplat geschickt mit langsam-schwebenden Streicherteppichen, rhythmisch brodelnde Begleitung mit völlig entrhythmisierten Klangdesign. Besonders reizvoll, speziell wenn man “L’ennémi intime” noch nicht gehört hat, sind die collagehaften Passagen aus Streichern, Synthezisern und Jazztrompete. Hier erzeugt Desplat eine träumerisch-albtraumhafte Stimmung, die auch mit kraftvolleren Blechbläserfragmenten durchsetzt ist. Zwar gelingt ihm dies nicht so abgründig melancholisch wie im großartigen “L’ennémi intime”, aber elegant, technisch sauber und hörenswert ist es auch hier allemal.
Highlights im Verlauf der mit knapp einer Stunde gut gefüllten CD sind “Alexandre C” mit seinen herrlich schimmernden Geigen oder das melodische “New Mexico”, in dem Desplat die motivischen Fäden zu einem schwelgerischen und dennoch angenehmn zurückhaltenden Stück verschmilzt. Klangschön lotet Desplat die Facetten des Cellos in “With Sands” aus, in “Tell Me When” übernehmen synthetische Rhythmen und markante Streicherläufe wiederum das Zepter. Jene brodelnden Passagen, die auf den ersten Blick scheinbar nur aus Klandesign bestehen, sind denn auch der leichte Schwachpunkt der CD. Man entdeckt zwar auch hier einiges an musikalischen Details, was die Musik über reine Ambientmusik deutlich erhebt, dennoch fallen manche minimalistische Passagen etwas hinter von Desplat gewohntem ab.

Fazit: Desplat’s immer präziser definierbarer Personalstil prägt auch seine jüngste Musik zu “Et Après”. Somit dürfte er nicht an erster Stelle auf der Wunschliste vieler Desplat-Einsteiger stehen, doch die traumwandlerische Sicherheit in der Orchesterbehandlung und die vielen klangvollen und dramaturgisch überzeugenden Facetten, die er dem bekannten Ausgangsmaterial abgewinnt, machen auch diese CD zu einer Empfehlung. Lediglich leichte Durchhänger in der CD-Mitte, die Desplat etwas zu spartanisch orchestriert hat, setzen die Musik ein gutes Stück hinter “The Painted Veil” oder “Lust, Caution”. Probetracks und einen Trailer für “Et Après” findet man unter www.etapres-lefilm.fr

Jan Zwilling / 02.03.09

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