Kritiken
El Maquinista (Roque Baños)
Filmax / 2004
Bewertung:

Man muss sich nur zu helfen wissen. Regisseur Brad Anderson verfilmte sein Projekt „The Machinist“, nachdem es kein Studio in Hollywood finanzieren wollte, einfach in Spanien – sehr wohl aber für den internationalen Markt mit großen Namen wie Christian Bale und Jennifer Jason Leigh. Ersterer machte für diesen Film sogar eine Menge Schlagzeilen, da er sich ca. 30 Kilo runterhungerte, um so spindeldürr und kaputt auszusehen, wie es wohl jemand ist, der seit Ewigkeiten nicht mehr geschlafen hat. Der Film erzählt vom Fabrikarbeiter Trevor Reznik, der unter Schlaflosigkeit und damit einhergehend auch unter Gedächtnisverlust leidet. Hinweise deuten auf ein tragisches Ereignis in der Vergangenheit. Trevor forscht nach, was passiert ist, bevor er sein Gedächtnis verloren hat.
Angeblich hatte sich der Drehbuchautor Scott Kosar einen Score von der Industrial Rock Band „Nine Inch Nails“ gewünscht – weswegen der Name des Protagonisten Trevor Reznik durchaus auch Ähnlichkeit mit dem des Bandgründers Trent Reznor hat. Brad Anderson bestand aber auf einem eher film-noir-orientierten Score. Der Spanier Roque Baños komponierte diesen als eine handwerklich sehr sauber gearbeitete Hommage auf Hitchcock-Filme. Hauptsächliche Inspirationsquelle ist damit natürlich Bernard Herrmann – aber mit den häufigen Theremineinsätzen spielt Baños aber auch auf „Spellbound“ von Rozsa an.
Der erste Track auf der CD ist gleich sehr stellvertretend für den Rest der CD. Ein gemäßigtes, schleppendes Tempo in düsteren Klangfarben, die überwiegend durch die Streicher bestimmt wird, angereichert durch das Theremin, tiefe Holzbläser, Glockenspiel, Klavier und Harfe (die aber ungewöhnlich tief spielt) – daraus baut Baños das Grundgerüst seiner Musik zusammen. Auch harmonisch erinnert das ganze an Herrmann, weil hier Baños auch gerne mal auf den Tritonus-Akkord zurückgreift. Für dramatischere Szenen schraubt der Komponist dann die Tempi und die rhythmische Aktivität der Streicher in die Höhe und lässt auch mal ein paar Blechbläser zum Zuge kommen, die sonst in der Partitur kaum vorkommen.
Die Musik ist aber mehr als nur eine bloße Stilkopie. Eigenständigkeit erreicht Baños auch dadurch, dass er stellenweise viel dissonanter und atonaler wird, als es Herrmann je getan hat. Aus der dunkel-schweren Stimmung bricht der Score eigentlich nur in den letzten beiden Tracks aus – um dann eine traurig-melancholische Note anzuschlagen – eine musikalische Auflösung in klangschöne Dur-Passagen sucht man auf der CD vergeblich.
Fazit: Roque Baños hat aus typischen Bernhard Herrmann-Versatzstücken einen spannenden Score gestrickt und mit einigen eigenständigeren Elementen angereichert um eine über eine bloße Hommage hinauszugehende Musik vorzulegen.
Jan Boltze / 19.02.09
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