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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

El Laberinto Del Fauno (Javier Navarrete)

Milan / 2006

CD

Bewertung:


    01. Long, Long Time Ago (02:11)
    02. The Labyrinth (04:04)
    03. Rose, Dragon (03:34)
    04. The Fairy and the Labyrinth (03:33)
    05. Three Trials (02:04)
    06. The Moribund Tree and the Toad (07:08)
    07. Guerrilleros (02:05)
    08. A Book of Blood (03:47)
    09. Mercedes Lullaby (01:36)
    10. The Refuge (01:32)
    11. Not Human (05:52)
    12. The River (02:48)
    13. A Tale (01:52)
    14. Deep Forest (05:45)
    15. Vals of the Mandrake (03:38)
    16. The Funeral (02:42)
    17. Mercedes (05:34)
    18. Pan and the Full Moon (05:04)
    19. Ofelia (02:16)
    20. A Princess (03:59)
    21. Pan's Labyrinth Lullaby (01:47)

    TT: 73 min

Ein kleines, elfenartiges Insekt hebt vom Baumstumpf ab und umfliegt interessiert ein kleines Mädchen. Es ist der Vorbote einer verborgenen, geheimen Welt, für das sich das Mädchen mehr als alles andere interessiert. Die Welt, die sie täglich vor der Nase hat, bereitet ihr schon lange keine Freude mehr und wird durch den Umzug zu ihrem neuen Stiefvater auch nicht angenehmer. Doch so angenehm die getrennte Traumwelt auch scheint, die perfekte Zuflucht wird es für Ofelia auch nicht, zu lang sind die Schatten aus der Wirklichkeit, die bis in die tiefsten Fantasien wirken.
Auf dieser Grundkonstellation beruht der neueste Film des Mexikaners Guillermo del Toro, der zum Ende des spanischen Bürgerkrieges in einer abgelegenen Berggegend spielt. Das kleine Mädchen Ofelia kommt mit ihrer Mutter auf einen Bauernhof, der ihrem neuen Stiefvater, einem francotreuen General, als Basis im Kampf gegen die Partisanen dient. Diese verstecken sich in den Bergen und haben auch bei den Bauern nicht wenige Verbündete. Doch in den Bergen verbergen sich auch die Fabelwesen um den Pan, der Ofelia in das geheime Königreich leiten will – drei Prüfungen vorausgesetzt. Die stimmungsvolle Mischung aus Fantasie und Kriegsdrama ist hier der besondere Reiz, denn del Toro lässt die vermeintlichen Parallelwelten eifrig aufeinanderprallen. Was Ofelia in den Prüfungen tut, hat Konsequenzen für die Machenschaften des sadistischen Generals und Konflikte werden kunstvoll zwischen den Welten gespiegelt. Dass kaum eine heimelige Fantasy-Stimmung aufkommt, liegt nicht zuletzt an der drastischen Gewaltdarstellung und dem erschreckend realen Bezug der Handlung. „Pans Labyrinth“ ist tiefgründig, hervorragend gespielt und fantasievoll inszeniert – und kann mit einer gelungen musikalischen Umsetzung aufwarten.

Nachdem Guillermo del Toro in seinen letzten Filmen, die sämtlich in den USA entstanden sind, mit Marco Beltrami am Notenpapier – musikalisch gesehen – großen Erfolg hatte, engagierte der Mexikaner für diese Produktion den Spanier Javier Navarrete. „El Laberinto des Fauno“ ist in Spanien produziert wurden und dort ist Navarrete kein unbeschriebenes Blatt. Überhaupt sollte an dieser Stelle einmal erwähnt sein, dass die spanische Filmmusik dieser Tage eine extreme Dichte an qualitativ hochwertigen Musiken und gut ausgebildeten Komponisten aufweist (Roque Banos, Angel Illaramendi, Alberto Iglesias, José Nieto) und Navarrete ist mit dieser Musik der Beweis gelungen, dass er in der Hinsicht keine Ausnahme darstellt.

Dabei muss der Komponist einen emotional recht komplexen Film unterlegen. Es geht um Fantasie und Realität, um Verträumtheit, Melancholie und Freude, aber auch um Terror, Angst und echten Horror. Das Durcheinander dieser Zwischenwelten verlangte eine vielseitige Herangehensweise an die Musik. Navarette wurde dieser Herausforderung mit einem komplett klassischen Orchestersatz gerecht, der die tonalen Möglichkeiten ausschöpft. Harsche Klänge oder gar Dissonanzen oder atonale Kompositionsweisen finden sich spärlich oder nur dezent. Die Musik gestaltete der Spanier ebenso wenig im klassischen Sinne themenbezogen, als vielmehr auf eine sehr vielseitige Orchestration aufbauende Untermalung. Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht melodisch zugeht, im Gegenteil.
Das Hauptthema ist ein enorm wandlungsfähiges, einprägsames Stück Musik, welche von der melancholischen Wiegenlied-Melodik zu Beginn enorme Wandlungsprozesse durchläuft. Mal ist es als ausschweifender Streicherbogen, mal als entschlossen-grimmige Instrumentation mit Blech und Schlagwerk zu hören. Auch für die Bösewichte des Films gibt es ein Thema, welches leicht an das Hauptthema von Hellboy erinnert. Die vielen Nebencharaktere werden durch verschiedene kleinere Motive charakterisiert, wobei jenes für die Hausangestellte Mercedes am einprägsamsten ist. All dies führt dazu, dass Navarette fast immer melodisch arbeitet in der Partitur, seine Wirkung bezieht sie aber dennoch durch die Orchestration.

Das Klangbild stützt sich dabei aus die ausgefeilte Mischung aus streicherlastigem Orchesterklang, einem Chor und verschiedenen Soli. Neben einer Mädchenstimme kommen Klavier, Cello und Violine einzeln zum Einsatz, was die Palette der Klangfarben erhöht. Navarrete zeigte hier Spaß an vielen kleine Klangspielereien wie Pizzicatospiel der Celli, dem Einsatz von Röhrenglocken oder vertrackten Rhythmusvariationen. Als typisch stellt sich auch die Kombination von gegensätzlichen Klangschichten heraus, wie zum Beispiel elegisch-meditative Streicher gegen hart und schnell spielendes Blech. Auch werden häufig ausschweifende Melodiebögen gegen eine kleinteilige, rhythmische Begleitung gesetzt. Dies kann man als die Umsetzung der unauflösbaren Gegensätze der Vorlage sehen und es wirkt in seiner Umsetzung glaubhaft und gelungen.

Die Musik ist als CD mit einer Lauflänge von weit über einer Stunde erschienen, womit fast der komplette Score aus dem Film abgebildet wurde. Die Aufnahme mit den Prager Sinfonikern erweist sich als wunderbar detailreich und klangschön, weshalb die Musik von CD ein echter Genuss ist. Im Film leistet sie ebenso gute Arbeit, auch wenn hier vielleicht beim genaueren Hinhören kleinere Abstriche zu machen sind. Zum einen geht die Detailfülle der Musik im Gesamtmix etwas unter und zum anderen präsentiert Navarrete bereits zu Beginn des sein komplett auskomponiertes Vertonungskonzept. Eine vorsichtigere Dramaturgie, die zu Beginn wie der Film die Parallelwelten etwas mehr andeutet, hätte die Musik noch über ein gut bis sehr gut erheben können.

Von CD jedoch ist „Das Labyrinth des Pan“ ein Erfolg und zählt damit zu den wenigen wirklich gelungenen Musiken aus dem Jahr 2006, ein Erfolg bei der Oscarverleihung wäre ein versöhnlicher Ausgang des sehr spärlichen Jahres gewesen. So bleibt mir, die CD wärmstens zu empfehlen und allen Hörern ans Herz zu legen, der spanischen Filmmusik etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Jan Titel / 27.03.07

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