[ Sie sind zur Zeit nicht eingeloggt. ] [ Registrieren oder Einloggen im Kontrollzentrum ]

Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Edge Of Darkness (Howard Shore)

Silva / 2010

CD

Bewertung:


    01. Main Titles (02:18)
    02. Mourning (03:24)
    03. Beach (02:34)
    04. Knife (02:25)
    05. Burning (02:40)
    06. Diogenes (03:35)
    07. Pursuit (03:39)
    08. Hit & Run (01:55)
    09. Nightflower (02:16)
    10. Senator (02:00)
    11. Emma (02:39)
    12. Captured (02:16)
    13. Killing (02:52)
    14. Reunited (02:25)
    15. Edge Of Darkness (02:07)
    16. You're My Girl (02:38)

    TT: 42 min

Deutsche Filmdistributoren haben leider oftmals einen grauenhaften Geschmack, was Filmtitel angeht. Aus dem Krimidrama „Edge of Darkness“ wird da schon mal „Auftrag Rache“, als ob man den Eindruck ermitteln wollte, dass Gibson, sich durch eine Horde Gangster und Schergen prügelt und meuchelt. Der Film basiert aber letzten Endes, ähnlich wie der letztjährige „State of Play“, auf einer britischen Mini-Serie, die eher Polit-Thriller als Rachefilm war. Regie führte Martin Campbell („Casino Royale“), sowohl damals bei der Serie, als auch jetzt bei der Spielfilmfassung. Die meisten Kritiken fielen relativ wohlmeinend aus.

Unter Filmmusikfans sorgte der Film erst für Aufsehen, wurde doch John Corigliano, einer der bedeutendsten amerikanischen Konzertsaal-Komponisten und Elliot Goldenthals Kompositionslehrer, engagiert. Coriglianos letzter Filmscore „The Red Violin“ (erst seine dritte Arbeit für den Film), der ihm verdientermaßen einen Oscar einbrachte, kann als ganz großer Wurf betrachtet werden. Deshalb war die Vorfreude groß. Die Musik wurde unter dem Dirigat von Leonard Slatkin mit dem London Metropolitan Orchestra aufgenommen. Unerwartet wurde jedoch entschieden, den Film in der Postproduktion grundsätzlich umzubauen. Warum Corigliano nicht auch dafür die Musik beisteuern konnte, wird wohl ungeklärt bleiben.

Als Ersatz um für die richtige bedrohliche Stimmung zu sorgen, engagierte man Howard Shore, der in seiner Karriere als Filmkomponist zahlreiche Psycho-Thriller unterlegt hat, angefangen vom „Schweigen der Lämmer“, bis zu „The Cell“. Obwohl „The Cell“ natürlich durch den Einsatz einer arabischen Musikergruppe einen orientalischen Einschlag bekam, erinnern die modernistischen Orchesterparts in „Edge of Darkness“ durchaus an das frühere Werk. Überhaupt sind hier so viele typische Stilismen des kanadischen Komponisten zu hören, dass sich ein Kenner des Werks hier sofort „zu Hause“ fühlt. Und da liegt das Kernproblem der Musik: kompositorisch ist bei „Edge of Darkness“ alles auf hohem handwerkliche Niveau – gleichwohl fehlt etwas, um richtige Begeisterung für das Gehörte aufkommen zu lassen, eine frische und unverbrauchte Idee - zumal es dramaturgische Hänger auf der CD gibt.

Ein durchgehender roter Faden, (und das bezieht sich nicht nur auf motivische Arbeit, die man bei einem stellenweise sehr modernistischen Score auch nicht in jedem Moment erwarten darf) ist nicht immer wahrnehmbar. Mit dem nicht schlecht ausgefallenen Motiv für Harfe und die shore-typischen langsamen Streicherpassagen in mitteltiefer Tonlage, welches in den „Main Titles“ oder dem Track „Edge of Darkness“ zu hören ist, passiert über die Laufzeit der CD relativ wenig.  Spannender wird es da schon, wenn Shore harschere Töne erklingen lässt oder rhythmisch dynamische Passagen à la „The Knife“ oder „Pursuit“ aufbietet, in denen es zum Teil auch zu faszinierenden dissonanten Klangschichtungen kommt.

Insgesamt ändert das jedoch wenig daran, dass ein eher durchschnittlicher Gesamteindruck verbleibt. Somit kann man die CD letzten Endes nur für Leute uneingeschränkt empfehlen, die noch nicht so vertraut mit dem Werk des Komponisten sind, weil der Stil einem dann noch zu überraschen vermag, oder für Komplettisten, die alles von Shore haben wollen. Alle anderen bekommen sicher auch keinen schlechten Score für ihr Geld, finden insgesamt aber reizvollere Hörerlebnisse in anderen Soundtracks von Shore.

Jan Boltze / 19.04.10

Nutzer-Kommentare anzeigen

Zu diesem Beitrag existieren aktuell 0 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: - .

» Alle Kommentare anzeigen

Nutzer-Kommentar hinzufügen

Um Nutzer-Kommentare zu erstellen, müssen Sie eingeloggt sein. Klicken sie auf Kontrollzentrum, um sich einzuloggen oder einen Account zu erstellen.