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Kritiken

Die Drei Fragezeichen - Das verfluchte Schloss (Annette Focks)

Alhambra / 2009

CD

Bewertung:


    01. Titelmusik (02:37)
    02. Nachricht (01:13)
    03. Koordinaten (01:57)
    04. Die Reise beginnt (02:00)
    05. Das Schloss (02:44)
    06. Caroline (02:07)
    07. Entdeckungsreise (02:37)
    08. Panik (03:22)
    09. Justus spricht über seine Eltern (01:47)
    10. Sheriff bedroht die Jungs (02:01)
    11. Im Wald (02:32)
    12. Kleopatra (03:51)
    13. Geheimnis (02:08)
    14. Lösungsversuche (02:10)
    15. Zauberflüssigkeit (01:02)
    16. Im Schloss (01:05)
    17. Der Fluch (02:55)
    18. Caroline als Retterin (02:42)
    19. Zurück zum Schloss (03:30)
    20. Gefahr (01:48)
    21. Der unheimliche Mann (01:58)
    22. Das Schloss wird lebendig (02:31)
    23. Justus muß sich entscheiden (03:16)
    24. Rettung (01:59)
    25. Botschaft (02:25)
    26. Abschied (01:31)
    27. Abspann (03:23)
    28. Ode to Odessa (02:08)
    29. Surf01 (00:49)

    TT: 66 min

Mehr als ein Jahrzehnt nach der erfolgreichen Hörspielreihe scheint sich für “Die Drei Fragezeichen” auch im Kino eine erfolgreiche Serie anzubahnen. Das erste Kinoabenteuer der jungen Detektive unter der Regie von Florian Baxmayer spielte an den deutschen Kinokassen genug Geld ein, dass zügig ein zweiter Teil produziert wurde. “Die drei Fragezeichen - Das verfluchte Schloss” erreichte im Frühjahr 2009 die Lichtspielhäuser und konnte ebenso wie die erste Teil als kurzweilige, schön bebilderte Kinderunterhaltung überzeugen. Die Geschichte um die drei Jugend-Bonds, die auf der Spur der Eltern von Justus Jonas in den Wäldern Kaliforniens das Geheimnis um ein Geisterschloss lüften, glänzt zwar nicht mit eleganten Wendungen und Kniffen - einige markante Figuren und kindgerechte Situationskomik machen aus dem Film jedoch eine sympathische Unterhaltung.

Ein weiteres Mal an Bord war die Komponistin Annette Focks, die für den ersten Teil eine sehr ansprechende Mischung aus von Barry und Schifrin inspirierten Big-Band-Orchester-Standards, effizienter Spannungsmusik, einigen sehr erwachsenen sinfonischen Cues und dem Schauplatz angepassten afrikanischen Traditionals beisteuerte. Besonders letztere überzeugen durch authentische Orchestration mit Stimmen und Trommeln, sinnvollen Texten in der Xhosa-Sprache und einer gekonnten Verbindung mit dem traditionell-westlichen Orchester.
Für den zweiten Teil fallen solche klangvollen Exkurse schauplatzbedingt aus. So präsentiert sich die Musik zu “Das verfluchte Schloss” um einiges geradliniger, sinfonischer und dunkler. Gleichzeitig geht aber auch der Reiz der Abwechslung etwas verloren, wenngleich Focks noch immer eine Reihe von Klangsignaturen und (klischeehafte) Stilvorbilder zitiert. Prominentester Neuzugang in der Klangpalette ist ein großer Chor, der vor allem in der zweiten Filmhälfte die düstere Atmosphäre des “terror castle” reflektiert. Zusätzlich scheinen lyrische Violinensoli, eine Morricone-Referenz als Thema für den Sheriff und die bekannten James Bond/Ethan Hunt Stilismen (Titelmusik und Abspann) aus den orchestralen Arrangements.
Den orchestralen Grundstock bestreitet Focks sehr routiniert und als Weiterführung des ersten Teils auch mit einer gewissen Prägnanz im Klangbild. Obwohl thematisch wenig bemerkenswertes aus dem ersten Kinoabenteuer zurückbleibt, was Focks im zweiten Teil hätte einbringen können, gelingt der stilistische Brückenschlag problemlos. Problematisch ist eher, dass schon im ersten Teil dem Orchesterspiel eine besondere, individuelle Note fehlte - etwas, dass “Die drei Fragezeichen” konsequent beispielsweise von “Krabat” abgrenzt. Durch die eher konservativ-routinierte Verarbeitung im zweiten Teil verstärkt sich dieser Eindruck. Glatte Streicherklangflächen, voluminöse und wenig prägnante Choreinsätze und eine recht einfache rhythmische Struktur lassen nur vereinzelt Platz für Finessen. Dabei darf aber nicht verdeckt werden, dass die orchestrale Routine für diese Art von (deutschem) Film ein beachtliches Niveau hat. So konnte man die stimmungsvolle Klangmalerei mit geteilten Streichern und Holzbläsern in “Koordinaten” vor zehn Jahren beispielsweise selten in einem hiesigen Kinofilm erleben. Reizvoll ist auch das Thema für Caroline, für das Focks Celesta und Vibraphon einsetzt und den Streicherapparat am oberen Ende der Höhenskala auslotet. Eine nostalgische Violinenmelodie begleitet von Frauenchor schafft an dieser Stelle auch die schon angesprochene Prägnanz - der Wiedererkennungswert ist durchaus hoch. Gleiches gilt mit den genannten Einschränkungen der Routine auch für die “Action"-Titel wie “Gefahr”, “Das Schloss wird lebendig” oder “Panik”. Während erstere vor allem durch Choreinsatz ein wuchtiges Klangbild erzeugt, stechen in “Panik” schnelle Streicherläufe und Paukenwirbel hervor. Das ist für einen Kinderfilm ausreichend dramatisch, daher sehr effektiv und gleichzeitig konservativ.

Annette Focks hat sich zu Recht einen Spitzenplatz unter den deutschen Filmkomponisten erkämpft. “Das verfluchte Schloss” zeigt sie als versiert-routinierte Sinfonikerin mit einem guten Gespür für Stilzitate und kindgerechte, aber dennoch erwachsen instrumentierte Dramatik. Im Vergleich zum Vorgänger fallen exotische Finessen aus, weshalb die Routine-Aspekte der Vertonung stärker in den Vordergrund treten. Letzenendes bleibt die Musik etwas zu generisch, um sich als stilistisch wirklich eigenständige Filmvertonung zu verkaufen. Für glatte drei Sterne inklusive Empfehlung reicht es aber trotzdem.

Jan Titel / 07.07.09

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