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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Deep Blue (George Fenton)

Sony / 2004

CD

Bewertung:


    1. Bounty Hunters (03:35)
    2. Airwaves (02:20)
    3. The Beach in Patagonia (05:07)
    4. Metamorphosis (01:52)
    5. Surf and Sand (02:02)
    6. Coral Riches (04:13)
    7. Free to Roam (01:16)
    8. The Kelp Forest (03:12)
    9. Kaleidoscope (03:57)
    10. Polar Landscape (03:14)
    11. Flying Emperors (03:29)
    12. Wolf Pack (05:01)
    13. The Wanderers (03:36)
    14. Showtime (02:15)
    15. Mounting Pressure (06:36)
    16. The Spinning Baitball (03:36)
    17. Deep Blue (05:45)

    TT: 61 min

Viele interessante Filmmusikkompositionen der letzten Zeit entstanden nicht immer im Umfeld der großen Kinospielfilme, immer wieder warten TV-Produktionen wie “Band Of Brothers” (Musik: Michael Kamen), “Angels In America” (Musik: Thomas Newman), „Carnivale“ (Jeff Beal) oder auch Dokumentationen mit gelungenen Vertonungen auf. Der britische Komponist George Fenton ("Mary Reilly”, “Anna And The King") reihte sich mit zwei Musiken in diesen Trend ein, dem gefeierten BBC-Mehrteiler “The Blue Planet” und dem dazugehörigen Kinoableger “Deep Blue”, der es bis in die Kinos schaffte. Erst kürzlich setzte er die Reihe mit BBCs „Planet Earth“ fort.
“Deep Blue” und auch der TV-Vorläufer erkunden auf spektakuläre Weise die Faszination des Meeres und der Küstenstreifen, auch nie gezeigte Meerestiefen standen in besonderem Scheinwerferlicht. Wie schon bei Jaques Perrins “Nomaden der Lüfte” (Musik: Bruno Coulais") beeindruckt die Doku durch enorm hohes technisches Niveau, die vorher kaum gesehene Blickwinkel und Zeitraffer-Aufnahmen ermöglichte. Für die Musik konnte Fenton nach dem Erfolg der Fernsehserie für den Kinofilm ein ebenso hohes technisches Niveau garantieren, denn erstmals in ihrer Geschichte spielten die Berliner Philharmoniker, einer der berühmtesten Klangkörper der Welt, eine Filmmusik ein.

Fentons Musik steht in der Tradition der großorchestralen Klangfarbenerlebnisse, die sich schon in “Anna and The King” finden, sich aber auch zum Beispiel in Trevor Jones’ Score zu “Dinotopia” die Ehre geben. Lange Melodiebögen mit deutlicher Tendenz zur Erzeugung von Klangeffekten und weniger zur Themenarbeit prägen die Musik, die in losem dramatischen Aufbau Orchestertableaus konstruiert und die starken Bilder eher illustriert als kommentiert. Typisch für die Unterwasserwelten sind auch hier die wallenden Streicher, die mal in breiten Bögen ausschwingen oder mal gischtartig wirbeln. Fanfarenartig ergänzen die Blechbläser, das Holz kommt nur am Rande als Klangfarbe hinzu. Ähnlich wie bei Williams erzeugt Fenton an einigen Stellen durch wirbelndes Holz bewegte Strukturen. Unterstützt wird dies im Schlagwerk vor allem von Pauke und Becken, die in den Höhepunkten das Tüpfelchen auf das I setzen. So präsentiert sich in den ersten Minuten der CD eine sehr anhörbare, im Grundton optimistische und pathetisch-dramatische Untermalung.

Im weiteren Verlauf des Höralbums verflacht dieser Ansatz aber leider ein wenig, es mischen sich Titel reinen Underscorings, die entweder wie in “Surf and Sand” versuchen, karibische Stimmung zu verbreiten oder synthetische Umsetzung der tiefen Meeresregionen sind. Bei ersteren ist durchaus die Tendenz zu erkennen, die Musik vielfältiger zu gestalten, aber die Umsetzung mit Flöte und Marimbas erweist sich als recht einfallsarm. Fenton integriert diese Einflüsse kaum in das sinfonische Konzept, so dass sie eher wie ein Fremdkörper wirken. Die orchestralen Teile der Komposition wissen aber zu überzeugen, wenngleich sich auch hier über die gesamte Spieldauer der CD zu wenig - auch thematisch - ereignet, um von einem vollends gelungenen Hörerlebnis zu sprechen. Vereinzelte Highlights wie das tänzerische “Showtime”, in dem Fenton das Holz etwas mehr einsetzt, stechen nur noch hervor.

Ein Wort dann noch zur Einspielung mit den Berliner Philharmonikern, die von einem englischen Chor (unauffällig) unterstützt wird. Die Partitur fordert eine kaum spieltechnische Meisterleistung, doch ist die Interpretation in ihrer Klarheit und Präzision beeindruckend. Das Orchester von Sir Simon Rattle wird hier seinem Ruf durchaus gerecht.

Fazit: Eine durchaus empfehlenswerte Soundtrackveröffentlichung - aber zu Teilen ist das musikalische Material identisch mit dem Soundtrack zur TV-Serie. Eine von beiden CD zu besitzen, ist aber durchaus kein Fehler, denn Fenton erzeugt eine klangschöne, vorzüglich interpretierte Musik, deren kleine Schwächen sie zwar vom wirklich Bemerkenswerten trennen, für die CD selber aber getrost übersehen werden können.

Jan Titel / 09.03.07

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