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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Daybreakers (Christopher Gordon)

Lionsgate / 2010

CD

Bewertung:


    01. Immolation (03:07)
    02. Nightfall (04:43)
    03. Humans (02:39)
    04. Subsider (02:00)
    05. On the Run (03:11)
    06. Blood Lust (07:22)
    07. The Winery and the Cafe (03:53)
    08. Fermentation Tank (02:10)
    09. Ambush (02:18)
    10. Resurrection (04:02)
    11. Drought (02:27)
    12. In the Sun (06:42)
    13. Blood Brothers (02:43)
    14. Spreading the Cure (11:17)
    15. Daybreak (06:27)
    16. Running Up That Hill -- Placebo (04:55)

    TT: 70 min

Gute Horrorfilme zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist mit gesellschaftskritischen Subtext daherkommen. Gerade Untote, die sich von Lebenden ernähren (also sowohl Zombies als auch Vampire), sind spätestens, seitdem George A. Romero seine Zombiehorden in Shopping Malls auflaufen ließ, ein bitterböser Kommentar zu einer rein konsum-orientierten Gesellschaft. Die Inhaltsangabe des australischen Film „Daybreakers“ lässt auf eine ähnliche inhaltliche Ausrichtung schließen. Der Streifen erzählt davon, wie in ein paar Jahren in der Zukunft Vampire die Mehrheit des Planeten stellen. Die Menschheit ist dafür beinahe ausgestorben.
Für die Musik wurde Christopher Gordon, ebenfalls Australier (obwohl in Groß Britannien geboren), engagiert, der vor allem mit Musiken für TV-Mehrteiler wie „Moby Dick“, „On the Beach“ oder eben „Salem’s Lot“ unter Filmmusikhörern für viel Aufmerksamkeit sorgte. Diese „TV-Ware“ war doch von der musikalischen Qualität den meisten Filmmusikpartituren (zumindest aus Hollywood) der entsprechenden Jahre deutlich überlegen.

Im Interview mit Original-Score.de sagte Gordon, dass die Gefahr sich zu wiederholen, trotzdem nicht groß gewesen sei, da beide Filme doch sehr unterschiedlich ausgeprägt waren. Für den Score zu „Daybreakers“ ersann er drei besonders charakteristische Elemente. Das herkömmlichste Klangmaterial ist mit den Menschen verbunden. Hier arbeitet Christopher Gordon mit klangschönen, aber melancholisch gehaltenen Melodien, die vielfältig motivisch verarbeitet werden. Dominierend sind die Streicher, unter anderem im 14-Minuten-Titel „Spreading the Cure“ findet sich auch eine wunderbare Variation für Solo-Cello. Schon Gordons Arbeit zu „On The Beach“ vor 11 Jahren hatte hervorragend auskomponierte solistische Stellen für dieses Instrument – und auch hier enttäuscht er nicht.
Die beiden weiteren musikalischen Kerngedanken gelten den Vampiren. Für die erbarmungslose Armee der Vampire, die im Film eine Rolle spielt, wurden von Christopher Gordon komplexe, nahezu ausschließlich von Percussions bestrittene Passagen komponiert, die aus bis zu 36 Einzellstimmen bestanden. Nur zwei Percussionplayer haben diese Parts aufgenommen, sie wurden dann im Tonstudio zusammengemischt. Am interessantesten (und atonalsten) ausgefallen ist die Musik, die eher dem alltäglichen Leben der Vampire gewidmet ist. Gordon bezeichnete seine Technik, die er dafür benutzte als „augmented canons“. In diesen Passagen spielen eine Vielzahl von Instrumenten die selbe Melodie, aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit, so dass sich dissonante Klangreibungen ergeben, allerdings gleichzeitig auch relativ statisch wirken.

Abgesehen von den zahlreichen Percussions ist die Partitur für eine relativ klassische Orchesterbesetzung konzipiert. Horrorfilmtypisch kommt hier auch ein Chor zum Einsatz, der allerdings nicht, wie in „Salem’s Lot“ mit quasi-religiösem lateinischen Text eingesetzt wird, sondern der wortlos bleibt. Auch ein wenig Elektronik kommt zum Erzeugen wabernder Klangflächen zum Einsatz, diese Momente sind auf der CD aber eher rar gesät. Im zweiten Track „Nightfall“ geschieht dies noch am auffälligsten.

Auch als Höralbum ist die mit 70 Minuten großzügig bestückte CD gut konzipiert. Die erste Hälfte der Spielzeit ist doch sehr überwiegend dem Vampirteil der Musik vorbehalten und entwickelt sich mit dem Widerstand der Menschheit im Verlauf des Films immer mehr zu hoffnungsvolleren, und vor allem wieder harmonisch werdender Musik. Im Gegensatz zu „Salem’s Lot“, welches für moderne Kompositionstechniken aufgschlossene Ohren sofort mit seiner unkonventionellen, modernistischen Klangsprache zu begeistern weiß, verlangt „Daybreakers“ mehr Einhörarbeit, um die hervorragend durchkonzipierte Musik zu erschließen. Dies lohnt sich aber in jedem Fall, da es sich hier zweifelsohne um die bisher interessanteste Score-Veröffentlichung eines aktuellen Films in diesem Jahr handelt. Und da ja die meisten Kollegen Gordons überwiegend nur handwerklich ordentliche Routine abliefern, wird dies wahrscheinlich am Ende 2010 auch noch so aussehen.

Jan Boltze / 26.02.10

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