Kritiken
Darkness Falls (Brian Tyler)
Varese / 2003
Bewertung:

Drei CDs in einem Monat von einem Komponisten, von dem vorher niemand gehört hatte – Varèse ging 2003 in Sachen Brian Tyler aufs Ganze und pushte das ganze mit schwärmerischen Pressetexten auf ihrer Internetseite.
Eine dieser drei CDs war die Musik zu dem Horrorfilm „Darkness Falls“ (dt. „Der Fluch von Darkness Falls“). In dem Horrorfilm geht es um eine „Tooth Fairy“ (Zahnfee), die den Kindern aus dem Dorf Darkness Falls im Jahre 1841 Geld für ihre ausgefallenen Milchzähne gab. Als Kinder verschwinden fällt der Verdacht auf sie, und die Dorfbewohner lynchen die –wie sich später herausstellt - unschuldige Frau. Ihr Geist spukt forthin im Orte, um sich an ihrem ungerechtfertigten Tod zu rächen. Die hanebüchene Story und eine uninspirierte Regie brachten den Film fast nur schlechte Kritiken ein, Tylers Musik und die rasante Montage werden in einigen Kritiken als das einzig Gruselige an „Darkness Falls“ hervorgehoben. Interessanterweise gesteht sogar Regisseur Jonathan Liebesman in ein paar kurz gehaltenen Liner Notes ein, dass Tylers Musik auch wichtig war, um „Plot Holes“ zu überdecken.
Tylers Score ist, so viel sei schon vorweg genommen, durchaus routiniert gemacht. Man hört, dass hier einer mit dem Orchester funktional umgehen kann, wenn auch nicht sonderlich innovativ. Zwar schreibt Tyler nirgendwo ab, aber seine Partitur ist unüberhörbar von den Großen des Genres wie Chris Young und Marco Beltrami beeinflusst und damit letztendlich von Kompositionstechniken der osteuropäischen Avantgardemusik und den schrillen Streichern von Bernhard Herrmanns „Psycho“-Score. Und auch ein Schuß des goldenthalschen Flatterzungen-Blechs ist enthalten, womöglich auch durch dessen Orchestrator Robert Elhai in diese Arbeit importiert.
In den Spannungsmomenten ist die Musik krawallig-laut, aus frenetischem Blech, schrillen Streichern und donnernden Pauken. Was der Film an sich nicht an Spannung aufbaut, soll hier scheinbar durch diesen musikalischen Overkill gruselig gemacht werden. Da das Ganze aber immerhin auf einem nicht uneingängigen Thema aufbaut, sind diese Cues auf CD einigermaßen ansprechend geraten. Natürlich gibt es auch die horrorfilm-üblichen Misterioso-Tracks mit eher transparentem Klangbild und Moll-Streicherklang, in denen das Hauptthema des Films noch mehr zum Tragen kommt. Alles ist handwerklich solide, aber ein paar Gehversuche ausserhalb der ausgetretenen Genrepfade hätten der Musik sicher gut getan.
Jan Boltze / 16.04.07
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