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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Coraline (Bruno Coulais)

Koch / 2009

CD

Bewertung:


    01. End Credits (01:54)
    02. Dreaming (02:20)
    03. Installation (02:28)
    04. Wybie (02:07)
    05. Exploration (02:01)
    06. Other Father Song (00:28)
    07. The Supper (01:31)
    08. Bobinsky (02:23)
    09. Fantastic Garden (01:34)
    10. Coraline Fly (00:24)
    11. Trap For The Mices (01:34)
    12. Mice Circus (01:27)
    13. Dreams Are Dangerous (01:27)
    14. Sirens Of The Sea (01:38)
    15. In The Bed (01:54)
    16. Spink And Forcible (00:33)
    17. It Was Fantastic (02:10)
    18. Ghost Children (01:28)
    19. Let's Go (01:09)
    20. Playing Piano (02:48)
    21. Wybie That Talks (02:09)
    22. Cocobeetles (01:39)
    23. Alone (00:52)
    24. Dangerous (02:23)
    25. Reunion (01:10)
    26. Coraline Dispair (01:27)
    27. The Theater (01:33)
    28. The Famous Mister B (02:33)
    29. You Know I Love You (04:27)
    30. Mechanical Lulluby (02:24)
    31. The Hand (03:14)
    32. The Party (02:32)

    TT: 59 min

Eine große Premiere muss nicht immer am Beginn der Komponistenkarriere stehen. John Williams’ erster animierter Film steht beispielsweise noch aus und Alexandre Desplats Debütscore auf dem internationalen Parkett lieferte der Franzose zwanzig Jahre nach einen ersten filmmusikalischen Gehversuchen. Gleiches schafft nun sein Landsmann Bruno Coulais, freilich bereits durch zahlreiche heimische Produktionen zumindest europaweit bekannt. Nach Scores zu französischen Filmen wie “Microcosmos”, “Die Kinder des Monsieur Mathieu” oder “Die Purpurnen Flüsse” untermalt Coulais mit “Coraline” seine erste amerikanische Produktion. Der Film nach einem Buch von Neil Gaiman handelt von einem jungen Mädchen, dass eine Tür zu einer Parallelwelt findet. Dort trifft sie auf Ebenbilder ihrer Eltern, die sich gänzlich konträr zur realen Welt verhalten. Der Kinder-Fantasy-Horror-Film wurde inszeniert von Henry Selick, jenem Stop-Motion-Experten, der schon “The Nightmare Before Christmas” schaurig-skurril zum Leben erweckte. Coulais’ internationale Premiere ist also wie geschaffen für ein Panoptikum aus morbiden Klangfarben, surrealen Instrumentationen und feiner Themenarbeit.

Der Aufhänger für Coulais wird sicherlich die Musik Danny Elfmans, speziell zur “Nightmare Before Christmas” gewesen sein. Dennoch drängt sich auch ein anderer Zugang zu “Coraline” auf. Schon immer spielte Coulais gerne mit außergewöhnlichen Orchestrationen, schrägen Instrumenten und zunächst verwirrenden Klangexperimenten. Gegenüber Original Score erklärt Coulais: “Ich mag es sehr zu experimentieren. Ich bin immer sehr angetan von neuartigen Dingen in meiner Musik, nicht nur aus synthetischer Quelle sondern auch aus dem Orchester. Ich meine, dass der Synthesizer aber nicht zur Imitation des Orchesters benutzt werden sollte, sondern um neuartige Klänge und Instrumente zu schaffen. Dank der Arbeit für das Kino konnte ich schon mit den unterschiedlichsten Leuten zusammenarbeiten, mit Rappern, mit Popmusikern oder mit traditionellen Ensembles. Das ist immer sehr inspirierend und es macht mir Spaß, es verschiedene Elemente neu zu mischen.”
Auf diesen Wegen nähert sich Coulais den Bildern von “Coraline” und schuf einen wahrhaft bunten Cocktail aus überwiegend akustisch-orchestralen Instrumenten, Stimmen und Geräuschen. Er setzt dabei ähnlich wie Elfman häufig bei der kindlichen Seele der Hauptfigur an und komponiert ein verträumtes, summbares Lied als Thema. Im zweiten Titel der CD, “Dreaming”, ist der Aufbau gut nachzuvollziehen. Coulais setzt eine bewegliche, rhythmische Grundfigur aus Celesta, Glocken und zunächst Stimmen ein, aus der er nach und nach die einfache Melodie entwickelt. Dabei ertönen Harfe, Glockenspiel, Streicher und vor allem die menschliche Stimme als melodieführendes Instrument. Der Harmonie setzt Coulais aber schon früh mit einem elektronischen Bass eine irritierende Ingridienz bei und überführt die märchenhaft-introspektive Stimmung über die Instrumentation immer weiter in ein Kaleidoskop von Klangfarben. Dazu benutzt er kleine Besetzungen aus Holzbläsern, Kinderchor und vor allem “klingenden” Rhythmusgebern. Größeres Orchester mit Streichern und Blechbläsern tritt gelegentlich ebenfalls hinzu, prägend sind aber die phantasievollen Experimente in der Instrumentation. “Wybie” erinnert beispielsweise an Thomas Newmans “Lemony Snicket”, manche vokal-chorale Passage gar an “Nomaden der Lüfte”. Besonders schräg ist sein “Mice Circus”, der hauptsächlich aus Tröten und anderen Kinder-Heiminstrumenten arrangiert wurde.
Bleibt die thematische Unterfütterung der Musik und dort zeigen sich leider erste Schwächen. Coulais bringt abseits des liedhaften Themas für Coraline keine weitere prägante Melodie an den Mann, die dem musikalischen Cocktail etwas Struktur geben kann. Da das Hauptthema vor allem im Mittelteil der Musik wenig präsent ist, zerfasert der Score teilweise zu stark zu einem Kuriositätenkabinett. Beim ersten Hören ist dies irritierend, leider stellt sich auch nach intensivem Konsum der Musik kein Aha-Effekt ein. So bleibt “Coraline” letztlich klar empfehlenswert, aber doch einiges vom großen Wurf entfernt.

Jan Titel / 14.04.09

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