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Kritiken

Copernicus’ Star (Abel Korzeniowski)

LaLaLand /2011

CD

Bewertung:


    01. Prologue (02:30)
    02. To the Stars (01:27)
    03. Prophecy (01:41)
    04. Lands Far Away (01:02)
    05. A Thief (02:11)
    06. Breaking Free (01:55)
    07. Aquarius (04:30)
    08. Anna and Volder (03:51)
    09. Ghosts (02:04)
    10. Sour Apples (01:55)
    11. The Hunting Dogs (02:47)
    12. The Bull's Eye (01:31)
    13. Medic (02:28)
    14. Snakes (02:16)
    15. Forbidden Book (02:15)
    16. The Philosopher's Stone (04:55)
    17. Faustus (02:09)
    18. Jubilee (02:07)
    19. He Who Stopped the Sun (01:35)
    20. Scholars (02:02)

    TT: 47 min

Seit nunmehr fünf Jahren lebt und arbeitet der polnische Komponist Abel Korzeniowski in Los Angeles. Seine Bilanz kann sich durchaus sehen lassen: nach anfänglicher Beschäftigungslosigkeit konnte er einige prestigeträchtige Projekte an Land ziehen, etwa die HBO-Serie „The Half Life of Timothy Berezin“ oder das preisgekrönte Drama „A Single Man“. Die Golden-Globe-Nominierung für seinen Score zu letzterem sorgte aber leider nicht für eine Fülle neuer Aufträge – seit nunmehr eineinhalb Jahren wurde Korzeniowski nicht mehr in Hollywood engagiert und auch für die nahe Zukunft ist kein Vertonungsprojekt in Sicht. Sein kurzzeitiges Engagement für den Streifen „Rabbit Hole“ (in diesem Jahr oscarnominiert: Nicole Kidman) erwies sichnicht als das erhoffte Nachfolgeprojekt zu „A Single Man“ - die Gründe für die rejection sind völlig unklar..
Dennoch steigt die Bekanntheit des jungen Polen kontinuierlich an, zuletzt unterstrichen durch die Verleihung von zwei World Soundtrack Awards an Korzeniowski. Nun hat La La Land Records einen weiteren Schritt getan, um seine Musik einer breiteren Masse bekannt zu machen und den Score zu „Copernicus’ Star“ („Gwazdia Kopernika“) erstmalig auf CD veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen polnischen Animationsfilm aus dem Jahr 2009, der die Kindheit und Jugend des legendären Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473-1543) thematisiert. Korzeniowski arbeitete von Los Angeles aus an dem Projekt, kurz bevor er sich „A Single Man“ zuwandte.

Für seine Musik verschmolz Korzeniowski die verschiedenen kulturellen Bezüge, welche die für polnische Verhältnisse sehr aufwändige Produktion eröffnete. Im Gewand einer spätromantisch orchestrierten sinfonischen Musik im Stile Tchaikowskis oder Rimsky-Korsakovs verarbeitete er Stilismen der Hochrenaissance, des klassischen und des modernen Animationsfilms sowie der Minimal Music. Das Konglomerat erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, doch dem ist nicht so. „Copernicus’ Star“ ist eine melodisch reichhaltige, farbenfrohe und ausdrucksstarke Filmmusik, die mühelos den Bogen zwischen historisierenden Vokalsätzen, quirligen Mickey-Mousing-Passagen und dramatischen Orchesterarrangements schafft. Neben einem klassischen Sinfonieorchester, in dem besonders Holzbläser, Schlagwerk und Harfe viel Arbeit haben, setzt Korzeniowski einen großen Chor sowie mehrere Vokalsolisten sowie Instrumente aus der Zeit Kopernikus’ wie das Cembalo ein. Die musikalische Klammer bieten dabei die an romantischen Klangbildern orientierte Orchestration sowie die vorsichtig minimalistische Struktur der Begleitstimmen (welche sich wunderbar mit den formelhaften Motiven der Renaissance- und Barockmusik ergänzt).

Emotionaler Kern des Scores sind aber das epische Hauptthema und die vielen kleinen Nebenmotive, mit denen Korzeniowski die schillernden Arrangements garniert. Nach einer Fanfare präsentiert bereits der eröffnende „Prologue“ das Hauptthema, eine einprägsame und effektvoll orchestrierte Tonfolge. Blechbläser und Chor führen zunächst die Melodie, begleitet von Holzbläserläufen, Harfe und vielfältigen Streicherlinien. Der jubilierende Charakter des Stückes setzt sich auch im weiteren Verlauf der Musik fort, wenn das Thema als sehnsuchtsvolles Streicherstück oder eher mystische Frauenvokalise erklingt. Die Evolution von der mehrstimmigen Chormusik zur Instrumentalmusik in der Renaissance findet hier eine adäquate Entsprechung, wenngleich die historische Genauigkeit der Arrangements ganz klar hintenan steht.
Neben dem Hauptthema (das vor allem Fans der Musik von James Horner gefallen wird) punktet die CD mit einem bunten Strauss einzelner Setpieces. „Aquarius“ fasst die hymnischen Töne der Musik zusammen, das wunderbar eingängige Arrangement des Titelthemas mit Harfen, Röhrenglocken, Streicher, Holzbläsern und Chor geht dabei in ein kraftvolles chorales Finale über. „To The Stars“, „A Thief“ und „The Forbidden Book“ bieten hingegen Mickey Mousing vom Feinsten, die wirbelnden Streicher, punktierten Flöten, die Harfen und Glocken stehen in der Tradition von Horners frühen Animationsscores, aber auch von Carl Stalling, John Williams und Michael Giacchino. Ein elegantes Cellosolo in „Faustus“, schicksalsschwangere Harmonik in „Sour Apples“ oder knackige Actionmusik in „Hunting Dogs“ – das Panoptikum an Stimmungen und Stilen ist für eine dreiviertelstündige Komposition erstaunlich.

Rückblickend ist „Copernicus’ Star“ eine der eindrucksvollsten Scores aus dem Jahre 2009. Er hat nicht die emotionale Tiefe von Korzeniowskis „A Single Man“ oder den strukturellen Anspruch seines „Metropolis“, hier korrespondieren Ausdruckskraft und musikalische Mittel in sehr unterhaltsamer Weise. Die von Korzeniowski persönlich ausgeführten Orchestrationen weisen ihn erneut als einen begabten Tonsetzer aus, der das Gros der Hollywoodkomponisten locker in die Tasche steckt. Es bleibt zu hoffen, dassin nächster Zeit weitere Filmvertonungen des Polen auf CD erscheinen (etwa der furiose Score zu „Battle For Terra“) und er wieder neue Projekte aquirieren kann. Nach seinen bisherigen Referenzen ist ihm jedes Genre zuzutrauen.

Jan Zwilling / 21.03.11

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