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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Cocoon (James Horner)

Polydor / 1985

CD

Bewertung:


    01. Through The Window (02:54)
    02. The Lovemaking (04:21)
    03. The Chase (04:27)
    04. Rose's Death (02:10)
    05. The Boys Are Out (02:35)
    06. Returning To The Sea (04:13)
    07. Gravity -- Michael Sembello (04:52)
    08. Discovered In The Poolhouse (02:45)
    09. First Tears (01:49)
    10. Sad Goodbyes (02:22)
    11. The Ascension (05:55)
    12. Theme From Cocoon (06:03)

    TT: 44 min

Im Jahr 1985 war James Horner in der Komponistenszene Hollywoods kein Unbekannter mehr, obgleich seine ersten Schritte in der Traumfabrik gerade fünf Jahre her waren. In der Zwischenzeit nach seinen ersten Scores zu “Battle Beyond The Stars” und “Humanoids From The Deep” hatte sich der junge Kalifornier jedoch bereits in den Köpfen der Produzenten und des Publikums festgesetzt, denn neben den Science-Fiction-Erfolgen von “Star Trek” bis “Brainstom”, welche noch heute zu den besten Musiken seiner Karriere gehören, konnte er zunehmend weitere Genres für sich erschließen. “Testament” und “Gorky Park”, beide aus dem Jahr 1983, sind Beispiele für diese Erweiterung. 1985 kehrte er jedoch ein weiteres Mal in das Land der Fantasy und Science-Fiction zurück, als er zum ersten Mal mit seinem langjährigen Filmpartner Ron Howard zusammenarbeitete. “Cocoon” heißt der Mix aus Romanze, Abenteuer und Science-Fiction, in dem Aliens auf der Erde nach verlorenen Kokons suchen - die sich gerade im Pool dreier Rentner befinden. Schrulliger Humor paart sich hierbei mit Weltraumthemen, eine Mischung die James Horner durchaus zu inspirieren wusste.

Für “Cocoon” kultivierte Horner jenen aus seinen frühen Jahren bekannten Orchesterklang, der von spielerischen Extravaganzen und seidigem Timbre nur so strotze. Filmbedingt fallen im Gegensatz zu “Krull” oder “Star Trek 2” die Actionmomente sehr kurz aus, in den ausufernd schillernden Streichertableaus steht “Cocoon” aber durchaus in der Tradition dieser Vorgänger. Horner gelingt dieser spezielle, heute praktisch kaum mehr praktizierte Klang des Orchesters durch feinsinnig geteilte Streicher, viel Einsatz von Harfe, Glockenspiel und Celesta und nicht zuletzt durch subtile, aber hochwirksame Unterstützung von Flöte und Piccoloflöte. Diese Höhenlastigkeit im Klangbild, die sich, sollte es mal rauher zugehen, exzellent mit Tuben und Pauken kontrastieren lässt, wird zudem noch durch den etwas spitzen Klang unterstützt, mit dem die Aufnahme gemischt wurde. Auch dies hat “Cocoon” mit den genannten Vorgängern gemein.
Eine weitere Stärke Horners war (und ist sie teilweise noch heute) die Erfindungsgabe für charismatische Titelmelodien. Bereits im Main Title “Through The Window” lässt Horner nach einigen flächigen Akkorden der höchsten Streicherlagen die Hauptmelodie auf der Celesta erklingen. Sie geht unmittelbar ins Ohr und weist in seiner Reinform keine größeren Ähnlichkeiten mit anderen Themen Horners auf, sodass ein Deja-Entendu-Effekt ausbleibt. Weiteres Merkmal des Eröffnungstitels sind die beeindrucken Klangschichtungen, mit denen Horner dramatischere Momente untermalt. Enormes Rauschen der Becken, klangvoller Dekor von allerlei “klingenden” Percussions und gedehnte, überlagerte Blech- und Streicherakkorde verweisen auf expressive Klangflächen, wie sie auch in “Brainstorm” zu hören waren. Dem tonalen Rahmen bleib Horner aber hier treu, auch größere Dissonanzen vermeidet er weitestgehend. Entgültig offenbart ist das Thema in “The Lovemaking”, dass mit den idyllischen Streicher- und Flötenlandschaften jenen schillernden Orchesterklang darbietet, wie er zuvor beschrieben wurde. Horner erweitert das Thema zudem mit einigen Variationen deutlich, sodass auch keine melodische Monotonie droht.
Die Musik bietet im weiteren Verlauf ruhige Momente mit den Variationen des Hauptthemas und schnellere, dramatischere Passagen. Besonders gelungen ist das Arrangement des Themas in “First Tears”, welches die ausschweifendste und emotionalste Variante der Melodie bereithält. “Sad Goodbyes” ist klanglich verwand, jedoch deutlich wehmütiger arrangiert. Am zartesten klingt das Thema jedoch in “Rose’s Death” als einzelnes Holzbläsersolo mit sparsamer Begleitung. Das Ende von “Returning To The Sea” setzt mit seinen warmen und tiefen Streichern einen angenehmen Kontrapunkt. Kontrastprogramm im eigentlichen Sinne ist jedoch lediglich die “Chase”, für Horner seine tiefen Bläserfanfaren und enorm schnellen Holzbläserläufe auspackt. Dadurch ergibt sich schnell eine Nähe zu “Krull”, durch ein prominentes Statement des Themas verlaufen sich diese Assoziationen recht schnell. Nach dem dramatischen Beginn ist die Verfolgungsjagd im zweiten Teil eher ein engagiertes und hoffnungsvolles Statement des Hauptthemas mit dynamischer rhythmischer Orchestration. Hier bekommen auch die von Horner in dieser Zeit geliebten pastoralen Hörner ihren prominenten Auftritt.

Abgeschlossen wird der Score von dem “Theme from Cocoon”, einer Art Suite aus den verschiedenen melodischen Variationen des Titelthemas. In der dargebotenen Länge ist dies durchaus reizvoll, es enthält aber aus heutiger Sicht einen kleinen Beigeschmack. Im Mittelteil entfernt sich Horner etwas von dem höhenbetonten, klangvollen Streicherspiel und arrangiert es traditioneller. Dadurch entsteht eine frappierende Nähe zu seinen späteren Werken wie “Legends of the Fall”. Dass dieser urplötzlich auch melodisch prominent auftritt, weil Horner eine Variation des Themas in die Richtung des Ludlow-Themas weiterführt, mag der Musik zu “Cocoon” noch nicht angekreidet werden, hinterlässt aber bereits eine fade Vorahnung. Bereits nach fünf Jahren in Hollywood zeigten sich also die ersten Anzeichen für den “Zitate-Horner”, dem auch der Sinn für das Extravagante in der Orchestration abhanden kam.

“Cocoon” präsentiert sich jedoch noch als Musik in bester Tradition des Horners der frühen 80er Jahre. Verspielt, klangvoll, effektiv orchestriert und dadurch sehr unterhaltsam und eingängig ist der erste Score für einen Ron Howard Film geworden. Zwar gelangt er nicht ganz an die Qualitäten von “Brainstorm” und “Star Trek 2” heran, ist aber im Prinzip ohne Einschränkungen zu empfehlen. Die erschienene Soundtrack-CD von Polydor enthält gut 36 Minuten des Scores, ist aber schon lange vergriffen und zu überhöhten Preisen zu erwerben. Hier wäre eine expanded edition (der Score läuft im Film rund eine Stunde) eine feine Sache. 

Jan Titel / 12.10.09

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Zu diesem Beitrag existieren aktuell 3 Nutzer-Kommentare. Letzter Kommentar: 22.10.09.

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