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Kritiken

City Of Ember (Andrew Lockington)

Verve / 2008

CD

Bewertung:


    01. City Of Ember Main Titles (3:29)
    02. Lina Mayfleet (1:30)
    03. Assignment Day (2:19)
    04. Job Exchange (2:28)
    05. Blue Sky (1:09)
    06. First Day (2:06)
    07. Message For Clary (0:51)
    08. Tunnels (6:59)
    09. The Mayor (2:00)
    10. The Box Of Ember (2:52)
    11. Blackout (1:57)
    12. Map And Mole (4:57)
    13. Room 351 (3:11)
    14. Proof (4:32)
    15. Fugitives (3:07)
    16. Loris' Bike (4:03)
    17. Interlocking Keys (0:41)
    18. Clockworks (5:41)
    19. Control Room (4:36)
    20. Water Wheel (2:53)
    21. The Mayor Retreats (1:08)
    22. Stalagmite Trance (0:47)
    23. Escape To Sunrise (4:57)
    24. One Last Message (3:06)

    TT: 72 min

In Hollywood als Komponist Fuß zu fassen, ist kein leichtes Unterfangen. Bevor man das Glück hat, für einen bekannten Film Musik zu schreiben, ist meist ein Jahrzehnt assistieren, Klinkenputzen und kleinere Aufträge bearbeiten an der Reihe. Ironischerweise nimmt auch die Fanbasis den Durchbruchsscore als Beginn der Karriere war, der Komponist ist ein Newcomer und ganz und gar plötzlich aufgetaucht. Dieses Phänomen konnte Alexandre Desplat 2005 erleben und musste erklären, dass er bereit 20 Jahre in der Branche tätig ist und erfolgreich Scores komponiert. Ähnlich muss es Andrew Lockington gegangen sein, als er mit der Musik zu “Journey To The Center Of The Earth 3D” in das Rampenlicht katapultiert wurde. Hinter ihm lagen dutzende Scores, zehn Jahre Assistenz unter anderem bei Mychael Danna und Warten auf einen Durchbruch.

Er selbst sieht seine Fernseharbeit für die HBO-Produktion “XChange” (2000) als künstlerischen Wendepunkt seiner Laufbahn, dem Fan ist er erst seit 2008 ein Begriff. Die Arbeit an dem Abenteuerremake verschaffte ihm die Möglichkeit, größer budgetierte Filme an Land zu ziehen, darunter das Fantasyspektakel “City Of Ember”. Die Geschichte um eine unterirdische Stadt, die 500 Jahre lang hermetisch abgeriegelt von einer verseuchten Erdoberfläche existierte und sich nun an die Rückkehr wagt, wird kindgerecht und farbenfroh erzählt. Bekannte Gesichter entdeckt man in Bill Murray und Tim Robbins.
Lockington schwärmte im Original-Score-Interview von den tonmalerischen Möglichkeiten, die ihm der Film bietet. So verwundert es nicht, dass er für seinen Score große Geschütze auffährt. Ein üppig besetztes Orchester, nebst Chor und Elektronik untermalen die größtenteils computergenerierten Szenerien der Stadt Ember. Lockingtons Ansatz ist dabei weniger auf komplexe Vielfalt der musikalischen Mittel ausgerichtet, als auf erhabene Wucht und Volumen des Orchesterklangs. Große Linien in der Melodie, klare und geradlinige Instrumentationen und der Verzicht auf fordernde Vielstimmigkeit zeichnen die Musik aus. Das Orchester, im Großteil der Musik der dominante Part gegenüber Chor und Synthetik, ist auf Kraft und Momentum getrimmt. In der Orchestration offenbart der Score damit Ähnlichkeiten zu Edward Shearmurs Arbeiten zu “Sky Captain” und “Monte Cristo”, die ähnlich geradlinig und markant instrumentiert sind. Shearmur erlaubt sich zwar in seinem Science-Fiction-Spektakel mehr ziselierte Begleitungen für seine Themen, der blech- und streicherlastige Ansatz ist aber vergleichbar. Das Holz spielt eine untergeordnete Rolle, die Percussions dienen oft als Unterfütterung von wuchtigen Blechbläsertableaus und der Chor wird als rein klanggestaltende Ergänzung eingesetzt.

Thematisch offenbart sich eine andere Parallele, denn Lockingtons Hauptthema erinnert an die Kreationen von Hans Zimmer in den mittleren neunziger Jahren. Eine eingängige, lang ausgespielte und rhythmisch sehr am Grundschlag orientierte Melodie bildet den Kern der gesamten Musik. Vergleichbares hat Zimmer mit dem Hauptthemen von “Backdraft”, “Crimson Tide” oder “The Rock” komponiert, allesamt aus heutiger Sicht eher gelungene Beispiele für Zimmers melodisches Talent. Lockington stellt sein Thema gleich in den Main Titles vor und bleibt ihm bis zum Ende fast sklavisch treu. Der monothematische Score, dessen Seitenmotive auch nach mehrmaligem Hören kaum Relevanz entwickeln, lebt also von der Variation und Instrumentation. Das Thema wandelt sich denn auch von düsterer Fanfare zu ausschwingender Streichermelodie, von sparsamer Suspensemusik zum epischen Finale. Lockington hat sich hier aller Standardmittel bedient und ringt der Melodie einige schöne Auftritte ab (besonders schön in “Clockworks” und “Escape To Sunrise"). Insgesamt bleibt das eine Thema für eine Musik dieser Länge aber doch zu wenig und die orchestratorischen Mittel zu stark Routine. Solide und sauber gearbeitete Momente finden sich häufig, wirklich spannende und kreative leider nicht.

“City Of Ember” hinterlässt so auf den ersten Blick einen schön fließenden, fast ausschließlich orchestralen und routiniert orchestrierten Eindruck. Sehr reizvoll wäre sicherlich eine Kompilation der Highlights von ca. 20 Minuten, in voller Länge bleibt eher die risikoarme Routine im Gedächtnis. Das etwas stumpfe und undynamische Klangbild der Aufnahme passt ins Bild.
Dennoch lädt auch diese CD dazu ein, sich mehr mit der Vergangenheit des Komponisten zu beschäftigen. Selten wird man dazu animiert, sich mit dem Werk eines (noch) Unbekannten zu beschäftigen, umso interessanter könnte dies sein. Nicht zuletzt wäre es auch ein Zeichen für tausende Talente, die nie einen Durchbruch in die Öffentlichkeit schaffen.

Jan Titel / 15.11.08

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Zu diesem Beitrag existiert aktuell 1 Nutzer-Kommentar. Letzter Kommentar: 15.11.08.

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