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Kritiken

Citizen Kane - The Classic Film Scores Of Bernard Herrmann (Bernard Herrmann)

RCA / 1991

CD

Bewertung:


    "On Dangerous Ground"
    1. The Death Hunt (02:23)
    "Citizen Kane"
    2. Xanadu (Prelude) / Snow Picture (03:17)
    3. Theme And Variations (Breakfast Montage) (03:26)
    4. Aria from Salammbo (04:16)
    5. Rosebud And Finale (02:41)
    "Beneath The 12-Mile Reef"
    6. The Sea / The Lagoon (4:41)
    7. Descending (01:51)
    8. The Octopus / Homecoming (04:54)
    "Hangover Square"
    9. Concerto Macabre For Piano And Orchestra (11:57)
    "White Witch Doctor"
    10. Talking Drums / Prelude / The Riverboat / Petticoat Dance / The Safari (03:57)
    11. Tarantula / The Lion (01:28)
    12. Nocturne (03:47)
    13. Abduction Of The Bakuba Boy / The Skulls (01:56)
    14. Lonni Bound By Ropes / Departure (02:28)

    TT: 53 min

Bernard Herrmann ist in der Welt der Filmmusikveröffentlichungen ein recht gut vertretener Komponist aus dem Golden Age. Ihm gewidmet sind umfangreiche Neueinspielungen kompletter Scores (McNeely, Broughton und Stromberg), aber auch im Bereich der Sampler hat der Herrmann-Fan einige Auswahl an gut produzierten CDs. In den letzten zehn Jahren kamen verschiedene Zusammenstellungen auf den Markt, wie zum Beispiel von Sony die vorzüglichen Einspielungen mit dem Los Angeles Philharmonic unter Salonen oder Joel McNeelys “Fahrenheit 451”. Der interessanteste ist und bleibt aber mit Sicherheit jene Veröffentlichung unter dem Dirigat von Charles Gerhardt, die zwar mittlerweile sehr schwer zu bekommen ist, aber jedem Filmmusikinteressierten zu empfehlen ist.

Die besondere Qualität dieses Samplers auch heute noch liegt vor allem in der Auswahl der Filme begründet, die Gerhardt in Suitenform für RCA aufgenommen hat. Lücken in der Herrmann-Diskographie sind in den neunziger Jahren geschlossen worden, so dass zum Beispiel Suiten von Vertigo, Psycho oder Marnie neben den kompletten Neueinspielungen nicht mehr essentiell erscheinen. Mit “White Whitch Doctor”, “Beneath The 12-Mile Reef”, “On Dangerous Ground” oder “Hangover Square” präsentiert RCA Perlen aus Herrmanns Werk, denen eine Neueinspielung bisher verwehrt blieb. Dass Gerhardts Interpretation auch von bekanntem Material aus “Citizen Kane” hörenswert ist, unterstreicht die Wichtigkeit dieser Veröffentlichung.

“Beneath The 12 Mile Reef” (1953) gehört zu den schwelgerischsten Tonschöpfungen Herrmanns, ein vielseitiges und stimmungsvolles Werk für großes Orchester - wie üblich mit einigen außergewöhnlichen Besetzungen. Um die Unterwasser-Stimmung des für die damalige Zeit spektakulären Films (Technicolor und Cinemascope) einzufangen, besetzte Herrmann gleich neun Harfen. Sie bilden wichtige Klangfarben in der furiosen Eröffnung, den pastoral-breiten Streicherthemen und ebenso in den düsteren Suspensemomenten (die Williams für “Jaws II” zitierte). Die hervorragend orchestrierte Musik kommt in der 12-minütigen Suite sehr ansprechend rüber, zusammen mit der kompletten Veröffentlichung der Originalaufnahmen (fsm) steigt der Wunsch nach einer vollständigen Neuaufnahme dieses meisterhaften Scores.
Eröffnet wird die CD aber mit der gut zweiminütigen “Death Hunt”, dem Finale aus dem Thriller “On Dangerous Ground” von 1951. Mit massivem Schlagwerk, wild aufspielendem Blech und unermüdlich werkelnden Streichern und Holzbläsern gestaltet sich der Track als kraftvoller Tour de Force Ritt. Bei dieser Musik ist ebenfalls eine fsm-Edition erschienen, die allerdings mit sehr schlechtem Klang die Seelen der Fans strapaziert. Neben der Suite auf dem Silva-Sampler ist dieser Track sehr zu empfehlen.

Die Musik zu “Citizen Kane” sei hier nicht weiter beschrieben, durch die Neuaufnahme von Joel McNeely ist der hier vertretene Anteil auch nicht unbedingt essentiell. Dies gilt vielmehr für “White Witch Doctor” und “Hangover Square”. Zum letzteren schrieb Herrmann ein 12-minütiges, apokalyptisches Klavierkonzert. In dem Film von 1951 spielt ein wahnsinnig gewordener Pianist in seinem brennenden Haus seine letzten Noten, die düstere und dramatische Stimmung dieser Szenen fängt Herrmann brillant ein. Schroffe Bläsersätze, harte Klavierakkorde und dramatische Einsätze der Streicher formen das Stück.
“White Witch Doctor” ist eine exotisch angehauchte Musik und ebenso ein technisches Kabinettstückchen Herrmanns. Viel Schlagwerk wie Trommeln, Xylophon und ethnischen Percussions geben vor allem den Rhythmus vor, das Spiel der Flöten und zuweilen des kompletten Orchesters baut sich drum herum. So entsteht eine leicht skurril anmutende Musik. Meist spielen nur kleine Besetzungen, zum Beispiel Tuba und Flöte, was aber immer wieder auf den großen Orchesterapparat übertragen wird. So werden die rhythmischen und melodischen Linien der “Talking Drums” im ersten Track virtuos an das Orchester übergeben.

Die Qualität der Musiken, die Charles Gerhardt hier eingespielt hat, ist durchaus durchweg im Bereich von 5 bis mit gutem Willen 6 Sternen einzuordnen. Die Aufnahmen sind technisch sauber, die Interpretationen sehr gekonnt und spieltechnisch gibt es ebenso keinen Grund zur Beanstandung. So würde das Fazit ohne Zweifel lauten: Unbedingte Empfehlung! Solange keine vergleichsweise hochwertigen Neueinspielungen auftauchen, bleiben diese Aufnahmen die Referenz.

Jan Titel / 09.03.07

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