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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Cinderella Man (Thomas Newman)

Decca / 2005

CD

Bewertung:


    1. The Inside Out (01:20)
    2. Shim-Me-Sha-Wobble (01:03)
    3. Mae (01:17)
    4. Change of Fortune (01:15)
    5. Weehawken Ferry (02:43)
    6. Cold Meat Party (00:41)
    7. All prayed out (02:39)
    8. Tillie's Downtown now (02:19)
    9. Three Bucks Twenty (01:02)
    10. Corn Griffin (01:12)
    11. Shoe Polish (00:49)
    12. Londonerry Air (00:28)
    13. The Hope of the Irish (00:52)
    14. Hooverville Funeral (02:55)
    15. Fight Day (03:39)
    16. Good as Murder (00:52)
    17. We've got to put that Sun back in the Sky (01:27)
    18. No Contest (01:08)
    19. Pugilism (01:07)
    20. Bulldog of Bergen (01:43)
    21. Big Right (02:51)
    22. 9, 4, 2 even (01:27)
    23. Cinderella Man (04:48)
    24. Turtle (03:21)
    25. Cheer up! Smile! Nertz! (04:03)

    TT: 47 min

Streng genommen macht Thomas Newman schon seit Jahren so ziemlich das selbe- sein Stil ist sehr deutlich zu erkennen und herauszuhören, vieles ist sehr ähnlich. Meistens garnierte er das ganze immer noch mit ein paar reizvollen Einfällen, die über seinen wenig vielseitigen Stil hinwegsehen liessen. Bei „Cinderella Man“ hat ihn aber die Kreativität in Stich gelassen, und man hört überwiegend Musik, die sehr nah an alten Bekannten wie „Shawshank Redemption“ oder „Road to Perdition“ anzusiedeln sind.

Der neue Film von Ron Howard basiert auf der wahren Geschichte des Boxers Jim Braddock, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere die Hand bricht und dann schwer von der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre getroffen wird, und dann später die Chance für ein Comeback nutzt. Der Film ist dabei Ron Howard-typisch rührselig und verkitschend, ja sogar geschichtsverfälschend geraten, wenn man den Kritiken glauben schenken darf. Wo im Film Braddock nur mit leeren Magen und unausgeschlafen gegen seinen ersten Gegner nach Jahren antreten muss, war die Wirklichkeit unangenehmer: Braddock stand unter Drogeneinfluß, wie er seinem damaligen Gegner später selber gestanden haben soll. Ob der Film deshalb so sehenswert ist, wie es die Besetzung- Russell Crowe, Renée Zellweger, Paul Giamatti („Sideways“)- glauben machen will, bleibt zweifelhaft.

Zurück zu Newmans Score: wie nicht anders zu erwarten, erwartet den Hörer der klassische „Newman“-Sound aus warmen Streicherteppichen, luftigen Klavierakkorden, ein paar ungewöhnlichen Instrumenten, dezenten elektronischen Spielereien und Pizzicato-Effekten aller Streichinstrumente. Nichts was nicht vorher schon mal dagewesen wäre. Der Newman-Hörer der schon einige andere Werke des Komponisten besitzt, wird hier nicht viel neues erfinden.
Auffällig nur, dass der Komponist hier etwas verstärkt mit kleinen Motiven arbeitet- die Variationen dieser Motive sind zwar noch nicht sehr ausgefeilt, aber immerhin erreicht Newman damit etwas weniger Eklektizismus als in früheren Arbeiten. Gelungen sind des weiteren noch einige perkussive Momente des Scores, wie z.B. „Corn Griffin“ oder die irisch angehauchten Stücke- die es aber in ähnlicher Form auch schon bei „The Horse Whisperer“ gab.

Diese vergleichsweise harten Worte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Kern immer noch eine routinierte, gut durchhörbare Musik vorliegt, die vor allem im Film emotional hervorragend funktionieren dürfte- wie eigentlich alle Musiken Thomas Newmans. Vor allem für Leute, die mit dem Œuvre des Komponisten noch nicht so vertraut sind, dürfte das Hörvergnügen nicht unerheblich sein.

Der Hörfluss wird von einigen Songs aus den 20er und 30er Jahren unterbrochen, die für sich genommen zum Teil recht amüsant sind, aber mit dem Score musikalisch nur wenig gemeinsam haben.

Fazit: Allmählich wird es Zeit, dass Thomas Newman nicht nur seine Klangpalette sondern auch seinen Stil ein bisschen erweitert- erfahrenen Hörern kommt vieles wie gute Alte Bekannte vor. Diese sieht man im Regelfall aber immer noch gerne.

Jan Boltze / 31.01.07

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