Kritiken
Chouans! (Georges Delerue)
DCM / 2003
Bewertung:

17 Filme verbinden Komponist Georges Delerue und Regisseur Philippe de Broca. Aus dieser fruchtbaren Zusammenarbeit entstanden hochwertige Abenteuerfilme wie „L’Homme de Rio“, schwungvolle Komödien wie „Tendre Poulet“ oder unterhaltsame Historienfilme wie „Cartouche“. Delerue ließ es sich, auch als er bereits gefragter Komponist in Amerika war, nicht nehmen, die Musik zum jeweils neuesten Film seines Freundes zu schreiben. Die letzte Zusammenarbeit des Duos ist das Epos „Chouans!“ von 1988. Der Film spielt im Jahre 1793 und zeigt die Zeit nach der französischen Revolution, als die „Chouans“, die königstreuen Gegner der Revolution, einen erbarmungslosen Kleinkrieg gegen die Revolutionäre anfangen. Die letzte Zusammenarbeit zwischen Delerue und de Broca stellt gleichzeitig wohl Delerues beste Leistung dar. Ein Film, bei dem er sich voll und ganz austoben und seine breite Palette kompositorischen Könnens nutzen konnte.
Diese Musik bietet alles, wofür der Franzose beliebt ist. Er schuf ein energiegeladenes, feuriges Hauptthema als eine pathetische Hymne auf den Widerstand, Tänze in Form von Menuetten, streicherlastige, romantische Liebesthemen und nicht zuletzt eine beträchtliche Anzahl barock instrumentierter Stücke, die dem Zeitalter der französischen Revolution historisch genau nachempfunden wurden. Die Hymne, das energische Hauptthema dieser Musik entfaltet all seine Kraft durch die harten Bläserstaccati, die krachende Percussion und die akzentuierten Streicherläufe, während die ruhigeren Passagen mit Holzbläsersoli und Unterstützung der Streicher orchestriert sind.Das Hauptthema unterzieht sich im Laufe des Scores mehreren Variationen, lässt jedoch noch genügend Raum für andere Themen, so etwa romantische Streicherschwelgereien, die den Hörer emotional sofort anzusprechen vermögen.
Die Tänze und zeitgemäß barocken Stücke stehen der Musik Händels recht nahe. Eine bedeutende Rolle spielt hier vor allem das Cembalo, das in einigen Stücken im Vordergrund steht sowie die Flöte (Barock- und Querflöte), die Delerue zusammen mit dem Streicherteppich zu melodisch sehr inspirierten und daher leicht einprägsamen Duetten vereint. Dem Cembalo widmet Delerue im „Menuet“ sogar ein eigenes solistisches Stück. So wechseln sich kräftige, dramatisch zupackende Orchesterpassagen mit barocken Tänzen und romantischen Liebesthemen ab, ergänzt wird dies durch Bläserfanfaren die mit barocken Verzierungen der Trompeten, die das Gesamtbild stilecht abrunden. Aus diesem französischen Musik- Mix ergibt sich auf CD eine homogene und gut fließende Zusammenstellung, die von der ersten bis zur letzten Minute bestens unterhält.
Delerue zeigt sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens, in wahrscheinlich keiner anderen Filmmusik präsentierte er dem Hörer so viele Melodien und Themen wie in „Chouans!“und schuf eine unvergessliche Musik, die gleichzeitig mit zum Besten gehört, was die französische Filmmusik seit dieser Zeit zu bieten hatte.
Themenreichtum, geistreiche Nachahmung der Barockmusik und die hervorragende Orchestration machen aus dieser Filmmusik Delerues Opus Magnum, das in keiner Sammlung fehlen sollte.
Stephan Eicke / 24.04.09
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