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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Chinatown (Jerry Goldsmith)

Varese / 1995

CD

Bewertung:


    01. Love Theme from „Chinatown“ (Main Title) (1:59)
    02. Noah Cross (2:27)
    03. Easy Living -- L. Robin / R. Rainger(1:49)
    04. Jake and Evelyn (2:41)
    05. I Can’t Get Started-- I. Gershwin / V. Duke (3:35)
    06. The Last of Ida (2:59)
    07. The Captive (3:05)
    08. The Boy On a Horse (2:05)
    09. The Way You Look Tonight -- D. Fields / J. Kern (2:16)
    10. The Wrong Clue (2:32)
    11. J.J. Gittes (3:05)
    12. Love Theme from “Chinatown” (End Title) (2:03)

    TT: 31 min

Roman Polanskis Film ist längst ein Klassiker, ein moderner Film Noir mit Jack Nicholson als Privatschnüffler J.J. Gittes, Faye Dunaway als Femme Fatale und Regie-Legende John Huston als Gangster Noah Cross. Der Film wurde für 11 Oscars nominiert, darunter auch Goldsmiths Musik. Den Preis durfte am Ende nur Drehbuchautor Robert Towne entgegennehmen. Die Geschichte dreht sich um Korruption in der kalifornischen Wasserwirtschaft.

Jerry Goldsmith musste für einen anderen Komponisten, dessen Musik abgelehnt wurde, einspringen und hatte nur wenig Zeit zur Verfügung, um die Musik zu schreiben – angeblich gerade mal 10 Tage für das Schreiben und Aufnehmen. Goldsmith umging die Probleme dieses engen Zeitplans, in dem er nur sehr wenig Musik schrieb. Das etwa halbstündige Album von Varèse Sarabande dürfte nahezu vollständig sein, und dabei sind sogar noch drei Songs enthalten, die das Zeitkolorit der 30er Jahre, in denen der Film spielt, unterstreicht. Dabei fehlt dem Film aber nichts an Musik, Goldsmith hat die genau richtige Menge für den Film komponiert.

In einem Interview sagte Goldsmith, dass die erste Idee, die er für den Film bekam, die Besetzung des Orchesters war. Neben einer Streichersektion gehörten dazu 4 Klaviere, 4 Harfen, 2 Schlagzeuger und eine Solo-Trompete. Die Solo-Trompete setzt Goldsmith für das melancholische Liebesthema des Films ein, welches ziemliche Berühmtheit erlangte. Stilistisch passt es gut zu der Zeit, in der der Film spielt, obwohl der Komponist auch ein paar modernere Harmonien einbaute.
Trotz des hervorragenden Hauptthemas sind die besonderen Stärken des Scores die themenfreien Passagen, für welche die unkonventionelle Besetzung zum Zuge kommt. Sie machen das Besondere des Scores aus. Es sind vor allem Suspense-Momente, in denen Goldsmith ungewöhnlichere Klänge auffährt. Die 4 Klaviere arbeiten meistens rhythmisch sehr forciert in den extremen Oktaven, was einen sehr aggressiven Sound ergibt, während die Streicher den (meist dissonanten) Kontrast bilden. Auch die 2 Percussionisten spielen in diesen Momenten eine besondere Rolle, da sie meistens mit sehr unregelmäßigen Rhythmen auf Snare-Drums, Waschbrettern und ähnlichen diese Suspense-Momente begleiten.

Fazit: Der Score ist für sich genommen schon hervorragend- und wenn man dann bedenkt, in wie kurzer Zeit er entstanden ist, ist die Musik um so bewundernswerter. Nach dem Durchhören der CD wünscht man sich beinahe, dass Goldsmith noch ein bisschen mehr Score zum Film beigesteuert hätte, aber die auf der Varèse-CD enthaltenen 25 Minuten sind fast alles, was in dem Film vorkommt. Leider ist dieser exzellente Score derzeit nicht mehr regulär erhältlich und ist nur noch teuer über ebay und Konsorten zu beziehen.

Jan Boltze / 13.03.07

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