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Onlinemagazin für Film und Filmmusik

Kritiken

Charlie and The Chocolate Factory (Danny Elfman)

Warner / 2005

CD

Bewertung:


    01. Wonka's Welcome Song (01:03)
    02. Augustus Gloop (03:12)
    03. Violet Beuregarde (02:10)
    04. Veruca Salt (02:15)
    05. Mike TeaVee (01:34)
    06. Main Titles (05:03)
    07. Wonka's First Shop (01:44)
    08. The Indian Palace (03:18)
    09. Wheels in Motion (03:20)
    10. Charlie's Birthday Bar (01:55)
    11. The Golden Ticket/Factory (03:06)
    12. Chocolate Explorers (02:16)
    13. Loompa Land (01:44)
    14. The Boat Arrives (01:18)
    15. The River Cruise (Part 1) (01:56)
    16. First Candy (01:24)
    17. Up and Out (03:13)
    18. The River Cruise (Part 2) (01:59)
    19. Charlie Declines (01:34)
    20. Finale (03:43)
    21. End Credit Suite (07:01)

    TT: 55 min

The most important thing we’ve learned, as far as children are concerned, is never never let them near a television set!” Mit solchen Worten, hier einem Auszug aus einem längeren Gedicht, eroberte der Kinderbuchautor, Schriftsteller und Drehbuchautor Roald Dahl die Literaturwelt. Nach einigen autobiographischen Kurzgeschichten aus dem Fliegermilieu, Dahl war Flieger der Royal Air Force, machte er sich mit Kurzgeschichten, Kinderbüchern und Drehbüchern einen Namen - und entwickelte sich neben einem Garant für ungewöhnliche Wendungen oder Kniffe am Ende seiner Geschichten zu einem engagierten Anwalt für die Phantasie, die Individualität und Kreativität der Kinder. Augenzwinkernd verband er konkrete Propaganda gegen die Verdummung durch das Fernsehen mit phantasievollen Märchen, appellierte auch an das Kinde im Erwachsenen und scheute sich nicht vor fiesen, zynischen Seitenhieben. 1990 verstarb Dahl 74-jährig und eine seiner bekanntesten Geschichten wurde vor kurzem wieder für das Kino adaptiert, “Charlie und die Schokoladenfabrik”.

Das Projekt schien von Beginn an auf guten Beinen zu stehen, denn mit dem Regisseur Tim Burton, dem Darsteller Johnny Depp und dem Komponisten Danny Elfman konnte man auf eine Crew hoffen, die dem Vermächtnis von Dahls Geschichte den richtigen Atem einhauchen konnte. Unkonventionell, phantasievoll, mit Mut zum Ungewöhnlichen und vor allem mit fast kindhaftem Spass bei der Sache - diese Attribute darf sich das durch mittlerweile eine Handvoll Projekte bekannte Team wie kaum ein anderes in Hollywood anheften.
Der Film, vor wenigen Monaten im Kino zu bestaunen, ist denn auch ein kleiner Augenschmaus und als audiovisuelles Erlebnis mit dem gewissen Hintersinn uneingeschränkt zu empfehlen. Die Kostümierung ist farbenfroh und ausgeflippt, die Besetzung erstklassig und die Zusammenarbeit von Geschichte, Bildsprache und Musik ein Paradebeispiel in jüngster Zeit - nicht zuletzt durch die vier Lieder der Oompa-Loompas, der Arbeitszwerge in Willy Wonkas Schokoladenfrabrik. Elfman schöpft dabei aus dem Repertoire seines Werkes von “Batman” bis “Big Fish”, aber auch den skurilen Erfahrungen seiner Bandjahre mit Oingo Boingo und dem Animations-Musical “The Nightmare Before Christmas”. Für die Lieder schuf er so ziemlich die abgedrehtesten Kreationen seiner Laufbahn, während der Score deutlich zahmer ist und einen kleinen, schönen Lauf durch 20 Jahre Elfman darstellt.

Die CD präsentiert die vier Lieder für Willy Wonkas Gäste und den kauzigen “Welcome Song” zu Beginn, der Score folgt en bloc danach. Das Willkommenslied sprüht einen infantilen, überschäumenden Charme aus, bietet es doch ein jahrmarktähnliches Arrangement mit Kinderchor und Gelache, einer Spieluhrmelodie, Leier und verzerrten Sängern. Wonkas Begeisterung für die Inszenierung der Ankunft der Kinder kommt hier perfekt rüber. Für “Augustus Gloop”, den ersten der vier Oompa Loompa Lieder, wildert Elfman auf dem Big Band Terrain mit schmissigen Bläsern, viel Percussions und dem omnipräsenten Chor und vielfältigen Gesangseinlagen (die Elfman übrigens komplett selber sang, womit er wahrscheinlich einen höllischen Spaß hatte). “Violet Beauregarde” ist mit einer E-Gitarre und Synthesizereffekten rockiger, hat aber mit einer Hammondorgel und ähnlichen Bläsersetzen noch den swingigen Charme. Mit “Veruca Salt” macht Elfman die komplette Kehrwendung und spielt eine süßliche Popballade im 60s-Stil. Akustikgitarren, Acapella-Gesang, ein wenig opulenter aufgemachte Refrains und eine pathetische Melodie charakterieren vortrefflich das verzogene Upper-Class-Göre. Für “Mike Teavee” verwendeten Elfman und Burton das oben zitierte Gedicht (alle Texte stammen übrigens aus der Original-Feder von Dahl) und wilderten im Hard-Rock-Bereich und mit den Gesangseinlagen eindeutig auf dem Gebiet von Queen.

Der Score geht etwas andere Wege, doch gemeinsam ist die Lust am ausprobieren verschiedener Einflüsse auf die Musik. Der “Main Title” ist im Aufbau vergleichbar mit dem zu “Spider-Man”, hat aber eine deutlich märchenhaftere Bandbreite an Klangfarben, dafür ein weniger eingäniges Thema. Zu den bekannten Streichern mischen sich ein hübsch antiquiert klingender Syntheffekt, Chor, E-Gitarren mechanisch stampfendes Schlagwerk als Symbol für die Fabrik. Auch hier ist die Wirkung zusammen mit dem (computergenerierten) Flug durch die Schokoladenfabrik fast eine Offenbarung, obgleich die CD die vielfältigen stilistischen Referenzen erkennen und die Musik realistischer einordnen lässt. Das Ende der “Main Titles” ruft nämlich noch die Musik zu “Edward Scissorhands” in Erinnerung.
Der titelgebende Charlie wird durch ein recht unscheinbares, ruhiges Thema für Glockenspiel und Streicher charakterisiert, welches mehrfach im Score auftaucht, aber nicht großartigen Variationen unterworfen wird. Ebenso erklingt das Hauptmotiv meist nur in der Orchestration variiert, welche eindeutig die Stärke der Musik ist. Für die besinnlichen Teile entwirft Elfman sinnliche Streicherarrangements, die handwerklich deutlich solider wirken als in seinen Anfangsjahren, und für die vielen verrückten Ereignisse und Geschichtchen verändert sich die Musik wie ein Chamäleon. Indische Sitars erklingen für die Episode mit dem Schokoladenpalast des Maharadschas, epischer mit Chor wird es in “The Golden Ticket” und wenn Willy und Charlie im gläsernen Fahrstuhl durch die Fabrik fliegen wirbeln die Streicher im Ostinato wie für den Spinnenmann. Alles in allem wirkt der Score im Einzelnen immer originell und passend, im Film sogar ganz großartig und auf der CD eindeutig spaßig und unterhaltsam. Nur der große thematische Rahmen und konzeptionelle Zusammenhalt verhindert eine Bewertung deutlich über dem gehoben Mittelfeld.

So bleibt am Ende eine eindeutige Empfehlung, denn Elfmans Musik ist einfallsreich, unterhaltsam und technisch sehr sauber gefertigt. Kleinere dramaturgische Schwächen macht er mit dem wunderbaren Zusammenspiel von Bild und Musik wett – so dass man ihm für ein etwas zu unprägnantes Hauptthema kaum böse sein kann.

Jan Zwilling / 01.02.07

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