Kritiken
Catch Me If You Can (John Williams)
Dreamworks / 2002
Bewertung:

Steven Spielbergs Filme sind über die Jahre merklich erwachsener geworden. Wirkten „Schindlers Liste“ und „Saving Private Ryan“ noch wie Ausnahmen von der Blockbuster-Regel, so hat mittlerweile selbst bei Unterhaltungsfilmen wie „Minority Report“ oder „War of the Worlds“ eine große Düsterheit Einzug gehalten. Zwischen vielen dieser düsteren Filme entstand 2002 ein Film, der eher an den alten Spielberg erinnert: „Catch Me If You Can“ basiert auf der wahren Geschichte von Frank W. Abagnale, jr., der –noch nicht mal volljährig- zu einem der erfolgreichsten Scheckbetrüger und Dokumentenfälscher wurde und später, nachdem er geschnappt wurde, beim FBI als Berater anfing. Abagnale arbeitete sogar als Arzt und Rechtsanwalt, mit gefälschten Zulassungsurkunden.
Der Film spielt in den 60er Jahren, alles ist lichtdurchflutet und in leuchtenden Farben inszeniert. Passend dazu schrieb John Williams einen Score, der mit Swing- und Progressive Jazz-Elementen angereichert ist, knüpft bei der Instrumentierung bei Lalo Schifrin und John Barry an.
Das Titelstück, im Film über einer einfallsreichen grafischen Intro-Sequenz im Stile eines Saul Bass zu sehen, gibt den Ton der Musik vor — Vibraphon und Saxophon spielen das erste Hauptmotiv des Films über einer Orchesterbegleitung und Fingerschnippen. Das Motiv wirkt improvisiert, ist aber laut dem von Spielberg verfassten, kurzen Booklettext von Williams Note für Note komponiert worden.
Ein weiteres, auf der CD wesentlich häufiger auftauchendes Thema wird im 2. Track ‚The “Float” vorgestellt. Streicher, Holzbläser und die Celesta sind hier die dominierenden Instrumente im Melodie-Bereich. Das letzte der Themen ist dem Vater des jugendlichen Hochstaplers gewidmet. Williams komponierte eine Suite mit dem Titel “Recollections (The Father’s Theme)” für die CD, die auf dem thematischen Material für den Vater basiert. In diesem Track glänzt der Saxophon-Solist Dan Higgins mit einem sehr melancholischen Spiel über einer dezenten Orchesterbegleitung. Der Track zählt zu den Highlights des Albums.
Trotz der Jazz-Elemente und der insgesamt recht hellen Ausprägung steht die Musik doch den düsteren Scores der vorangegangenen Spielberg-Filme “A.I” und “Minority Report” nahe — insbesondere die Tendenz mit kleineren Motiven minimalistisch anstatt mit grossorchestralem, thematischen Material zu arbeiten, verweist auf die beiden Sci-Fi-Scores. Besonders deutlich wird dies im Track “The Airport Scene”, in dem eine Abwandlung des Vibraphon-Solos aus dem ersten Track in dramatischen Steigerungen variiert wird.
Auf der CD befinden sich neben rund 45 Minuten Score noch einige Songs, die im Film für das passende Zeitkolorit sorgen, die aber sicher nicht jedermanns Geschmack sind, und auf CD den Hörfluss des Scores ein wenig stören.
Fazit: Wieder ein Score auf routiniert-hohem Niveau von Spielbergs Stammkomponisten. Die Saxophon-Soli sind hervorragend gelungen. Jeder Filmmusikhörer, der sich auch für Jazz interessiert, dürfte von dem Album begeistert sein. Aber auch sonst hält Williams das hohe Niveau seiner vorherigen Arbeiten aufrecht.
Jan Boltze / 13.03.07
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